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epaselect epa05579214 A vehicle of the German Criminal Police is seen behind a police tape cordoning off the area as officers investigate an apartment in the Paunsdorf district of Leipzig, Saxony, Germany, 10 October 2016. Fugitive terror-suspect Jaber al-Bakr was arrested in the night in Leipzig. The 22-year-old Syrian had been on the run since an anti-terrorist raid on 08 October, in Chemnitz. Several hundred grams of explosives were reportedly found during a search in an apartment where al-Bakr was staying.  EPA/HENDRIK SCHMIDT

In diesem Haus in Leipzig war Albakr am Montag nach intensiver Fahndung festgenommen worden. Bild: EPA/DPA

Terrorverdächtiger von Chemnitz erhängte sich mit seinem Hemd



Der Syrer, der im deutschen Chemnitz unter Terrorverdacht festgenommen wurde, ist tot. Der 22-jährige Dschaber al-Bakr hat sich nach Angaben der Behörden des deutschen Bundeslandes Sachsen am Mittwochabend im Gefängnis das Leben genommen. Er hat sich mit seinem Hemd erhängt, hiess es an einer Pressekonferenz am Donnerstag in Dresden.

Der Suizid des terrorverdächtigen Jaber Albakr in einem Leipziger Gefängnis hätte aus Sicht von Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) nicht geschehen dürfen. «Es ist aber leider geschehen», sagte Gemkow bei einer Pressekonferenz in Dresden. Nach jetzigem Stand habe man alles getan, um einen Suizid zu verhindern.

Trotz ständiger Beobachtung nahm sich Al-Bakr das Leben

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Video: reuters.com

Die sächsische Justiz habe im Vorfeld keine Hinweise auf eine unmittelbare Suizidgefahr gesehen. Es sei «keine akute Selbstmordgefahr des Beschuldigten festgestellt» worden, sagte Gemkow.

Der Minister sagte aber zu der Selbsttötung: «Das hätte nicht passieren dürfen. Es ist aber leider geschehen.» Al-Bakr habe sich mit seinem Hemd an einem Gitter stranguliert. Der Leiter der Justizvollzugsanstalt, Rolf Jacob, sprach von einem T-Shirt. Die Leiche des 22-jährigen werde noch am Donnerstag obduziert, sagte Gemkow.

Al-Bakr sei in seiner Gefängniszelle zunächst alle 15 Minuten kontrolliert worden. Am Mittwochnachmittag sei dann aber eine Expertenrunde zu dem Ergebnis gekommen, dass man die Kontrollen in einem Zeitabstand von 30 Minuten machen könne. Eine Vollzugsbeamtin habe dann um 19.45 Uhr bei einer vorzeitigen Kontrolle – bereits eine Viertelstunde nach der letzten Kontrolle – festgestellt, dass sich Al-Bakr selbst getötet habe. Die Reanimation blieb erfolglos.

Jacob erläuterte weiter, Al-Bakr habe am Dienstag eine abgerissene Deckenlampe in seiner Zelle gemeldet. «Man hat das als Vandalismus eingestuft», sagte er. Im Sinne einer Suizidgefährdung sei das nicht gedeutet worden. Später sei bemerkt worden, dass auch eine Steckdose manipuliert gewesen sei.

Al-Bakr war am Montag nach zweitägiger Flucht in Leipzig festgenommen worden. Nach Angaben des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte er einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet.

Unter «ständiger Beobachtung»

Al-Bakrs Pflichtverteidiger äusserte nach dem Suizid scharfe Kritik an der sächsischen Justiz: «Ich bin wahnsinnig schockiert und absolut fassungslos, dass so etwas passieren kann», sagte der Rechtsanwalt Alexander Hübner dem «Focus». Er sprach von einem «Justizskandal».

Hübner sagte, den Verantwortlichen der Justizvollzugsanstalt sei das Suizid-Risiko des Beschuldigten bekannt gewesen, das auch im Protokoll vermerkt worden war. «Er hatte bereits Lampen zerschlagen und an Steckdosen manipuliert.»

