«Land steht vor dem Kollaps»: Andrij Melnyk fordert dringend mehr Waffen für Ukraine
Der ehemalige ukrainische Botschafter in Deutschland und Brasilien sowie Vizeaussenminister, Andrij Melnyk, sieht die Lage in seinem Land als «desaströs» an. Nachdem sich die USA bei ihrer Hilfe zurückgezogen haben, kritisierte der heutige Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen die Zurückhaltung der europäischen Verbündeten.
Er sprach beim Sender phoenix davon, dass Europa «so eine Beobachterrolle» eingenommen habe. Der Druck aus den USA auf Russland sei zu gering. Europa müsse nicht nur weitere Sanktionen gegen Russland verhängen, sondern auch die Waffenlieferungen erhöhen. «Der Grund, warum die Lage in der Ukraine so desaströs aussieht im Moment, ist ganz einfach: Seit über einem Jahr sind die USA als grösster Militärverbündeter ausgeblieben», sagte Melnyk.
Die Europäer hätten, was die Kapazitäten der Luftverteidigung angeht, nicht erhöhen können. «Die Zahl der Drohnen, die auf unsere Städte fliegen, ist um das Dreissigfache oder sogar mehr gestiegen», sagte Melnyk. Man sei nicht mehr in der Lage, die Energieinfrastruktur zu schützen.
Er ruft die Verbündeten, «auch die deutschen Freunde», auf, nicht nur zuzusehen, wie die Gespräche in Abu Dhabi verlaufen, sondern die Verhandlungsposition der Ukraine zu stärken. Es gehe jetzt um Dringlichkeit und darum, «den Himmel über der Ukraine zu schliessen». Es dauert aber einige Monate, bis die zuletzt beschlossenen EU-Hilfen auch ankommen. Jetzt müsse die Luftverteidigung gestärkt werden. Russland habe sich akribisch auf den Winter vorbereitet und die Angriffe perfekt koordiniert. «Die Ukraine war nicht imstande, diese Angriffe abzuwehren.»
Melnyk äusserte einen Verdacht angesichts der ausbleibenden Militärhilfe. Er habe den Eindruck, dass wegen der russischen Bedrohung die europäischen Länder ihre Luftverteidigungsvorräte für sich behalten.
Gespräche in Abu Dhabi sollen weitergehen
In Abu Dhabi sollen die Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Unterhändlern unter Vermittlung der USA fortgesetzt werden, ohne dass es Anzeichen für einen Durchbruch gibt. Die Arbeit sei substanziell und produktiv gewesen, teilte der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Rustem Umerow, am Mittwoch nach Ende des ersten Verhandlungstages auf X mit.
An den zweitägigen Beratungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten nehmen auch der US-Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, teil. Insidern zufolge sollen die Beratungen am Donnerstag weitergehen.
Verwendete Quellen:
- phoenix.de: "UA-Schaltgespräch mit Annett Meiritz"
- Mit Material der Nachrichtenagentur dpa

