Hochnebel
DE | FR
118
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
International
USA

Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri von den USA getötet worden

Video: watson

Gezielter Drohnenangriff auf Balkon in Kabul: USA töten Al-Kaida-Chef al-Sawahiri

02.08.2022, 00:1902.08.2022, 15:21

Was ist passiert?

Der Anführer des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, ist bei einem Anti-Terror-Einsatz der USA in Afghanistan getötet worden. US-Präsident Joe Biden verkündete am Montagabend (Ortszeit), Al-Sawahiri sei am Wochenende bei einem gezielten Angriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul ums Leben gekommen. Nach Angaben der US-Regierung handelte es sich um eine Drohnen-Attacke, bei der nur der Al-Kaida-Chef starb. Zivile Opfer habe es nicht gegeben.

Wie kam es dazu?

Eine ranghohe Vertreterin der US-Regierung sagte, die Attacke auf Al-Sawahiri sei über Monate vorbereitet worden. Er sei schliesslich getötet worden, als er auf den Balkon seines Unterschlupfes in Kabul getreten sei. Keiner von Al-Sawahiris Familienangehörigen, die sich mit ihm in dem Haus aufgehalten hätten, sei verletzt worden. Sie betonte, bei dem Einsatz seien keine US-Kräfte in Kabul gewesen.

US-Erkenntnissen zufolge hätten Mitglieder der Taliban-Führung gewusst, dass sich der Al-Kaida-Chef in der afghanischen Hauptstadt aufhielt, sagte die Regierungsmitarbeiterin weiter. Sie hätten damit klar gegen Vereinbarungen mit den USA verstossen.

Aiman az-Zawahiri
Aiman al-Sawahiri ist gemäss Medienberichten getötet worden.Bild: NBC-News

Wer war Aiman al-Sawahiri?

Der Ägypter al-Sawahiri war Nachfolger von Osama bin Laden, der als Kopf der Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA galt. Bin Laden war 2011 in Pakistan von einer US-Spezialeinheit getötet worden. Nun schalteten die Amerikaner auch dessen Nachfolger aus – in Afghanistan, ein Jahr nach dem chaotischen Truppenabzug aus dem Land.

epa02781439 (FILE) An Ausaf newspaper photograph dated 08 November 2001 shows Saudi-dissident Osama bin Laden (L) sitting with his deputy Ayman al-Zawahiri at his hide out at an undisclosed location i ...
Al-Sawahiri (rechts) an der Seite von Osama bin Laden.Bild: EPA

Als langjährige Nummer zwei von Al-Kaida war der Ägypter 2011 nach dem Tod Bin Ladens an die Spitze des Terrornetzwerks aufgerückt. Schon vorher hatte sich der gelernte Arzt aus Kairo den Spitznamen «Terror-Doktor» erworben. Allerdings gelang es ihm nie, unter den Dschihadisten das ikonenhafte Ansehen seines Vorgängers zu erreichen.

Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Al-Sawahiri im vergangenen September – genau 20 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001. In einer Videobotschaft rief er seine Anhänger damals auf, die Staaten im Westen und ihre Verbündeten im Nahen Osten zu bekämpfen. In den Jahren davor hatte es unbestätigte Gerüchte über seinen Tod gegeben. Sein genauer Aufenthaltsort war unbekannt.

Zuletzt war öfters über seinen Gesundheitszustand gerätselt worden. Medien berichteten 2019 unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, Sawahiri leide unter Herzproblemen. Seine Tötung kam nun überraschend. Die USA hatten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Experten hatten zuletzt vermutet, dass sich Al-Sawahiri im Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan versteckt.

Was sagt Joe Biden dazu?

Der US-Präsident äusserte sich bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt auf einem Balkon des Weissen Hauses persönlich zu dem Schlag gegen die Terrorgruppe – trotz Corona. Der Präsident befindet sich derzeit wegen einer Infektion mit dem Virus in Isolation. Biden sagte, der Schlag gegen Al-Sawahiri sei ein Zeichen für die Entschlossenheit und die Fähigkeiten der Amerikaner im Kampf gegen den Terror. Jahrzehntelang sei Al-Sawahiri Drahtzieher von Anschlägen auf US-Amerikaner gewesen, er habe eine Schlüsselrolle bei diversen Terrorangriffen gespielt, sagte Biden. «Jetzt wurde der Gerechtigkeit Genüge getan. Und diesen Terroristenführer gibt es nicht mehr.»