Noch am Nachmittag sei ihm telefonisch versichert worden, dass der in Einzelhaft sitzende al-Bakr «ständig beobachtet» werde. Hübner sagte weiter, dass der Terrorverdächtige sich seit seiner Festnahme im Hungerstreik befand. Er habe seit Sonntag nichts gegessen und getrunken.

Von Landsleuten überwältigt

In einer Chemnitzer Wohnung, in der am Samstag die Festnahme des Syrers zunächst misslang, hatte die Polizei 1,5 Kilogramm des hochgefährlichen Sprengstoffs TATP sichergestellt. Festgenommen wurde er, nachdem ihn Landsleute erkannt, überwältigt und der Polizei übergeben hatten.

In seinen Vernehmungen hatte er nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa die drei Syrer der Mitwisserschaft bezichtigt. Inwieweit diese Aussage als glaubhaft eingestuft wurde, blieb zunächst unklar. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, die die Ermittlungen führt, wollte die Angaben nicht bestätigen.

Auch die Frage, ob die drei Syrer, die ihn überwältigt hatten, noch als Zeugen oder Verdächtige in dem Ermittlungsverfahren behandelt würden, blieb in Karlsruhe unbeantwortet. Der Wohnungsmieter wurde als mutmasslicher Komplize verhaftet. Den Angaben zufolge gab es aber keine weiteren Festnahmen.

Nach Syrien zurückgekehrt

Al-Bakr war Anfang 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Nach Recherchen des MDR war er zwischenzeitlich wieder in Syrien. Das habe die Familie des 22-Jährigen mitgeteilt, berichtete das Magazin «Exakt».

Laut Innenminister Thomas de Maizière wurde Al-Bakr 2015 von den Sicherheitsbehörden überprüft. «Allerdings ohne Treffer. Es steht ja auch noch gar nicht fest, wann es dort zu einer Radikalisierung gekommen ist», sagte er am Mittwoch in Berlin.

Dem MDR zufolge reiste Al-Bakr im Herbst vergangenen Jahres zwei Mal in die Türkei und hielt sich auch einige Zeit in der syrischen Stadt Idlib auf. Mitbewohner aus dem nordsächsischen Eilenburg hätten ebenfalls von seinem Aufenthalt in Idlib berichtet. Sie hätten den 22-Jährigen aber nicht als besonders religiös beschreiben. Nach seiner Rückkehr soll er sich jedoch verändert haben. 

(cma/tat/sda/dpa/afp/reu)

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37Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MaskedGaijin 13.10.2016 16:32
    Highlight Highlight Wenigstens ist er nicht "in der Treppe gestürzt"...
  • felixJongleur 13.10.2016 12:51
    Highlight Highlight Der Postillon dazu:

    Leiter der JVA Leipzig: "Wir konnten ja nicht ahnen, dass ein Selbstmordattentäter selbstmordgefährdet ist"
  • OnePercent 13.10.2016 12:41
    Highlight Highlight Es gab keine Anzeichen für eine Selbstmordgefährdung - beim inhaftierten Selbstmord attentäter....

