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Die USA setzte Kampfhelikopter mit Leuchtpetarden ein, um die Demonstranten abzuschrecken.
Die USA setzte Kampfhelikopter mit Leuchtpetarden ein, um die Demonstranten abzuschrecken.Bild: AP

«Das ist keine Warnung, das ist eine Drohung» – die wichtigsten 5 Punkte zur Lage im Irak

01.01.2020, 03:2201.01.2020, 08:42

Im Irak spitzt sich die Lage zu: Die US-Regierung verlegt wegen der jüngsten Spannungen per sofort 750 zusätzliche Soldaten in die Region. Darüber hinaus stünden weitere Soldaten bereit, um in den nächsten Tagen auszurücken, erklärte Verteidigungsminister Mark Esper am Dienstag (Ortszeit). Doch was ist eigentlich genau passiert? Wir haben die jüngsten Geschehnisse für euch zur Übersicht:

Die Vorgeschichte

Hintergrund der Eskalation sind die US-Luftangriffe auf die pro-iranischen Hisbollah-Brigaden, bei denen am Sonntag 25 Kämpfer und Kommandeure getötet worden waren. Die Hisbollah-Brigaden sind Teil der pro-iranischen, überwiegend schiitischen Hasched-al-Schaabi-Milizen, die 2014 für den Kampf gegen die sunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebildet worden waren. Heute sind die Hasched-al-Schaabi-Milizen offiziell in die irakischen Streitkräfte integriert, viele Einheiten haben aber ihre Eigenständigkeit bewahrt.

Was genau ist in der Nacht auf heute passiert?

Pro-iranische Demonstranten in Bagdad hatten zunächst an einem Trauerzug für die Getöteten der US-Luftangriffe vom Wochenende teilgenommen. Anschliessend gelang es ihnen, ungehindert alle Kontrollposten zur streng gesicherten Grünen Zone, in der sich die US-Botschaft befindet, zu passieren und erstmals seit Jahren zu der US-Vertretung vorzudringen. Sie riefen «Tod Amerika», forderten den Abzug der US-Truppen im Irak, warfen Steine, verbrannten US-Flaggen und rissen Überwachungskameras aus den Wänden. Als die Demonstranten weiter gewaltsam vorrückten, umstellten irakische Sicherheitskräfte das Gebäude.

Dann durchbrachen hunderte teils uniformierte Kämpfer und Anhänger der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Miliz das Tor in der Aussenwand des Botschaftsgeländes. US-Sicherheitskräfte auf dem Gelände feuerten zunächst Schüsse ab, dann Tränengas und Blendgranaten, um die Demonstranten zu vertreiben. Nach Angaben der Hasched-al-Schaabi-Miliz wurden 62 Menschen verletzt.

Auf die Aussenwand der Botschaft kritzelten die Demonstranten «Nein zu Amerika» und «Suleimani ist mein Befehlshaber». Suleimani ist als Kommandeur der Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden seit langem ein einflussreicher Akteur in der irakischen Politik.

Am Abend harrten mehrere hundert Menschen vor dem Botschaftsgelände aus. Sie errichteten Zelte, um die Nacht dort zu verbringen. US-Botschafter Matthew Tueller befindet sich nach Diplomatenangaben derzeit im Urlaub ausserhalb des Irak.

Wie reagierte die USA?...

Das US-Militär setzte unter anderem zwei Kampfhelikopter ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Ein vom Militär veröffentlichtes Video zeigte, wie Helikopter vom Typ «Apache» Signalraketen über der Botschaft abfeuerten.

Das US-Militär leitete zum Schutz der Botschaft in Bagdad ausserdem die Verlegung von rund 100 Marineinfanteristen aus Kuwait ein, zusätzliche 750 Soldaten sollen folgen. Die Verlegung der Soldaten der 82. Luftlandedivision aus dem US-Bundesstaat North Carolina sei eine Vorsichtsmassnahme angesichts der erhöhten Bedrohungslage im Irak, erklärte Esper.

