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Die niederländische Top-Sprinterin Madiea Ghafoor wurde mit Drogen erwischt und sitzt in einem deutschen Gefängnis.
Die niederländische Top-Sprinterin Madiea Ghafoor wurde mit Drogen erwischt und sitzt in einem deutschen Gefängnis.
Bild: AP

Niederländische Athletin wird mit Drogen geschnappt – und sie ist nicht allein

05.11.2019, 19:41

Am 15. Juni dieses Jahres startete die niederländische Leichtathletin Madiea Ghafoor am Diamond-League-Meeting im marokkanischen Rabat. Danach verschwand sie spurlos. Erst Mitte Juli erfuhren ihr Trainer und die Öffentlichkeit, wo sich Ghafoor aufhielt: Die 27-jährige Top-Sprinterin sass in einer Polizeizelle in Deutschland.

Ghafoor, die über die 400-Meter-Strecke zu den Top 20 der Welt gehört und mehrmals niederländische Meisterin wurde, war bereits am 18. Juni am Grenzübergang Emmerich-Elten bei der Einreise nach Deutschland verhaftet worden. Ihr wurde eine Routinekontrolle des deutschen Zolls auf der A3 zum Verhängnis.

Den Beamten erklärte Ghafoor, sie sei unterwegs zu einem Trainingslager in Düsseldorf. Sie führe keine verbotenen Waren oder mehr als 10'000 Euro Bargeld mit sich. Die Zollfahnder wurden jedoch misstrauisch und wollten das Gepäck der Leichtathletin sehen. Im Kofferraum fanden sie mehrere Taschen und Schachteln. In den Schachteln, sagte Ghafoor, befänden sich ihre Sportschuhe.

In Wahrheit waren es aber 25 in Plastik und Alufolie eingeschweisste Pakete. Deren Inhalt: 50,42 Kilogramm Ecstasy und 1,98 Kilogramm Crystal Meth (in der Presse war zuerst die Rede von 13 Kg). Der Strassenverkaufswert der Drogen belief sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Daneben fanden die Beamten 3 Kilogramm Ketamin und knapp 12'000 Euro. Sie nahmen Ghafoor umgehend fest.

Im Wagen von Ghafoor gefundenes Crystal Meth.
Im Wagen von Ghafoor gefundenes Crystal Meth.
Bild: Polizei NRW

Knast statt WM-Teilnahme

Die Verhaftung machte einen Strich durch Ghafoors Pläne, im Herbst mit der niederländischen 4x400-m-Staffel an den Leichtathletik-Weltmeisterschaften zu starten. Stattdessen wartete sie in einem deutschen Gefängnis auf ihren Prozess am Landgericht Kleve in Nordrhein-Westfalen.

Am 4. November fiel das Urteil: achteinhalb Jahre Gefängnis. Damit lag das Gericht sogar über dem von der Anklage geforderten Strafmass – die Staatsanwaltschaft hatte siebeneinhalb Jahre gefordert. Ghafoor weinte während der Urteilsverkündung. Ihr Anwalt Norman Werner kündigte an, das Urteil anzufechten.

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Ghafoor hatte durch ihren Anwalt zu Prozessbeginn verlauten lassen, sie sei davon ausgegangen, dass sie in ihrem Toyota Yaris Dopingmittel nach Deutschland transportierte. Den Transport von Drogen hätte sie abgelehnt. Sie habe in einem Café gewartet, während die Ware in ihrem Kofferraum verstaut wurde.

Angst vor Repressalien

Werner führte weiter aus, Ghafoor habe sich in einem Formtief befunden und sei wegen der bevorstehenden WM unter starkem Leistungsdruck gestanden. In ihrer Verzweiflung habe sie sich an dubiose Gestalten gewandt, die ihr leistungssteigernde Mittel beschaffen sollten. Deren Namen wollte Ghafoor nicht nennen. Sie habe Angst vor Repressalien. «Ihrer Lebenspartnerin, die sich inzwischen von ihr getrennt hat, wurde mit der Entführung der beiden minderjährigen Kinder gedroht», erklärte Werner.