    User Image
  • amore 13.10.2016 12:29
    Highlight Highlight Wie kann man nur so naiv sein und glauben, dass ein IS-Kämpfer keinen Selbstmord begeht.
  • dmark 13.10.2016 12:05
    Highlight Highlight Es mag für manchen etwas hart klingen... aber Informationen hätten wir sowieso keine von ihm bekommen und er hat sein Ableben, ohne irgend welchen weiteren Schaden anzurichten sehr kostengünstig und unbürokratisch "vollendet".
    • jjjj 13.10.2016 16:34
      Highlight Highlight das weisst du doch nicht?!
    • dmark 13.10.2016 19:44
      Highlight Highlight Was weiss ich nicht?
      Dass er keine weiteren Kosten verursachen, sowie noch irgend welche Attentate verüben kann, dürfte doch wohl in der Folge seines Ablebens eindeutig sein, oder?
      Gut, die dt. Bürokratie wird sich wohl noch etwas "austoben", aber auch das wird sich legen.
    • jjjj 14.10.2016 09:37
      Highlight Highlight dass man von ihm keine Infos erhalten hätte...
    Weitere Antworten anzeigen
  • Ronello 13.10.2016 08:25
    Highlight Highlight Sehr verdächtig! Dieser "Selbstmord" passt wohl einigen wichtigen Drahtziehern äusserst gut ins Konzept. Da wir uns in einem Kriegszustand befinden, sollte nicht ausser Acht gelassen werden, dass etliche der Attentate in letzter Zeit False-Flag-Aktionen sein können. Ein Konglomerat aus Waffen- und Sicherheitsindustrie hat grosses Interesse daran, die Situation zu verschärfen. Es geht um sehr viel Geld. Die Methoden, Strohmänner zu "züchten" und Anschläge durchführen zu lassen ist altbekannt: Das entsprechende Programm der CIA hiess " MK-Ultra". Wurde zwar offiziell abgebrochen, aber eben...
    • Asmodeus 13.10.2016 09:50
      Highlight Highlight Ich muss ehrlich zugeben. Ich wäre nicht überrascht, wenn sich herausstellt, dass es eine False-Flag-Aktion war.

      Aber ich muss trotzdem auch sagen, dass ich es für realistischer halte, dass ein Einzelner einen Anschlag im, aktuell doch sehr rassistischen, Osten Deutschlands plant, als dass die Bundesregierung einen potentiellen Anschlag durch einen Flüchtling fingiert.

      Das Ganze zeigt allerdings, wie wenig Vertrauen wir mittlerweile in Politik, Medien und Wirtschaft haben. Wir rechnen schon aus Prinzip damit, für Dumm verkauft zu werden.
    • a-n-n-a 13.10.2016 10:00
      Highlight Highlight Dieser Suizid bei "ständiger Bewachung wegen Suizidgefahr" ist schon sehr schräg. Wie konnte es soweit kommen? Sollte es soweit kommen? Warum hat man ihm nicht alles, was als Strick dienen könnte, abgenommen bzw. nicht gegeben (Handtücher, Bettanzug etc.)? Irgendwas stinkt hier gewaltig..
    • dmark 13.10.2016 11:08
      Highlight Highlight Weil du ihm nicht auch noch sein T-Shirt abnehmen kannst, womit er sich, was ja nun bekannt gegeben wurde, erhängte.
      Welcher Mensch kommt auf die Idee, dass sich jemand mit einem T-Shirt erhängt?
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. D. 13.10.2016 06:32
    Highlight Highlight Al-Bakrs Pflichtverteidiger äusserte ach dem Suizid scharfe Kritik an der sächsischen Justiz: «Ich bin wahnsinnig schockiert und absolut fassungslos, dass so etwas passieren kann», sagte der Rechtsanwalt Alexander Hübner dem «Focus». Er sprach von einem «Justizskandal»

