International
Spanien

Spanische Contergan-Opfer bekommen finanzielle Hilfe vom Staat

Nach über 60 Jahren – spanische Contergan-Opfer bekommen finanzielle Hilfe vom Staat

04.07.2023, 19:4904.07.2023, 20:32

Mehr als 60 Jahre nach dem Contergan-Arzneimittel-Skandal bekommen die noch lebenden spanischen Opfer finanzielle Hilfe vom Staat. Die einmalige Zahlung könne innerhalb der nächsten drei Monate beantragt werden, teilte die Regierung am Dienstag nach der Billigung der Unterstützung durch den Ministerrat in Madrid mit.

Wie viel Geld die Opfer des Beruhigungsmittels des deutschen Pharma-Unternehmens Grünenthal bekommen werden, hängt vom Behinderungsgrad ab. Bei einem Behinderungsgrad von 33 Prozent seien es zum Beispiel 396 000 Euro, liess das Ministerium für Soziale Rechte wissen. «Endlich fangen wir an, eine der grössten Schanden unseres Landes zu beseitigen: die völlige Vernachlässigung der Contergan-Opfer», sagte Ministerin Ione Belarra in einem auf Twitter geposteten Video.

Der Interessenverband Avite begrüsste die Entscheidung, beklagte aber, dass nur 130 Betroffene die Zahlung bekommen sollen. Um die Zahl der antragsberechtigten Personen zu ermitteln, hatte das Institut Carlos III in Madrid jüngst 600 Fälle geprüft. «Es sind nicht 130, sondern Hunderte mehr. Die Beweise sind in vielen Fällen nicht schlüssig. 50 und 60 Jahre später kämpfen wir immer noch», sagte Avite-Präsident José Riquelme der Zeitung «La Vanguardia». Sehr viele Opfer seien leider schon gestorben, klagte er.

Riquelmes Verband kämpft seit 2004 für die Rechte der Contergan-Opfer in Spanien. 2013 hatte man von einem Madrider Gericht Recht bekommen. Höhere Instanzen urteilten alle unter Berufung auf die abgelaufene Verjährungsfrist gegen Avite, zuletzt 2016 das Verfassungsgericht. Laut Avite hatten bisher nur 24 spanische Opfer auf verschiedenen Wegen Hilfen erhalten. Grünenthal gibt an, einige Betroffene hätten in Spanien seit 1973 Leistungen von der Conterganstiftung bekommen.

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan hatte Ende der 1950er Jahre einen der grössten Arzneimittelskandale ausgelöst. Rund 10'000 Kinder kamen weltweit mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5000 in Deutschland. Nach Avite-Angaben gab es allein in Spanien rund 3000 Opfer, weil das Mittel hier während der Franco-Diktatur länger verschrieben worden sei als in anderen Ländern. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
19 Gesundheitstipps vom schlechtesten Arzt der Welt
1 / 21
19 Gesundheitstipps vom schlechtesten Arzt der Welt
«Wenn du Bauchschmerzen hast, bedeutet das, dass dein Magen etwas Öl braucht, um wieder wie geschmiert zu funktionieren. Iss viel Frittiertes und du wirst dich sofort besser fühlen!»bild: twitter ... Mehr lesen
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie ein «harmloses» Beruhigungsmittel einen Skandal auslöste
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
4 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4
Lastkahn für Buckelwal Timmy befindet sich im Nord-Ostsee-Kanal
Der für den Transport des vor Poel liegenden Buckelwals vorgesehene Lastkahn ist im Nord-Ostsee-Kanal. Vom Schubboot «Hans» geschoben fuhr die sogenannte Barge am Sonntagabend an Hohenhörn vorbei. Zuvor hatte Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative bestätigt, dass es sich um den entsprechenden Verband handelt. Die Barge soll vor Poel den dort festsitzenden Wal samt Wasser aufnehmen und dann durch einen Schlepper gezogen Richtung Nordsee transportieren.
Zur Story