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Jetzt reden die Helden des Thalys-Angriffs: «Der Schütze schien zum Äussersten bereit. Das waren wir auch»



Die drei Amerikaner, die zusammen mit einem französischen und einem britischen Staatsbürger den Attentäter in einem Thalys-Schnellzug zwischen Amsterdam und Paris überwältigten, haben sich in der US-Botschaft in Paris den Medien gestellt. «Das Wort ‹Held› wird oft gebraucht, aber noch nie war es angebrachter als in diesem Fall», sagte Botschafterin Jane Hartley mit Verweis auf Spencer Stone, Anthony Sadler und Alek Skarlatos, die neben ihr sassen.

Der Armee-Angehörige Spencer Stone, der bei der Aktion verletzt wurde, sagte: «Ich sah, wie er versuchte, die Waffe zu laden. Alek stupste mich an der Schulter und sagte: ‹Let's go!›. Wir warfen uns auf ihn, ich nahm ihn in den Würgegriff und Alek nahm ihm die Waffe ab.» Doch der Schütze habe ständig weitere Waffen gezogen, darunter eine Handfeuerwaffe und ein Teppichmesser, mit dem er Spencer beinahe den Daumen abschnitt. «Er schien bis zum Äussersten bereit. Das waren wir auch.»

Nachdem der Attentäter mit der Hilfe des Briten Chris Norman gefesselt war, kümmerte sich Spencer um den verletzten amerikanisch-französischen Staatsbürger, der als erster versucht hatte, den Schützen aufzuhalten. Er war am Hals getroffen worden und blutete stark. Er steckte ihm den Finger in die Wunde und drückte auf die Arterie, um die Blutung zu stoppen. Das tat er, bis die Sanitäter eintrafen.

Am Montag werden die Männer von Frankreichs Präsident François Hollande im Elysée-Palast empfangen. Dabei wird ihnen und dem Briten Chris Norman der Verdienstorden der Ehrenlegion verliehen, die höchste Auszeichnung des Landes.

Schütze bestreitet Terror-Motiv

Die Hintergründe des Angriffs sind noch immer unklar. Der Angreifer bestritt, überhaupt Schüsse abgegeben zu haben. Französische Ermittler gingen am Sonntag wegen des mutmasslich dschihadistischen Hintergrunds des festgenommenen Angreifers von einem Attentatsversuch aus. Auch in Belgien wurde wegen Terrorismusverdachts ermittelt.

Die Anwältin des Marokkaners sagte am Sonntag, laut ihrem Mandanten habe es «keine Schüsse gegeben». Er sei nach eigener Aussage sofort überwältigt worden und die Kalaschnikow habe nicht funktioniert, sagte die Anwältin Sophie David am Sonntag dem französischen Sender BFM-TV. Sie hatte den Marokkaner nach seiner Festnahme kurzzeitig beraten.

Bei ersten Befragungen im Polizeigewahrsam durch Anti-Terror-Ermittler in Paris bestritt der Marokkaner jegliche Anschlagsabsicht. Er gab an, die Waffen in einem «versteckten Koffer» in einem öffentlichen Park in der Nähe des Brüsseler Bahnhofs gefunden zu haben. Dort habe er oft mit anderen Obdachlosen übernachtet. Mit den Waffen sei er dann in den Zug gestiegen um «die Reisenden zu erpressen», sagte die Anwältin weiter.

Zuvor Kleinkrimineller und Drogendealer

Bei vier europäischen Geheimdiensten war der Mann hingegen als radikaler Islamist registriert. Der Mann lebte von 2007 bis 2014 in Spanien, zunächst in Madrid, dann im andalusischen Algeciras. Dort fiel er den Sicherheitsbehörden wegen Reden auf, in denen er den bewaffneten Kampf gegen Ungläubige propagierte.

Laut französischen Ermittlern lebte der junge Mann von Gelegenheitsjobs und kleineren Delikten, darunter Drogenhandel. Spanien meldete ihn an Frankreich, wo ein Sicherheitsvermerk angelegt wurde. Zuletzt fiel er auf, als er am 10. Mai von Berlin aus in die Türkei flog. Laut spanischen Behörden reiste er von Frankreich aus auch nach Syrien, was der Marokkaner aber bestreitet. (kri/sda/afp)

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