International
US-Wahlen 2020

Trump oder Biden? Der Stand der letzten Umfragen und Prognosen

USW Jumbo US-Wahlen Donald Trump Joe Biden
Biden oder Trump? Es kann nur einen geben.Bild: watson/keystone/shutterstock

Trump vs. Biden: Das ist der Stand der letzten Umfragen und Prognosen

In den USA sind die Wahllokale geöffnet. Die Umfragen und Prognosemodelle lassen mehrheitlich einen Sieg von Joe Biden erwarten. Aber ganz klar ist die Sache nicht.
03.11.2020, 19:4805.11.2020, 09:08

FĂŒr viele Menschen in Amerika ist es die wichtigste PrĂ€sidentschaftswahl ihres Lebens: Heute entscheidet sich, ob Donald Trump im Amt bleiben oder der Demokrat Joe Biden ihn aus dem Weissen Haus verdrĂ€ngen wird. Oder auch nicht. Bei einem knappen Ausgang drohen wĂŒste Streitigkeiten vor Gericht und womöglich gewalttĂ€tige Ausschreitungen.

In den meisten Umfragen und Prognosemodellen allerdings liegt Biden in FĂŒhrung. Teilweise deuten sie auf einen Landslide hin, einen Erdrutschsieg. Eine gewisse UnschĂ€rfe aber bleibt. Wir zeigen einen Überblick ĂŒber den letzten Stand der meistbeachteten Vorhersagen:

Umfragen

Fox News letzte Umfrage Wahlen 2020

Nationale Umfragen sind mit dem Makel behaftet, dass der US-PrÀsident nicht direkt gewÀhlt wird, sondern vom Electoral College (Hillary Clinton holte 2016 fast drei Millionen Stimmen mehr als Donald Trump). Wichtiger sind die Ergebnisse vor allem in den Swing States, in denen das Rennen knapp ist. Wir beschrÀnken uns deshalb auf zwei Umfragen.

Trumps «Haussender» Fox News sieht in der letzten Umfrage unter wahrscheinlichen WĂ€hlern Joe Biden mit 52 : 44 Prozent in FĂŒhrung. Bei «Erzrivale» CNN ist Bidens Vorsprung mit 52 : 42 Prozent etwas grösser. Der Sender aus Atlanta wagt auch eine Prognose zum Electoral College: Biden holt 279 Stimmen (270 sind notwendig).

Real Clear Politics

Das politisch neutrale Medienunternehmen wird stark beachtet, auch weil es bei seinen Querschnittsumfragen und Prognosen auf der vorsichtigen Seite agiert. 2016 lag es nicht völlig daneben: Auf nationaler Ebene hatte Clinton am Wahltag einen Vorsprung von 3,2 Prozent (tatsĂ€chlich waren es 2,1). Bei den Elektoren fĂŒhrte sie mit 203 zu 163 Stimmen.

Auch 2020 wagt sich RCP nicht auf die Äste hinaus. Joe Biden liegt gegen Donald Trump mit 6,7 Prozent vorne. Im Electoral College ist das Rennen in zwölf Staaten offen, weshalb Biden/Harris auf 216 und Trump/Pence auf 125 Stimmen kommen. Im «bereinigten» Modell ohne Swing States ist das Bild klarer: Biden siegt mit 319 zu 219 Stimmen.

Fivethirtyeight

Bild

Der Statistiker Nate Silver erreichte mit seinem selbst entwickelten Prognosemodell Kultstatus, weil er die Wahlsiege von Barack Obama 2008 und 2012 fast auf den Bundesstaat genau vorhergesagt hatte. 2016 hingegen lag er ziemlich falsch: Am Wahltag errechnete er fĂŒr Hillary Clinton eine Siegchance von 71,4 : 28,6 Prozent.

