Melania Trump über Epstein:
«Why now?»: Melania Trumps Epstein-Rede wirft Fragen auf
Kaum hatte Melania Trump am Donnerstag ihre überraschende Stellungnahme im Grossen Foyer des Weissen Hauses abgegeben, hallten umgehend die Rufe der Reporter durch den ehrwürdigen Raum. «Why now? Why now?» («Warum jetzt?»), wollten die verdutzten Journalisten wissen. Warum Melania Trump überhaupt so kurzfristig vor die Presse getreten war – ohne konkreten Anlass und während ihr Mann gerade mit dem Iran-Krieg ziemlich im Schlamassel steckt.
Doch die First Lady beantwortete keine Fragen. Sie drehte sich auf dem Absatz um und ging. Auch die schriftlichen Anfragen, die einige Zeitungen im Anschluss an den Auftritt einreichten, liess das Weisse Haus unbeantwortet. Und so herrschte allgemeine Ratlosigkeit im politischen Washington.
Klar war nur, dass Melania Trump offenkundig Redebedarf hatte. «Die Lügen, die mich mit dem schändlichen Jeffrey Epstein in Verbindung bringen, müssen heute ein Ende haben», sagte die 55-Jährige vor laufenden Kameras im Amtssitz des US-Präsidenten gesagt. Sie sprach von «zahlreichen gefälschten Bildern und Aussagen über Epstein und mich», die «schon seit Jahren im Umlauf sind». Auf einem bereits länger bekannten Foto aus dem Jahr 2000 sind Trump und seine heutige Frau, die damals noch Melania Knauss hiess, mit Epstein und seiner Komplizin Ghislaine Maxwell zu sehen.
Mail an Maxwell: Lediglich ein «lockerer Austausch»?
Die First Lady bestritt nachdrücklich, dass es der verurteilte Sexualstraftäter Epstein war, der sie mit ihrem späteren Ehemann bekannt machte. «Donald und ich wurden von Zeit zu Zeit zu denselben Partys wie Epstein eingeladen, da sich gesellschaftliche Kreise in New York City und Palm Beach häufig überschneiden.» Sie sei aber nie mit dem Multimillionär befreundet oder auf dessen berüchtigten Privatinsel gewesen. Auch in Epsteins Privatflugzeug sei sie nie mitgeflogen. Und überhaupt: Von den abscheulichen Verbrechen des Finanziers habe sie nichts gewusst.
Melania Trump bestritt auch, ein engeres Verhältnis zu Epsteins Geliebter und Mitwisserin Ghislaine Maxwell gehabt zu haben. Allerdings hatten die Demokraten im US-Parlament eine Mail aus jenem Teil der Epstein-Akten veröffentlicht, der im Januar vom US-Justizministerium freigegeben worden war. Die betreffende Mail stammt aus dem Jahr 2002 und richtet sich an eine gewisse «G!», unterschrieben ist die Mail von «Melania». Der Ton der Mail wirkt vertraut. Während Maxwell Melania mit «meine Süsse» anredet, verabschiedet diese sich mit «Liebe».
In der Mail äussert sich die heutige First Lady auch bewundernd über ein längeres Porträt Epsteins, das im Oktober 2002 im «New York Magazine» erschienen war. Das Stück hat es zu einiger Berühmtheit gebracht, denn auch Donald Trump taucht darin prominent auf. Über Jeffrey Epstein sagt der heutige US-Präsident in dem Artikel: «Grossartiger Typ. Es macht viel Spass mit ihm rumzuhängen.»
Bei ihrem Auftritt im Weissen Haus nahm Melania Trump zu der recht vertraut wirkenden Korrespondenz Stellung. Sie bestritt eine nähere Beziehung zu Epstein oder zu Maxwell. «Meine E-Mail-Antwort an Maxwell kann lediglich als lockerer Schriftwechsel betrachtet werden», so Trump.
Melania Trump stand bisher nicht im Mittelpunkt der Epstein-Ermittlungen. Allerdings könnte sie den Auftritt genutzt haben, um anstehenden Veröffentlichungen vorzugreifen. Denn die First Lady verband ihre Aussagen auch mit der Drohung gegen all jene Akteure, die ihren Ruf beschädigen wollen. Jon Favreau, ein bekannter Podcaster aus den USA, schrieb auf der Plattform X: «Okay, wer wird nun die Melania/Epstein-Story veröffentlichen, der sie gerade zuvorkommen wollte?». Viele andere Posts gingen in eine ähnliche Richtung.
