Der amerikanische Vizepräsident JD Vance hat in einem Interview mit dem Sender ABC News erklärt, für das Amt des Präsidenten bereit zu sein, wenn dies notwendig werde. Amtsinhaber Donald Trump ist mit 79 Jahren eine der ältesten Personen, die in den USA als Präsident eingeschworen wurden. Vance hingegen ist mit 41 Jahren der jüngste Vize.
Vance sagte, er könne jederzeit übernehmen. «Wenn es, Gott bewahre, zu einer schrecklichen Tragödie kommt, kann ich mir kein besseres Training am Arbeitsplatz vorstellen als das, was ich in den letzten 200 Tagen erhalten habe.» Er spielte damit auf mögliche gesundheitliche Probleme von Donald Trump an. Wenn ein US-Präsident stirbt oder das Amt nicht mehr ausüben kann, übernimmt sein Vize das Amt bis zu Neuwahlen. Dass Vance sich jetzt so deutlich äussert, könnte auch bedeuten, dass Trump keine dritte Amtszeit will – was ohnehin verfassungsrechtlich schwierig wäre.
Vance wird schon lange als Trump-Nachfolger gehandelt. US-Präsident Donald Trump selbst hatte Anfang August angedeutet, dass Vizepräsident JD Vance sein Erbe für die republikanische Kandidatur im Jahr 2028 sein könnte. «Nun, ich denke, höchstwahrscheinlich», sagte Trump gegenüber Reportern auf die Frage, ob Vance der Erbe der von ihm inspirierten MAGA-Bewegung sei. «In aller Fairness: Er ist der Vizepräsident.»
Während Trump vor allem von seiner MAGA-Bewegung gestützt wurde, gilt Vance als Kandidat der Techno-Elite, zu der neben dem jüngst von Trump geschassten Elon Musk auch der rechtskonservative Unternehmer Peter Thiel gehört.
Er gilt als grösster Förderer von Vance, beide trafen sich erstmals 2011 an der renommierten Yale-Universität. Vance nannte das Treffen einen der wichtigsten Momente in seinem Leben, lobte Thiel als «womöglich der schlaueste Mensch», den er je getroffen habe. Thiel wurde ein Mentor für Vance. Er soll Vance auch 2021 in Trumps Privatanwesen nach Mar-a-Lago gebracht haben, um das zuvor abgekühlte Verhältnis zu Trump wieder zu verbessern. Das zahlte sich aus: Vance bekam die Unterstützung von Trump für seine Senatskandidatur in Ohio. Thiel wiederum spendete 15 Millionen US-Dollar für Vances Wahlkampf 2022.
Thiel machte viel Geld, als er ein von ihm finanziertes Unternehmen, das Onlinezahlungen anbot, mit dem des Konkurrenten Elon Musk fusionierte und Paypal nannte. Seitdem ist er eine der wichtigsten Figuren im Silicon Valley. Er steht auch hinter der umstrittenen Firma Palantir, die Überwachungssoftware auch an deutsche Behörden verkauft.
Gleichzeitig verfolgt er aber auch eine politische Agenda. Er beschreibt sich selbst als «Libertär». Anhänger dieser politischen Richtung räumen der individuellen Freiheit höchsten Stellenwert ein und wollen sich vom Staat und der Politik nichts vorschreiben lassen. Er sei zum Beispiel gegen das Prinzip von Steuern und einen übergriffigen Staat, schrieb er in seinem 2009 veröffentlichten Essay «The Education of a Libertarian».
Viele von Thiels Ansichten sind auch im «Project 2025» zu finden, einer Abhandlung, wie die rechtskonservative Machtübernahme aussehen könnte. Sie wurde 2024 von dem konservativen Thinktank Heritage Foundation verfasst. Viele der Vorschläge sind bereits Realität geworden: Ausgewählte Behörden zu schliessen, das Bildungsministerium aufzulösen, wichtige Posten in der Verwaltung mit Trump-Vertrauten zu besetzen. Vance hatte sich im vergangenen Wahlkampf zwar von dem Projekt offiziell distanziert. Allerdings schrieb er das Vorwort für ein Buch von Kevin D. Roberts – dem Hauptautor des «Projekt 2025». Vance hatte auch 2017 mit der Heritage Foundation gearbeitet, berichtete die «New York Times».
Der 41-jährige Trump-Vize gilt wie auch Thiel als Vertreter des Techno-Liberalismus und eines religiösen Nationalismus. «Vance könnte der christliche Prinz sein. Er bewirbt sich auf jeden Fall für die Rolle, und die Tech-Bros (die Hauptprotagonisten hinter dem christlichen Nationalismus in den USA, die Red.) glauben offenbar, dass er zumindest ein früher Prototyp ist», warnte der Buchautor Charles P. Pierce in einem Essay für das Magazin «Esquire».
Mit JD Vance als Präsident könnten die USA einen ideologischen und gesellschaftlichen Wandel vollziehen, der weit über das hinausgeht, was der vor allem auf sich selbst bezogene Donald Trump lediglich angestossen hat. Vance hat mächtige Verbündete, die kein Geheimnis aus ihrer ultrarechten politischen Agenda machen.
Was ich mich frage, ist, ob ‚JD Vacation‘ es schaffen würde, Trumps MAGA-Basis zu übernehmen oder ob sie ihm davonlaufen. Bisher konnten nämlich nur sehr wenige Republikaner den Trump-Erfolg reproduzieren.