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Sean Conley vor dem Walter Reed Medical Center am Montag.
Sean Conley vor dem Walter Reed Medical Center am Montag.Bild: keystone

Diese eine Frage, die Trumps Leibarzt einfach nicht beantworten will

06.10.2020, 11:5406.10.2020, 14:20

Der Auftritt von Trumps Leibarzt Sean Conley hatte fast schon nordkoreanische Züge. Gestern hatten er und sein Team nur die besten Worte für den Präsidenten übrig. Er sei ein «phänomenaler Patient», habe sie «zu nichts gedrängt» und es sei ihnen eine «grosse Ehre», ihn zu behandeln.

Doch anders als in Nordkorea hielt dies die Journalistinnen und Journalisten nicht davon ab, kritische Fragen zu stellen. Denn der Leibarzt hat sich seit Trumps Verlagerung ins Spital mehrfach in Widersprüche verstrickt.

  • So sagte er etwa am Samstagmittag, dass 72 Stunden seit der Diagnose vergangen seien. Später korrigierte er sich und meinte, er habe «Tag drei» gemeint.
  • Kurz nachdem Conley am Samstag zu Protokoll gab, dass es dem Präsidenten viel besser gehe, fuhr ihm Trumps Stabschef, Mark Meadows, in die Parade. Meadows sagte gegenüber Reporterinnen und Reportern, dass Trumps Zustand «sehr besorgniserregend» gewesen sei.
  • Zudem verschwieg Conley, dass Trump zweimal mit Sauerstoff behandelt wurde. Am Sonntag gab er dann zu, dass er dies bewusst gemacht habe. «Ich wollte keine Informationen geben, die den Krankheitsverlauf in eine andere Richtung lenken könnten», sagte er. Was auch immer er damit meinte.
Video: watson

Die intransparente und chaotische Kommunikation des Leibarztes und der Trump-Administration hat zur Folge, dass ihnen die US-Bevölkerung kaum noch Glauben schenkt. Gemäss einer Umfrage von CNN vertrauen sieben von zehn Amerikanern dem Weissen Haus nicht, wenn es um Informationen um Trumps Gesundheitszustand geht.

Als hätten die Kommunikationspannen nicht schon genug Misstrauen gestreut, wird der Verdacht immer grösser, dass das Weisse Haus in einer wichtigen Angelegenheit die Wahrheit unter Verschluss hält. Immer und immer wieder stellten Journalistinnen und Journalisten gestern die gleiche Frage:

«Wann wurde Donald Trump das letzte Mal negativ getestet?»

Conley wurde nervös und wich aus. Als die Medienschaffenden zunehmend hartnäckig wurden, brach der Arzt die Pressekonferenz ab. Er hatte auch in den vergangenen Tagen eine Antwort auf die Frage abgelehnt - genauso wie Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany am Sonntag.

Warum ist diese Frage so wichtig?

Einerseits wäre ein genauer Zeitpunkt entscheidend fürs Contact Tracing. Wer muss sich in Quarantäne begeben, wer nicht.

Andererseits stellt sich die Frage, ob das Weisse Haus während der ganzen Pandemie gelogen hat. Von dort hiess es, dass Trump mehrfach am Tag getestet werde und wahrscheinlich «der meist getestete Mensch von Amerika» sei.

Würde dies stimmen, so wäre der Präsident noch am Donnerstag negativ getestet worden. Sein positives Testresultat gab er am Freitag bekannt.

Warum also wollen die Ärzte das letzte negative Test-Ergebnis nicht bekannt geben?

Dazu gibt es momentan vier Theorien:

  • Donald Trump wurde gar nicht täglich getestet.
  • Donald Trump wurde schon früher positiv getestet und nahm trotzdem an Fundraising- und Wahlkampfevents teil.

Für eine dieser beiden Theorien spricht, dass Trump wenige Stunden nach Bekanntgabe des positiven Testergebnis bereits starke Symptome hatte. Sauerstoffabfall und Fieber inklusive. Im Normallfall dauert es mehrere Tage nach einer Infektion, bis solche Symptome auftreten.

Die Aussage Conleys, dass 72 Stunden seit der Diagnose vergangen seien, spricht für Zweiteres. Demnach wäre Trump bereits am Mittwochmittag positiv getestet worden und hätte trotzdem eine Wahlkampfveranstaltung und weitere Events abgehalten.

Dann gibt es noch die Erklärungen des Leibarztes, weshalb er das Datum des letzten negativen Testergebnis nicht preisgeben will:

  • Conley sagte, er wolle lieber nicht zurückblicken, sondern nach vorne.
  • Zudem sagte der Arzt auch, er könne die Frage nicht beantworten, da sie die Privatsphäre des Patienten verletzen würden. Trump könnte gemäss Gesetz dem Arzt verboten haben, gewisse Details über seinen Gesundheitszustand publik zu machen.
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