Trump: Epstein-Opfer sollen im Kongress gehört werden
Während die Beobachter in Washington, D.C. noch rätselten, was Melania Trump mit ihren Einlassungen zum jetzigen Zeitpunkt bezwecken wollte, begrüssten die Demokraten den Überraschungsauftritt umgehend. Erstmals seit Beginn des Iran-Kriegs vor fast sechs Wochen kommt der Fall Epstein wieder in die Schlagzeilen.
Dabei hatte der US-Präsident die Epstein-Debatte schon vor zwei Monaten für beendet erklärt. Es sei «wirklich an der Zeit, dass sich das Land mit anderen Dingen beschäftige», forderte Trump Anfang Februar. Dass es zunächst so kam, dafür sorgte er selbst, denn bald darauf begannen die amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran.
Nun ist die für den Republikaner äusserst unangenehme Causa wieder auf der Tagesordnung. Nicht nur sprach Melania am Donnerstag in eigener Sache, sie rief überdies dazu auf, den Opfern von Epsteins Verbrechen auch vor dem US-Kongress Gehör zu verschaffen und deren Aussagen zu protokollieren: «Jede Frau sollte die Möglichkeit haben, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen, wenn sie das möchte», sagte die First Lady. «Dann, und nur dann, werden wir die Wahrheit erfahren», so Trump.
Die Interessenvertreter der Epstein-Opfer zeigten sich jedoch empört über den Auftritt im Weissen Haus. Sie warfen Melania Trump vor, die Opfer für ihre politischen Zwecke zu instrumentalisieren. Die Last würde damit auf die Überlebenden der Epstein-Verbrechen abgewälzt, «um die Machthaber zu schützen», sagten sie der «HuffPost».
Melania Trump: «Seien Sie vorsichtig»
Der führende Demokrat im Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, Robert Garcia, forderte dennoch «unverzüglich» eine Anhörung der Opfer. Der Ausschuss hatte im Fall Epstein Ende Februar den früheren Präsidenten Bill Clinton und seine Frau Hillary angehört, nachdem Präsident Trump den Demokraten Clinton beschuldigt hatte, er habe viel mehr mit Epstein zu tun gehabt als er selbst. Im Juni ist Microsoft-Gründer Bill Gates vorgeladen. Gates und Bill Clinton waren in den jüngst veröffentlichten Epstein-Akten aufgetaucht, eine Verwicklung in den Skandal konnte ihnen jedoch nicht nachgewiesen werden.
Epstein hatte zahlreiche prominente Bekannte, unter ihnen den britischen Prinzen Andrew und Donald Trump. Der US-Präsident hatte den Epstein-Skandal als «Täuschungsmanöver» der Demokraten bezeichnet und wiederholt gefordert, den Mantel des Schweigens darüber zu hüllen. Der Kongress erzwang dann aber nahezu einstimmig die Freigabe der Akten. Wegen zahlreicher geschwärzter Stellen gibt es Vorwürfe, das Ausmass werde vertuscht und die wahren Täter geschützt.
Trump selbst äusserte sich bislang nicht zum Auftritt seiner Frau. Von deren Pressestelle war lediglich zu hören, der Auftritt im Weissen Haus sei mit dem Präsidenten abgestimmt gewesen. Beim US-Präsidenten dürfte der Zeitpunkt von Melanias Stellungnahme jedenfalls kaum für Euphorie gesorgt haben. Schliesslich hatte er sich am Dienstag – kurz nach der Waffenstillstandsvereinbarung mit den Mullahs in Teheran – noch dafür gefeiert, der Welt den Frieden zu bringen. Nun hat ausgerechnet seine Frau den Fokus wieder auf die Epstein-Affäre gelenkt und damit die innenpolitische Debatte angeheizt.
In ihrer Stellungnahme richtete Melania Trump noch einen eindringlichen Aufruf an die Öffentlichkeit: «Seien Sie vorsichtig, woran Sie glauben», sagte sie.
Quellen:
- washingtonpost.com: Melania Trump denies close ties to Jeffrey Epstein in rare news conference
- nytimes.com: Melania Trump Says She Was Not a Victim of Jeffrey Epstein
- nymag.com: Jeffrey Epstein: International Moneyman of Mystery. "Terrific guy," Donald Trump booms from a speakerphone. "He’s a lot of fun to be with."
- abc.net.au: AUDIO: Melania Trump denies ties to Jeffrey Epstein
- bbc.com: Melania Trump denies ties to Jeffrey Epstein and urges hearing for survivors
- bbc.com: Trump says America should move on from Epstein – it may not be that easy
- ca.news.yahoo.com: Epstein Survivors Accuse Melania Trump Of Shifting Burden To Them
- Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und AFP