US-Soldaten auf dem Weg in den Irak.
US-Soldaten auf dem Weg in den Irak.Bild: AP

...und Trump selbst?

US-Präsident Donald Trump machte den Iran für die jüngsten Ausschreitungen verantwortlich und drohte mit Vergeltung. Jegliche Schäden oder Opfer würden dem Iran teuer zu stehen kommen, schrieb Trump am Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. «Das ist keine Warnung, das ist eine Drohung. Frohes Neues Jahr!» schrieb Trump. «Die Vereinigten Staaten werden unsere Bürger und Interessen überall auf der Welt schützen», sagte Verteidigungsminister Esper.

Kurze Zeit später äusserte sich US-Präsident Donald Trump zur Möglichkeit eines Krieges. Nach eigenen Worten geht er nicht davon aus, dass es zum Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran kommen wird. «Ich sehe nicht, dass dies passieren wird», sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) auf eine entsprechende Reporterfrage in seinem Luxusresort Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida. «Ich mag den Frieden», fügte der Präsident hinzu, bevor er sich zu einer Silvesterfeier begab.

Und was sagt der Iran?

Der Iran verfügt im Irak über grossen politischen Einfluss und steht damit in Rivalität zu den USA. Ein Sprecher des Aussenministeriums in Teheran wies jedoch Vorwürfe zurück, wonach der Iran für die Proteste an der Botschaft verantwortlich sei. (mim/sda/dpa/afp)

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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Unicron
01.01.2020 05:17registriert November 2016
Ist es nicht schön dass die Aussenpolitik heute über Twitter stattfindet?

Ich habe gerade kürzlich ein Buch über den Pazifik Krieg im 2. Weltkrieg gelesen, und was die sich eins Gedanken über die wörtlich korrekte Version über die Kapitulation von Japan Gedanken gemacht haben? Wäre alles überflüssig wenn wir damals auch schon auf 280 Zeichen beschränkt gewesen wären.
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_kokolorix
01.01.2020 09:17registriert Januar 2015
Ich fasse kurz zusammen: Die US-Luftwaffe bombardiert eine irakische Militäreinheit, die für den Kampf gegen den IS gegründet wurde. Die irakische Bevölkerung bedrängt darauf die US-Botschaft, worauf Donald Trump am Rande seiner Silvesterfeier dem Iran mit Vergeltung droht...

Kim Jong-un droht den USA öffentlich mit einem Raketenangriff, Donald Trump erklärt am Rande der Silvesterparty, dass der Mann sein Wort halte und er einen Vertrag unterschrieben habe...

Ist eine grobe Vereinfachung, aber im grossen und Ganzen haut es etwa hin. Mann, 2020 beginnt aber hoffnungsvoll.
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Töfflifahrer
01.01.2020 09:23registriert August 2015
Hinter diesem Angriff auf die US Botschaft steht nicht der Iran sondern Trump selbst. Denn mit einer von Drohung, Gewalt, Arroganz, Ignoranz und Rücksichtslosigkeit geprägten (sogenannten) Aussenpolitik, ist das Geschehene lediglich die Reaktion darauf.
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Wollte Donald Trump Benito Mussolini imitieren?
An der Spitze seiner Schwarzhemden putschte sich der faschistische Diktator einst an die Macht. Mit einer ähnlichen Machtdemonstration wollte der amerikanische Ex-Präsident den Kongress zwingen, ihn im Amt zu lassen.

Wie fast überall in Europa herrschte nach dem Ersten Weltkrieg auch in Italien ein politisches Chaos. Das nutzte ein Mann aus: Im Oktober 1922 marschierte Benito Mussolini an der Spitze seiner Schwarzhemden in Rom ein und setzte die bürgerlichen Parlamentarier derart unter Druck, dass sie ihn zum Ministerpräsidenten ernannten. Später setzte er die Demokratie ausser Kraft und regierte als faschistischer Diktator bis zu seinem Sturz 1943.

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