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Schweden lässt Anklage gegen Wikileaks-Gründer Assange fallen

Schweden lässt Anklage gegen Wikileaks-Gründer Assange fallen

19.11.2019, 14:2419.11.2019, 15:28
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Wikileaks-Gründer Julian Assange wird sich in Schweden nicht wegen Vergewaltigung verantworten müssen. Die dortige Justiz hat entsprechende Vorwürfe fallengelassen. (Archivbild)
Julian AssangeBild: AP

Die schwedische Staatsanwaltschaft lässt die Anklage gegen den australischen Wikileaks-Chef Julian Assange fallen. Das teilte die stellvertretende Direktorin der schwedischen Strafverfolgung, Eva-Marie Persson, am Dienstag mit.

Zwar hielten die Ermittler die Klägerin für glaubhaft und zuverlässig, doch reichten die Beweise für eine Verurteilung nicht aus, sagte Persson vor den Medien in Stockholm. Nach fast einem Jahrzehnt erinnerten sich die Zeugen nicht mehr genau. Nach einer umfassenden Prüfung würden die Ermittlungen daher nicht fortgeführt. Gegen diese Entscheidung könne allerdings Widerspruch eingelegt werden.

Assange, der derzeit in Grossbritannien im Gefängnis sitzt, war vorgeworfen worden, im August 2010 eine Schwedin vergewaltigt zu haben. Der heute 48-Jährige hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Andere Vorwürfe sind mittlerweile verjährt.

Die schwedischen Ermittlungen waren 2017 schon einmal eingestellt worden, weil es nicht gelungen war, die Vorwürfe ausreichend zu untersuchen. Die Schuldfrage konnte damals nicht geklärt werden. Im Mai 2019 hatte die schwedische Staatsanwaltschaft ihre Voruntersuchungen aber wiederaufgenommen und Haftbefehl beantragt, was das zuständige Gericht in Uppsala aber im Juni ablehnte. Die Strafverfolgung hatte darauf verzichtet, gegen die Ablehnung des Haftbefehls in Berufung zu gehen.

Weitere Anklage hängig

Seit April sitzt Assange in Grossbritannien eine fast einjährige Haftstrafe wegen Verstosses gegen Kautionsauflagen ab. Zuvor hatte er sich sieben Jahre lang in der ecuadorianischen Botschaft in London versteckt, um einer Auslieferung nach Schweden wegen der Vergewaltigungsvorwürfe zu entgehen. Im April wollte ihm Ecuador keinen diplomatischen Schutz mehr gewähren.

In den USA ist der Wikileaks-Gründer zudem wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente und Verstössen gegen das Anti-Spionage-Gesetz angeklagt. Derzeit läuft das Auslieferungsverfahren dazu in Grossbritannien. Die Anhörung zum Auslieferungsantrag der USA ist für Februar angesetzt. Im Falle eines Schuldspruchs in allen Anklagepunkten in den USA droht ihm dort lebenslange Haft. (aeg/sda/afp/dpa/reu)

Julian Assange in der Botschaft Ecuadors festgenommen

Video: srf
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Sommer 2010: Von Juli bis Oktober veröffentlicht die Enthüllungsplattform Wikileaks rund 470'000 als geheim eingestufte Dokumente, die mit diplomatischen Aktivitäten der USA und mit den Kriegen in Afghanistan und im Irak zu tun haben. Weitere 250'000 Dokumente kommen später hinzu.
quelle: shutterstock.com
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27 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tomtom64
19.11.2019 14:53registriert Januar 2014
ja, die leiben und netten Schweden .... Jetzt, wo er in britischer U-Haft sitzt lässt man die Anklage fallen. Damit dürfte jetzt dem Auslieferungsbegehren der USA stattgegeben werden, aber eben durch Grossbritannien.
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darkshadow
19.11.2019 14:30registriert März 2017
Er kann danach trotzdem nirgends hin... die Anklage in den USA besteht nämlich noch. Er wird bestimmt nach dem Gefängnis in die USA überstellt. Jetzt brauchts die Anklage in Schweden gar nicht mehr...
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tagomago
19.11.2019 15:28registriert Juni 2017
Assange ist ein Held unserer Zeit. Zusammen mit Chelsea Manning und Edward Snowden. Hoffentlich gibt es für ihn einen Ausweg aus dem Staatsterror.
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