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Foto geht viral – warum diese Gorillas wie Menschen für ein Selfie posieren

23.04.2019, 15:4424.04.2019, 08:23

Seit Tagen wird ein Selfie tausendfach im Netz herumgereicht. Ein Ranger des Virunga-Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo posiert mit zwei Gorillas und titelt das Foto mit «Ein ganz normaler Tag im Büro».

Ganz so alltäglich ist das Selfie allerdings nicht: Die beiden weiblichen Berggorillas Ndakazi und Ndeze stehen aufrecht wie Menschen.

Um ihr untypisches Verhalten zu verstehen, muss man ihre Hintergrundgeschichte kennen. Die beiden Gorillas wurden als Jungtiere im Sommer 2007 gefunden – verwaist, denn ihre Mütter wurden von Wilderern getötet. Damals waren sie nur vier Monate alt. Seitdem leben die Tiere in einem Zentrum für verwaiste Berggorillas, das dem Virunga-Nationalpark angehört und wurden von Menschen aufgezogen.

Weil die beiden Gorillas mit den Rangern aufwuchsen, versuchen sie, ihre menschlichen Retter zu imitieren. «Sie denken also, dass diese Ranger ihre Eltern seien», führt Innocent Mburanumwe aus. Er ist der stellvertretende Direktor des Virunga-Nationalparks und erzählte der BBC weiter, dass Primaten in freier Wildbahn nur in Ausnahmefällen auf zwei Beinen stehen, nämlich wenn sie neugierig seien oder sich einen Überblick verschaffen wollen.

«Ich war sehr überrascht, als ich das Selfie sah ... es ist sehr witzig. Es ist erstaunlich zu sehen, wie ein Gorilla einen Mensch imitieren kann.»
Innocent Mburanumwe zur BBC

Frans de Waal, ein Wissenschaftler auf dem Gebiet der Primatologie und Psychologie-Professor der Emory-Universität, kommt zur gleichen Einschätzung. Tiere im allgemeinen ahmen ihre menschlichen Pfleger nach und imitieren zum Beispiel Gesichtsausdrücke oder Posturen. Weil Primaten eine ähnliche Statur wie Menschen haben, sei es für sie noch einfacher, sagte de Waal zur «Washington Post».

Die Ranger des Nationalparks warnen aber unbedachte Touristen: «Wir möchten betonen, dass sich diese Gorillas in einem abgeschlossenen Zufluchtsort für verwaiste Gorillas befinden, in dem sie seit ihrer Kindheit leben.» Und weiter: «Es sind aussergewöhnliche Umstände, in denen das Foto entstanden ist. Es ist niemals erlaubt, sich einem Gorilla in freier Wildbahn zu nähern.»

Die Arbeit als Parkranger ist allerdings nicht immer so herzig, wie es die obigen Bilder darstellen. Im letzten Jahr wurden fünf Wildhüter des Virunga-Nationalparks von Rebellen getötet, seit 1996 verloren mehr als 130 Ranger ihr Leben. Die Demokratische Republik Kongo befindet sich in einem Bürgerkrieg mit mehreren bewaffneten Gruppen, die oftmals Zuflucht im Virunga-Nationalpark suchen. Das Wildern stellt eine lukrative Devisen-Quelle dar. (jaw)

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