Video: watson

Biden wertete Al-Sawahiris Tod nun als Beleg dafür, dass es auch ohne Tausende Soldaten auf afghanischem Boden möglich sei, Amerika vor Terroristen zu schützen. Der Schlag gegen Al-Sawahiri sei ausserdem eine Botschaft an andere: «Egal, wie lange es dauert, egal, wo ihr euch versteckt: Wenn ihr eine Bedrohung für unser Volk seid, werden die Vereinigten Staaten euch finden und euch ausschalten.»

Was passierte zuvor in Afghanistan?

Die USA hatten vor knapp einem Jahr, Ende August 2021, alle Truppen aus Afghanistan abgezogen und damit den internationalen Militäreinsatz in dem Land nach fast 20 Jahren beendet. Die Taliban hatten kurz zuvor die Macht in Kabul übernommen. Der internationale Abzug wurde durch ihren rasanten Eroberungsfeldzug erschwert und gestaltete sich chaotisch. Insgesamt stiess der Afghanistan-Abzug der Amerikaner international auf viel Kritik und Unverständnis. Biden, der wegen des Debakels unter Druck geriet, hatte damals versprochen, den Kampf gegen den Terrorismus in der Region nicht aufzugeben.

epa10061173 Taliban stand guard as people gather to offer prayers on the first day of Eid al-Adha at a mosque in Kandahar, Afghanistan, 09 July 2022. Muslims around the world celebrate Eid al-Adha, th ...
Nach der Machtübernahme der Taliban zogen die USA ihre Truppen aus Afghanistan ab.Bild: keystone

Die Tatsache, dass sich Al-Sawahiri in Afghanistan versteckte, wirft zugleich unangenehme Fragen dazu auf, was der dortige Krieg gegen den Terror gebracht hat: Ein 20 Jahre langer Militäreinsatz, der Unsummen verschlang und Zehntausende das Leben kostete – und der begann, weil das Land Al-Kaida-Terroristen Unterschlupf gewährt hatte.

Der UN-Sicherheitsrat hat immer wieder über enge Beziehungen zwischen Al-Kaida und den Taliban berichtet. Al-Kaida musste in den vergangenen Jahren Rückschläge einstecken. Experten argumentierten jedoch, dass ihr Fokus auf globalen Terror weiter Gefahrenpotenzial habe. Und Beobachter sahen den Rückzug der westlichen Streitkräfte aus Afghanistan mit grosser Sorge und warnten davor, dass die Gruppe unter der Duldung der Taliban zu neuer Stärke kommen könnte. Wer nun die Führung Al-Kaidas übernehmen könnte, war zunächst unklar.

(dab/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Einmaliger Gebrauch: Gezielter Drohnenangriff auf Balkon in Kabul: USA töten Al-Kaida-Chef al-Sawahiri

Video: watson

Das könnte dich auch noch interessieren:

118 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
bokl
02.08.2022 06:35registriert Februar 2014
Auch der US-Präsident kann Home-Office!
11711
Melden
Zum Kommentar
avatar
BG1984
02.08.2022 07:31registriert August 2021
Präzise, Professionell und ohne Zivile Opfer. Terroristenführer können sich nirgends mehr sicher sein. Und das ist gut so.
11721
Melden
Zum Kommentar
avatar
Firefly
02.08.2022 09:26registriert April 2016
Mir fällt da noch ein anderer Topterrorist ein.
506
Melden
Zum Kommentar
118
Kongo: M23-Rebellen sollen 50 Zivilisten getötet haben

Bei Kämpfen im Ostkongo wurden nach Angaben des kongolesischen Militärs 50 Zivilisten von den M23-Rebellen getötet. Die Gefechte hatten sich bereits am Mittwoch ereignet, wie das Militär am Donnerstag mitteilte. Der Kommunikationsminister der Demokratischen Republik Kongo teilte ausserdem mit, dass die Rebellen Zivilisten in der Region zwangsrekrutiert hätten.

Zur Story