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Das Gericht hielt die Erklärung jedoch für unglaubwürdig. In der Urteilsbegründung sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby, niemand würde einem Kurier Drogen im Wert von 1,5 Millionen Euro übergeben, wenn der nichts davon wisse – das Risiko wäre dann viel zu hoch, dass er die Ware finden und der Polizei melden würde.

Meldung an die Dopingbehörde

Der niederländische Leichtathletikverband (Atletiekunie) teilte in einem Statement auf seiner Website mit, man sei bestürzt über die Aussagen des Anwalts von Ghafoor während des Prozesses und habe die Dopingbehörde informiert. «Die Angelegenheit ist der Dopingbehörde übertragen worden, die untersuchen soll, inwiefern die Dopingregeln übertreten wurden, sowie die weiteren Aussagen des Anwalts prüfen soll», hiess es in der Mitteilung.

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Noch hat der nationale niederländische Sportverband NOC*NSF der Sprinterin, die 2016 an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnahm, den A-Status nicht aberkannt. Dies bedeutet, dass sie Anrecht auf ein Monatseinkommen von 2269 Euro, einen Leasingwagen und weitere Unterstützungen hat.

Sprinter auf Abwegen

Ghafoor ist nicht der einzige Fall, der den niederländischen Leichtathletikverband erschüttert. Im August wurde der 21-jährige Sprinter Roelf Bouwmeester auf dem bekannten Musikfestival Sziget in der ungarischen Hauptstadt Budapest beim Drogendealen erwischt und verhaftet.

Bouwmeester hatte eine vielversprechende Sprinter-Karriere vor sich.
Bouwmeester hatte eine vielversprechende Sprinter-Karriere vor sich.

Er und ein Landsmann hatten 1 Kilogramm Ecstasy, 451 Fläschchen mit Betäubungsmitteln und eine grosse Menge an Marihuana dabei, die sie aus ihrem Zelt heraus verkauften. Das Duo fiel auf, weil sich auffallend viele Leute um ihr Zelt versammelt hatten. Der Wert der beschlagnahmten Drogen soll 15'000 Euro betragen haben.

Die ungarischen Drogengesetze sind sehr hart: Sollte zum Vorwurf des Drogenhandels noch jener des Drogenschmuggels kommen, drohen Bouwmeester und seinem Komplizen eine Haftstrafe von 20 Jahren bis lebenslänglich. Bouwmeester stand in der niederländischen Auswahl für die U23-Europameisterschaft.

Die beiden Niederländer hatten vorgedrehte Joints bei sich.
Die beiden Niederländer hatten vorgedrehte Joints bei sich.
Bild: Polizei Ungarn

Method Acting am Musikfestival

Nicht genug mit diesen beiden Fällen: Ebenfalls im Sommer 2019 ging die Schauspielerin Imanuelle Grives auf dem belgischen Musikfestival Tomorrowland in Boom der Polizei ins Netz. Die 34-jährige Niederländerin trug mehr als 100 Ecstasy-Pillen, 20 Gramm Kokain sowie kleinere Mengen an Amphetamin und Ketamin auf sich. Weitere Drogen fanden die Fahnder in der Airbnb-Wohnnug, die sie gemietet hatte.

Grives postete vor ihrer Verhaftung noch Bilder von sich auf Instagram.
Grives postete vor ihrer Verhaftung noch Bilder von sich auf Instagram.
Bild: Instagram

Grives, die Ende August auf Kaution freikam, gab zu, dass sie Drogen an ihre Freundinnen und weitere Personen auf dem Festival verkauft habe. Sie behauptete jedoch, sie habe sich damit auf eine Rolle in einem Film vorbereitet, der im Drogenmilieu spiele. Ihr Management bestätigte dies und erklärte, es habe sich um ein «aus dem Ruder gelaufenes Experiment» gehandelt.

(dhr)

Nicht nur Drogen sind beliebte illegale Importware

Video: srf
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