Die Kritik an Silver war teilweise ĂŒberzogen, denn mit fast 30 Prozent hatte Donald Trump eine beachtliche Chance, das Blatt zu wenden. Jetzt sieht es schlechter aus: Fivethirtyeight kommt im aktuellen Modell auf 89 : 10 Prozent fĂŒr Biden (der Rest ist UnschĂ€rfe). Nate Silver aber warnt, das Rennen sei «tricky». Denn 10 Prozent sind nicht nichts.

The Economist

Das britische Wirtschaftsmagazin riskiert dieses Jahr erstmals eine Prognose zur US-PrĂ€sidentschaftswahl. Der letzte Befund ist sehr deutlich: Joe Biden wird im Electoral College mit 96 Prozent Wahrscheinlichkeit gewinnen. Trump kommt nur auf 4 Prozent. Doch die Macher dieses Modells fragen sich, ob sie Bidens Chance nicht ĂŒberbewerten.

270toWin

Die ĂŒberparteiliche Website erfasst Umfragen und Modelle von neun Organisationen. In der letzten Prognose zur Wahl 2020 liegt Joe Biden mit 279 Elektorenstimmen ĂŒber der «magischen» Marke von 270. Donald Trump kommt auf 163 Stimmen. Die restlichen 85 entfallen auf fĂŒnf Swing States sowie einen unklaren Wahlkreis im Staat Maine.

Crystal Ball

Larry Sabato Crystal Ball letzte Prognose Wahl 2020

Larry Sabato von der UniversitĂ€t Virginia ist einer der angesehensten Politologen der USA. Er hat ein Prognosemodell namens Crystal Ball (Kristallkugel) entwickelt. 2016 hatte er sich böse vertan, als er einen Sieg fĂŒr Hillary Clinton mit 322 zu 216 Elektorenstimmen berechnete. «Was soll man sagen – wir haben es vermasselt», meinte Sabato zum Flop.

Dennoch ergibt der Blick in die Kristallkugel 2020 eine Ă€hnlich klare Prognose: Joe Biden wird mit 321 : 217 die Wahl gewinnen. Larry Sabato begrĂŒndet die Prognose damit, dass Bidens Vorsprung wĂ€hrend des Wahlkampfs weitgehend stabil war. Wegen der weltweiten Pandemie sei Trump zudem in einer erheblich schwĂ€cheren Position als 2016.

Trafalgar Group

Der Meinungsforscher Robert Cahaly landete 2016 einen Volltreffer, als er Donald Trumps Sieg gegen Hillary Clinton fast punktgenau vorhersagte. Das machte ihn zum Liebling der Trump-Fans. Dieses Jahr sieht seine Trafalgar Group den PrĂ€sidenten erneut vorne. Er werde mehr als 270 Elektoren erreichen, sagte Cahaly gegenĂŒber «Newsweek».

In der Fachwelt ist Cahaly eine umstrittene Figur. Seine Methoden gelten als intransparent und wenig vertrauenswĂŒrdig. «Die Leute sind nicht ehrlich zu den Meinungsforschern», verteidigte sich Robert Cahaly letzte Woche auf CNN. Er kann darauf verweisen, dass er auch bei den Midterms 2018 eine hohe Trefferquote erzielen konnte.

Primary Model

Primary Model Prognose US-Wahl 2020

Der deutsche Politologe Helmut Norpoth von der Stony Brook University in New York hat ein Modell entwickelt, das den Sieger der PrĂ€sidentschaftswahl aufgrund der Ergebnisse und des Enthusiasmus in den Vorwahlen ermittelt. Seine Prognose fĂŒr 2020 ist eindeutig: Donald Trump hat eine Erfolgschance von 91 Prozent. Joe Biden kommt nur auf 9 Prozent.

Seine Methode habe rĂŒckblickend in 25 von 27 Wahlen seit 1912 zum richtigen Ergebnis gefĂŒhrt, behauptet Norpoth. Die einzigen Ausnahmen seien die extrem knappen Wahlen 1960 und 2000. Es fragt sich allerdings, welche Rolle die Primaries in einem Jahr spielen, in dem die Corona-Pandemie so ziemlich alles in den Schatten stellt.

