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Nach Luftangriffen der syrischen Regierung und Russlands: Rauch über der Stadt Habit im Süden der Provinz Idlib.
Nach Luftangriffen der syrischen Regierung und Russlands: Rauch über der Stadt Habit im Süden der Provinz Idlib.
Bild: AP Syrian Civil Defense White Helmets

Luftangriffe auf Idlib – Syrische Regierung und Verbündete zerstören mehrere Kliniken

07.05.2019, 20:36

Die neue Angriffswelle auf Syriens letztes grosses Rebellengebiet um die Stadt Idlib verschärft die humanitäre Not in der Region. Seit Beginn der Angriffe in der vergangenen Woche sind dort mindestens zwölf Gesundheitseinrichtungen getroffen worden.

Das meldete das Uno-Nothilfebüro Ocha am Dienstag. Die Gesundheitsbehörde der von Rebellen kontrollierten Provinz Idlib erklärte, sieben Kliniken und Gesundheitszentren seien zum Teil stark beschädigt oder völlig zerstört. Nach Uno-Angaben sind rund 150'000 Menschen vor den neuen Angriffen auf der Flucht. Auch neun Schulen wurden demnach getroffen.

Syriens Regierung und ihr Verbündeter Russland hatten in der vergangenen Woche eine neue Serie von Luftangriffen auf die Region begonnen. Die humanitäre Lage dort ist ohnehin seit Monaten angespannt.

In dem Gebiet leben rund drei Millionen Zivilisten, rund die Hälfte davon Flüchtlinge. Viele sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Aktivisten berichteten, wegen der neuen Angriffswelle gebe es eine Fluchtbewegung in Richtung der türkischen Grenze.

Weisshelme versorgen ein Opfer in der Provinz Idlib.
Weisshelme versorgen ein Opfer in der Provinz Idlib.
Bild: AP/Syrian Civil Defense White Helmets

Schrecklicher Alltag

Die Hilfsorganisation Malteser International erklärte, ein von ihr unterstütztes Spital in den Ort Kafr Nubl sei nun ausser Betrieb. Es war demnach die einzige chirurgische Klinik im Umkreis von 50 Kilometern. Alle von den Maltesern unterstützten Einrichtungen seien über die Uno als konfliktneutrale Infrastruktur gemeldet.

Gezielte Angriffe (auf Spitäler) stellten eine Verletzung des (humanitären) Völkerrechts dar, gehörten aber zum schrecklichen Alltag der leidenden Zivilbevölkerung in Syrien, erklärte die Malteser-Leiterin Naher Osten, Janine Lietmeyer.

Uno fordert Einhaltung von Waffenruhe

Uno-Generalsekretär Antonio Guterres rief die Konfliktparteien auf, den im September vereinbarten Waffenstillstand einzuhalten, wie dessen Sprecher Stéphane Dujarric sagte. Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte ein Ende der Gewalt. «Die humanitäre Situation in Syrien ist kritisch und keine militärische Option ist akzeptabel», erklärte er über Twitter. Man sei «extrem besorgt».

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte handelt es sich um die heftigsten Bombardierungen seit Monaten. Demnach kamen bisher mindestens 150 Menschen ums Leben. Zuletzt rückten die Anhänger von Präsident Baschar al-Assad auch am Boden vor. Sie werden von Russland und auch vom Iran unterstützt.

Russland sowie die Türkei als Verbündeter der Opposition hatten die Region zu einer so genannten Deeskalationszone erklärt und sich im September auf eine entmilitarisierte Pufferzone geeinigt.

Sie soll eine Offensive der Regierung verhindern, mit der die Regierung droht. Die Region rund um Idlib ist nach acht Jahren Bürgerkrieg das letzte grosse Rebellengebiet Syriens. Es wird vor allem von der Al-Kaida-nahen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kontrolliert. Syrien und Russland argumentieren, sie bekämpften dort Extremisten.

Machen geimensame Sache: Wladimir Putin und Baschar al-Assad.
Machen geimensame Sache: Wladimir Putin und Baschar al-Assad.
Bild: AP/POOL SPUTNIK KREMLIN

Warnung vor humanitärer Katastrophe

Schon bei früheren syrischen und russischen Operationen hatte es immer wieder Angriffe auf Kliniken gegeben. So beklagten Helfer und Aktivisten vor zwei Jahren eine Angriffswelle auf Spitäler und andere medizinische Einrichtungen in Idlib. Regierungsgegner werfen Syrien und Russland vor, so gezielt Schrecken verbreiten zu wollen.

Hilfsorganisationen hatten in den vergangenen Monaten immer wieder gewarnt, ein Angriff der Regierung auf das Gebiet könnte zu einer humanitären Katastrophe unbekannten Ausmasses führen.

Die meisten der nach Idlib vertriebenen Menschen sind bereits aus anderen Gebieten vor den Regierungstruppen geflohen. Für sie gibt es innerhalb Syriens kaum noch andere Zufluchtsorte. Die Türkei hat die Grenze zum Nachbarland für Flüchtlinge grösstenteils geschlossen. (sda/dpa)

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