International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Handout pictures released on December 21, 2016 and acquired from the web site of the German Bundeskriminalamt (BKA) Federal Crime Office show suspect Anis Amri searched in relation with the Monday's truck attack on a Christmas market in Berlin.   REUTERS/BKA/Handout via Reuters  ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. EDITORIAL USE ONLY.FOR EDITORIAL USE ONLY. NO RESALES. NO ARCHIVES

Anis Amri trat in Europa unter verschiedenen Namen auf. Bild: HANDOUT/REUTERS

Anis Amris Vater: «Er hat getrunken und gestohlen, aber er wurde in Europa radikalisiert»



Mit Hochdruck fahnden die deutschen Behörden nach dem Tunesier Anis Amri. Er wird verdächtigt, den Terroranschlag mit einem Lastwagen auf dem Weihnachtsmarkt bei der Berliner Gedächtniskirche verübt zu haben. Nun hat sich Amris Familie zu Wort gemeldet. Sie schildert eine Karriere, die typisch ist für viele Dschihadisten: Vom Kleinkriminellen zum Massenmörder.

Anis Amri stammt aus Oueslatia, einem verarmten Dorf in der Umgebung der Stadt Kairouan. Diese gilt als Hotspot der tunesischen Salafisten, hier wurden junge Männer für den Dschihad rekrutiert, ehe die Regierung 2013 dagegen vorging. Anis allerdings sei bis zu seiner Flucht nach Europa nie religiös oder intolerant gegenüber Andersgläubigen gewesen, erklärte sein Vater der britischen Zeitung «The Times».

People pass a street vendor selling traditional confectioneries in front of the Uqba ibn Nafi mosque, also known as the Great Mosque, during a celebration to mark the birthday anniversary of Prophet Mohammad, in Kairouan, Tunisia December 12, 2016. REUTERS/Zoubeir Souissi

Kairouan gilt als heilige Stadt und als Zentrum der tunesischen Salafisten. Bild: ZOUBEIR SOUISSI/REUTERS

Sein Sohn sei ein normaler Teenager gewesen, mit einer Leidenschaft für Fussball. «Er war ehrgeizig und wollte seinen gesellschaftlichen und finanziellen Status verbessern», sagte der Vater. Angesichts der drückenden Armut habe Anis jedoch die Sekundarschule in Kairouan abbrechen müssen. Dafür kam er mit Alkohol und Drogen in Kontakt. Wegen Diebstählen und Gewaltdelikten kam er wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt.

Vier Jahre Gefängnis in Italien

Die Wirren nach dem Sturz von Diktator Ben Ali Anfang 2011 nutzte Anis Amri zur Flucht nach Italien, wo er wegen Diebstählen und Brandstiftung an einer Schule zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde. «Dort traf er extremistische Gruppen, von denen er sich angezogen fühlte», sagte Amris Vater.

2015 zog Amri weiter nach Deutschland, wo er sich als syrischer Flüchtling ausgab und um Asyl ersuchte. Er hielt weiter Kontakt zu seinen sieben Geschwistern – drei Brüder und vier Schwestern –, mit dem Vater jedoch habe er seit seiner Flucht aus Tunesien nie mehr gesprochen. «Einmal schickte er mir ein Mobiltelefon und eine Schachtel Schokolade über einen tunesischen Freund, der in Italien lebte.»

In Deutschland geriet Anis Amir, der sechs verschiedene Namen verwendet haben soll, erneut in den Dunstkreis von Salafisten, darunter der Hassprediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. alias «Abu Walaa», der kürzlich verhaftet wurde. Amris Asylgesuch wurde abgelehnt und er selber von den Staatsschützern als «Gefährder» eingestuft. Eine Abschiebung nach Tunesien war wegen fehlender Papiere nicht möglich. 

Geschwister sind schockiert

Nun wird er dringend verdächtigt, den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt verübt zu haben. Seine Geschwister zeigten sich fassungslos. «Ich kann nicht glauben, dass er so etwas tun könnte», sagte seine Schwester Najoua der Nachrichtenagentur AFP. «Er gab uns nie das Gefühl, dass etwas falsch lief. Wir hatten Kontakt über Facebook, er hat immer gelacht und war fröhlich.»

Anis' Bruder Abdelkader äusserte sich deutlicher: «Ich war schockiert und konnte nicht glauben, dass er dieses Verbrechen begangen hat. Wenn er schuldig ist, verdient er jede Bestrafung. Wir distanzieren uns von Terrorismus und Terroristen – wir haben nichts mit Terroristen zu tun.» (pbl)

Berlin trauert

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Das ist Deutschlands Corona-Hotspot – und 400 Demonstranten ziehen singend durch die Stadt

Im Landkreis Hildburghausen mit Deutschlands höchster Infektionszahl gelten seit Mittwoch noch schärfere Regeln. Trotzdem zogen am Abend rund 400 Menschen singend durch die Kreisstadt. Nicht nur der Bürgermeister ist fassungslos.

In Hildburghausen im deutschen Bundesland Thüringen sind am Mittwoch bei einer nicht angemeldeten Kundgebung rund 400 Menschen singend durch die Stadt gezogen. Die Szenen lösen lokal und bundesweit Empörung und Unverständnis aus: Es ist der Kreis, in dem nach Zahlen des RKI das Coronavirus so um sich greift wie sonst nirgends. Er war deutschlandweit der erste, der die Sieben-Tage-Inzidenz von 527 Neuerkrankungen pro 100'000 Einwohnern durchbrochen hatte, auf der Karte des RKI musste dafür …

Artikel lesen
Link zum Artikel