13 Keys to the White House

Der Politologe Allan Lichtman von der American University in Washington gilt als Superstar unter den Politauguren. Mit seinen «13 SchlĂŒsseln zum Weissen Haus», einer Kombination verschiedener Parameter, hat Lichtman seit 1984 jeden Wahlsieger akkurat vorhergesagt, vor vier Jahren auch Donald Trump. 2020 hingegen tippt er auf Joe Biden.

Insgesamt ergibt sich eine klare Tendenz fĂŒr Joe Biden. Die Pollster und Analysten haben aus den Fehlern von 2016 gelernt und ihre Methoden verfeinert. Aber Covid-19 und die allen Konventionen widersprechende Persönlichkeit von Donald Trump machen das Rennen bis zum Schluss spannend. Entscheidend dĂŒrfte die Mobilisierung sein.

Filmemacher und Linken-Ikone Michael Moore jedenfalls ist skeptisch. Er hat 2016 Trumps Sieg vorhergesagt. Dieses Jahr will er sich nicht festlegen, doch er ist ĂŒberzeugt, dass Trump-WĂ€hler ihre wahren Absichten in den Umfragen hĂ€ufig verschleiern. Man mĂŒsse Bidens Vorsprung halbieren, «und dann ist man innerhalb der Fehlermarge».

DANKE FÜR DIE ♄
WĂŒrdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstĂŒtzen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstĂŒtze uns per BankĂŒberweisung.
Das sind die «Swing-States»
1 / 17
Das sind die «Swing-States»
Wer der nÀchste US-PrÀsident wird, entscheidet sich in wenigen US-Bundesstaaten. In vielen der 50 Staaten gewinnt immer dieselbe Partei, aber etwa ein Dutzend sind hart umkÀmpft.
quelle: www.imago-images.de / giorgio viera
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Die Highlights des zweiten Duells zwischen Trump und Biden
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular ĂŒbermitteln.
28 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank fĂŒr dein VerstĂ€ndnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Fondue
03.11.2020 21:18registriert Januar 2015
Sollte die Orange Nuss gewinnen, bin ich fĂŒr einen Filter hier auf Watson. Das kann man sich nicht noch mal 4 Jahre geben.
20813
Melden
Zum Kommentar
avatar
Varanasi
03.11.2020 21:00registriert August 2017
HĂ€tte die USA nicht dieses veraltete und undemokratische Wahlsystem (Electoral College), mĂŒssten wir uns ĂŒberhaupt nicht mit der Orange rumschlagen.
Und das gleiche gilt fĂŒr diese Wahl. Biden wird sicher mehr Stimmen als Trump bekommen, aber mit diesem System, da weiss man einfach nicht was passiert.
Hoffen wir, dass die Ära „Reality TV shit Show“ heute Nacht abgewĂ€hlt wird.
18731
Melden
Zum Kommentar
avatar
weissauchnicht
03.11.2020 20:31registriert MĂ€rz 2019
Angesichts dem bisherigen Verlauf von 2020 braucht es ja eigentlich keine Umfragen, um zu wissen, wer die Wahl gewinnt...đŸ˜±đŸ™ˆ
16712
Melden
Zum Kommentar
28
Die Schweiz will den Import von Pelz verschĂ€rfen – und macht sich damit mĂ€chtige Feinde
Eine Initiative will den Import von Pelz aus «tierquĂ€lerischer Produktion» in die Schweiz verbieten. Das sorgt in der Pelzindustrie fĂŒr Aufruhr – auch in den USA.
Mit Luxus-Skiorten in St.Moritz, Gstaad oder Zermatt lockt die Schweiz Superreiche aus der ganzen Welt an. Und was darf nicht fehlen, wenn sich Reich und noch Reicher zum Skifahren treffen? Genau, Pelz. Nun ist die Schweiz aber kurz davor, eines der strengsten Pelzimport-Gesetze Europas einzufĂŒhren – das gefĂ€llt jedoch lĂ€ngst nicht allen.
Zur Story