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Ein Mann bringt sich im Damaszener Vorort Ghuta vor Luftangriffen der Regierung in Sicherheit.
Ein Mann bringt sich im Damaszener Vorort Ghuta vor Luftangriffen der Regierung in Sicherheit.Bild: AP/Ghouta Media Center

«Massaker» vor den Toren von Damaskus – Treffen des Uno-Sicherheitsrat endet ergebnislos 

22.02.2018, 22:54

Das Leiden der Menschen in der eingeschlossenen syrischen Rebellenenklave Ost-Ghuta geht unvermindert weiter. Auch am Donnerstag wurden die Ortschaften in dem Gebiet östlich der Hauptstadt Damaskus massiv bombardiert.

Der Uno-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprachen von einem Massaker. Bei Bombardierungen der belagerten Region nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus starben auch am Donnerstag mindestens 36 Zivilisten, mehr als 200 wurden verletzt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete.

Am Donnerstag bombardierten nach Darstellung von Einwohnern und Rebellen russische Flugzeuge aus grösser Höhe mehrere Ortschaften in der Enklave. Zudem hätten Helikopter erneut die wegen ihrer Splitterwirkung geächteten Fassbomben abgeworfen, berichteten Rettungskräfte.

Ein Aktivist aus Ost-Ghuta berichtete der Nachrichtenagentur DPA am Donnerstag, wegen des heftigen Beschusses könnten selbst Rettungshelfer nicht mehr auf die Strasse, um Opfern zu helfen. «Dutzende Granaten fallen jede Minute herunter», sagte Masen al-Schami.

Seit Ende November konnte nur ein Hilfskonvoi das umkämpfte Gebiet erreichen. Ärzte ohne Grenzen berichtete, seit Sonntag seien 13 Kliniken angegriffen und zerstört oder beschädigt worden.

Sicherheitsrats-Sitzung ergebnislos

Merkel warf der Regierung Assads vor, Krieg nicht gegen Extremisten, sondern das eigene Volk zu führen. «Die Tötung von Kindern, das Zerstören von Spitälern - all das ist ein Massaker, das es zu verurteilen gilt.» Die Europäer müssten sich stärker um ein Ende des Konflikts bemühen. «Diese Aufforderung gilt auch für die Verbündeten des Assad-Regimes, ganz besonders Iran und Russland

Der Uno-Sicherheitsrat kam in New York zu einer Sondersitzung zusammen, ging aber ohne Ergebnis wieder auseinander. Schweden und Kuwait hatten im Vorfeld einen Resolutionsentwurf in Umlauf gebracht, der eine 30 Tage lange Feuerpause sowie Zugang für humanitäre Helfer vorsieht. Die USA hatten ihre Zustimmung signalisiert.

Russland machte allerdings während der Sitzung deutlich, dass es dem Entwurf in dieser Form nicht zustimmen werde und brachte einige Änderungsvorschläge in Umlauf, deren Inhalt zunächst nicht im Detail bekannt war. Als ständiges Mitglied des Sicherheitsrats kann Russland mit einem Veto jede Resolution zu Fall bringen.

Eine Abstimmung noch am Donnerstag über das Papier galt als unwahrscheinlich. Diplomaten zufolge könnte nach weiteren Beratungen möglicherweise am Freitag abgestimmt werden.

So schlimm wie noch nie

Ost-Ghuta erlebt eine der schlimmsten Angriffswellen seit Beginn des Bürgerkriegs vor sieben Jahren. Seit Sonntag liegt das letzte grössere von Rebellen kontrollierte Gebiet nahe Damaskus nahezu unter Dauerbeschuss. Über 370 Zivilisten wurden getötet und fast 1900 verletzt.

In dem seit 2013 von Regierungstruppen eingeschlossen Gebiet leben 400'000 Menschen, die hungern und wegen zerstörter Spitälern kaum noch medizinisch versorgt werden können. Die Bombardements sind Teil einer Offensive an mehreren Fronten, mit der Präsident Baschar al-Assad den Sieg erzwingen will.

Am Mittwoch hatten Uno-Generalsekretär António Guterres und sein Vorgänger Ban Ki Moon den Sicherheitsrat bei der Sitzung noch einmal auf die Dringlichkeit des Themas hingewiesen. «Das furchtbare Leiden der Zivilbevölkerung in Ost-Ghuta macht mich sehr traurig», sagte Guterres. «400'000 Menschen leben dort in der Hölle auf Erden.»

Zusätzliche Hilfsgelder

Angesichts der dramatischen Lage im syrischen Ost-Ghuta sagte der deutsche Aussenminister Sigmar Gabriel zehn Millionen Euro zusätzlich für Hilfsmassnahmen in dem Bürgerkriegsgebiet zu.

Die Versorgungslage sei «katastrophal», insbesondere das Leben von Kindern sei akut bedroht, sagte Gabriel. Vor allem für die Versorgung und gegebenenfalls auch Evakuierung dieser Kindern solle die Hilfe dienen. (sda/reu/dpa/afp)

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