    Lieber Pflichtverteidiger, wir wollen hier mal nicht die Relationen verlieren. Anschlag verhindert.
    Ihr Klient hat das Zeitliche gesegnet.
    Für mich stimmts.
    • Saraina 13.10.2016 09:09
      Highlight Highlight Es stimmt überhaupt nicht, wenn jemand der ständig überwacht wird, sich unter den Augen dieser Überwacher erhöngen kann. Dass ein Toter keine Angaben zu eventuellen Komplizen im Land oder seinen Auftraggebern machen kann, scheint Sie nicht zu stören? Zudem wird dieser Vorfall allen Verschwörungstheoretikern Auftrieb geben. Aber eben: Simple Geister, simple Lösungen...
    • N. Y. P. D. 13.10.2016 10:09
      Highlight Highlight Liebe @Saraina,
      so simpel müssen Sie meine Aussage auch nicht interpretieren.
      Jeder stimmt Ihnen zu, dass es wichtig gewesen wäre an Informationen ranzukommen.
      Ist ja klar.
      Meine Aussage oben mit Interpretationshilfe :
      Falls so etwas passiert (Angeklagter erhängt sich), ist das alles andere als hilfreich für die Ermittler, aber von allen erdenklichen "Fehlern", die theoretisch passieren können, kann ich
      genau mit diesem Fehler
      am besten leben.
    • Saraina 13.10.2016 11:06
      Highlight Highlight Es ist vor allem ein Totalversagen der betreffenden Polizeibehörden. Nicht das erste in Sachsen. Mal abgesehen davon, dass diese Polizei nicht in der Lage war, den Mann angemessen zu verhaften und dazu die Hilfe eines anderen Syrers brauchte.... Mit solchen "Sicherheitsbehörden", die zudem rechten Gewalttätern gegenüber nicht gerade hellhörig sind, braucht man keine Feinde. Um den Mann tut es mir auch nicht leid.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Charlie Runkle 13.10.2016 04:16
    Highlight Highlight Was wird jetzt aus seinen hundert Jungfrauen? Kriegt er die auch ohne grossen Knall und Toten, oder hat er sich soeben selber zur Jungfrau für einen loyaleren Gotteslkrieger gemacht? Weiss das einer von den Studierten hier?
    • Charlie Runkle 13.10.2016 08:21
      Highlight Highlight @stipps wo kann ich das nachlesen? Wenn ich nämlich im paradies den runkle Wein etablieren darf, sehe ich dieses Gotteskriegerzeugs plötzlich aus ganz anderen Augen.....
    • EvilBetty 13.10.2016 08:32
      Highlight Highlight Selbstmord ist auch im Islam eine Sünde, also nein.
    • dmark 13.10.2016 11:12
      Highlight Highlight @Evil:
      Richtig. Er hätte, nach der salafistischen Auslegung des Buches wenigstens noch ein paar Ungläubige mitnehmen müssen.
      Also - nix mit Jungfrauen --> Handjob :D
  • Spooky 12.10.2016 23:17
    Highlight Highlight "Wie der Spiegel berichtet, soll sich Albakr im Hungerstreik und wegen akuter Sizidgefahr unter ständiger Beobachtung befunden haben."

    Dann haben also seine Beobachter zugeschaut, wie er sich erhängt hat.
    • samara 13.10.2016 01:06
      Highlight Highlight Auch die Überprüfung durch die deutschen Berhörden bei seiner Einreise in 2015 ergab bei Al Bakr keine Hinweise auf eine Radikalisierung. Interessannt wäre nun zu wissen: Wann, wo und warum genau sich Al Bakr radikalisierte.
    • äti 13.10.2016 08:01
      Highlight Highlight @plo: stimmt für absolut alles und alle.
    • EvilBetty 13.10.2016 08:33
      Highlight Highlight Plo: das haben Spiegel so an sich 😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • Fischra 12.10.2016 22:46
    Highlight Highlight Nicht mal einen Verhafteten am Suizid zu hindern, schaffen sie. So sind wichtige infos weg. Schade
    • Andi Amo 13.10.2016 01:51
      Highlight Highlight Was heisst nicht mal? Wissen denn Sie besser, wie man mit islamischen Extremisten umgeht, die sich um jeden Preis umbringen wollen?
      Was bei der Beobachtung schief gelaufen ist, wird sich noch zeigen. Hätte man den aber z.B. in eine Zwangsjacke gesteckt, wären hundert Pro Vertreter und Anhänger der SPD, der Linken oder der Grünen dagegen Sturm gelaufen. Beispiele siehe div. Reaktionen zu Zwangsausschaffungen in der Schweiz.
    • Saraina 13.10.2016 09:13
      Highlight Highlight Wie wär's mit Schuhbändel weg, Leintuch weg, Kabel raus, Kamera an und effektiv jemanden vor den Bildschirm setzen? Suizidale Untersuchungshäftlinge sind nicht so selten. Es braucht keine Zwangsjacke, nur eine gesicherte Zelle.
    • Andi Amo 13.10.2016 12:19
      Highlight Highlight Mich wundert es auch, dass das passieren konnte, immerhin war man sich der Suizidgefährdung ja durchaus bewusst. Wie's aussieht, hat er sich mit seinem Hemd erhängt.

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