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Was wir (nicht) wissen über den angeblichen russischen «Rückzug»

30.03.2022, 15:5430.03.2022, 16:29

Woher stammt das Gerücht eines möglichen russischen Rückzugs?

Die russische (l.) und ukrainische (r.) Delegation während der Gespräche in Istanbul.
Die russische (l.) und ukrainische (r.) Delegation während der Gespräche in Istanbul.Bild: keystone

Gestern Dienstag trafen sich eine ukrainische und eine russische Delegation in Istanbul zu Friedensgesprächen. Ein Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums, Generaloberst Alexander Fomin, erklärte danach gegenüber Reportern, russische Truppen würden «die militärischen Aktivitäten um Kiew und Tschernihiw radikal reduzieren». Diese Aussage nahmen westliche Medien auf.

Der russische Unterhändler Wladimir Medinski liess aber keine Zweifel darüber aufkommen, dass der Krieg weiter geht. Die Deeskalation im Norden bedeute «keinen Waffenstillstand».

Handelt es sich dabei nicht sowieso um Schauplätze, an denen Russland nicht mehr weiter kommt?

Zwei ukrainische Soldaten patrouillieren in Kiew.
Zwei ukrainische Soldaten patrouillieren in Kiew.Bild: keystone

Jein.

Den ukrainischen Verbänden gelang es, den russischen Vormarsch vor Kiew aufzuhalten und die Truppen entscheidend zu schwächen. Ein Rückzug von dort, er wird von Russland als «vertrauensbildende Massnahme» kommuniziert, ist wohl eher eine Folge der militärischen Realität als eine entgegenkommende Geste.

Tschernihiw im Nordosten von Kiew nahe der belarussischen Grenze ist ein anderer Fall. Die Stadt wird seit dem 25. Februar belagert und bombardiert. Die Bevölkerung muss ohne Wasser, Strom und medizinische Versorgung auskommen. Ein Rückzug würde die humanitäre Situation deutlich entschärfen.

Hat Russland seinen Worten Taten folgen lassen?

Ein ukrainischer Soldat posiert ausserhalb von Browary.
Ein ukrainischer Soldat posiert ausserhalb von Browary. Bild: keystone

Auch das kann weder mit «ja» noch mit «nein» beantwortet werden. Der ukrainische Generalstab teilte gleich nach den Gesprächen mit, im Gebiet um die Hauptstadt und um Tschernihiw werde der Abzug einzelner Einheiten der russischen Streitkräfte beobachtet. Heute hiess es allerdings, dass vor Kiew russische Truppen zurückgehalten werden. Bestätigt wurde ein Teilrückzug russischer Einheiten aus Browary, einem umkämpften Vorort im Nordosten von Kiew.

Während Kiew eine ruhige Nacht erlebte, wurde Tschernihiw mit Artillerie und Flugzeugen angegriffen, wie der zuständige Gouverneur meldete. Die Aussage kann nicht unabhängig geprüft werden.

Was ist mit dem Gebiet im Donbass?

Ein russischer Soldat inspiziert eine verlassene ukrainische Stellung in Luhansk.
Ein russischer Soldat inspiziert eine verlassene ukrainische Stellung in Luhansk.Bild: keystone

Russland hat angekündigt, sich «in der zweiten Phase der Spezialoperation» verstärkt auf das Gebiet Donbass im Südosten der Ukraine zu konzentrieren. Tatsächlich gibt es Truppenverschiebungen vom Norden in den Osten. Videoaufnahmen zeigen einen grösseren Konvoy, der vor zwei Tagen Sumy in Richtung Charkiw verliess.

Eine der Hauptbedingungen der Ukraine für Frieden ist der komplette Abzug der russischen Truppen von ukrainischem Territorium. Ukrainisches Territorium schliesst den Donbass mit ein. Solange auch nur dort gekämpft wird, liegt ein Ende des Krieges in weiter Ferne.

An welchen Bedingungen halten die beiden Konfliktparteien aktuell fest?

Mykhailo Podolyak, der Berater des ukrainischen Präsidenten, gibt Reportern Auskunft.
Mykhailo Podolyak, der Berater des ukrainischen Präsidenten, gibt Reportern Auskunft.Bild: keystone

Russland:

  • Die Ukraine muss sich zur Neutralität verpflichten.
  • Die Ukraine darf keine eigenen Atomwaffen besitzen.
  • Truppen von Drittstaaten dürfen nie in der Ukraine stationiert werden.

Ukraine:

Gab es weitere erwähnenswerte Vorkommnisse?

Roman Abramovich verfolgte die Gespräche in Istanbul vor Ort.
Roman Abramovich verfolgte die Gespräche in Istanbul vor Ort.Bild: keystone

Der russische Oligarch und Ex-Chelsea-Besitzer Roman Abramovich ist ebenfalls an den Gesprächen gesichtet worden. Er nahm etwas abseits der beiden Delegationen an einem eigenen Tisch mit einem Übersetzungsgerät platz.

Inmitten des Ukraine-Krieges rettet ein Helfer Kängurus aus dem Zoo

Video: watson/Aya Baalbaki
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Diesen russischen Oligarchen geht die EU an den Kragen

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quelle: keystone / alejandro zepeda
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47 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Toerpe Zwerg
30.03.2022 16:19registriert Februar 2014
Traue keinem Putinisten. Alles Fake. Immer.
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G. Laube
30.03.2022 17:00registriert April 2020
Ich glaube dieser Verbrecherbande kein Wort mehr. Solange dieser Staatsterrorist an der Macht ist, wird sich nichts ändern.
Mit dem eiligst verabschiedeten neuen ‚Rekrutierungsgesetz‘ kann er seine Terrorarmee nun schon mit 17 jährigen ‚füttern‘. Skrupelloser geht es nicht mehr.
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du_bist_du
30.03.2022 16:02registriert Mai 2020
Das ist lediglich eine Revision der Zielsetzung und der Pläne, mit folgender Neugruppierung und einer ökonomischeren Kräftegestaltung...
Meine Meinung.
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