Weitere Kriegsschiffe unterwegs: Irans Regime sorgt sich vor US-Angriff
Eine grosse Streitmacht habe er um den Iran zusammengezogen, sagt US-Präsident Donald Trump. Seit Wochen droht er mit Angriffen auf die Islamische Republik, weil das Regime den jüngsten Volksaufstand niederschlagen liess und nach Angaben von Menschenrechtlern mehr als 6000 Menschen tötete. Aktivisten vor Ort sprechen gar von über 30'000 Toten.
Bisher zögerte Trump mit Luftangriffen, auch weil seine «Armada» noch nicht vollständig war. Nun traf zuerst der Flugzeugträger USS Abraham Lincoln mit seinen 90 Kampfflugzeugen an Bord im Nahen Osten ein. Doch das ist nicht alles: Trump schickt nach eigenen Worten «eine weitere schöne Armada» an US-Kriegsschiffen in die Region.
Noch hat der US-Präsident den Einsatzbefehl nicht gegeben. Er will den Iran zu Verhandlungen zwingen. Trump behält sich aber noch eine weitere Option vor, wie er am Mittwoch mitteilte: Er droht Iran offen mit militärischer Gewalt. Trump verweist in einem Post auf seiner Plattform Truth Social auf den US-Angriff auf iranische Atomanlagen im vergangenen Sommer, die «Operation Midnight Hammer». Der nächste Angriff «wird viel schlimmer», schreibt der US-Präsident. Iran müsse «an den Verhandlungstisch kommen», sonst drohe Eskalation.
Teheran antwortet im trump'schen Ton. Man sei «zu Dialog auf Basis von gegenseitigem Respekt bereit» – aber: «Wenn wir gedrängt werden, werden wir uns verteidigen und antworten wie nie zuvor.»
Der Iran-Experte Karim Sadjadpour vom Carnegie Endowment in Washington sieht eine weitere Parallele in Trumps Iran-Taktik. Diese ähnele dem Vorgehen in Venezuela, sagte er dem Nachrichtensender Bloomberg. Die Operation in der Karibik, die in der Entführung von Machthaber Nicolas Maduro aus seinem Wohnhaus in Caracas gipfelte, begann mit einer Seeblockade für venezolanische Ölexporte. Die Armada im Mittleren Osten könnte einem ähnlichen Ziel dienen. Für Sadjadpour könnte es die Vorstufe für ein Abkommen sein – oder zur politischen oder gar militärischen Entmachtung der iranischen Führung.
Der US-Präsident will Teherans Atomprogramm beenden
Dass es zu einem Angriff kommt, ist laut Beobachtern längst noch nicht ausgemacht. Trump könnte die militärische Drohkulisse ebenso als Druckmittel für einen Deal einsetzen. Ein solcher müsse das iranische Atomprogramm endgültig beenden, hielt er in seinem Post am Mittwoch fest. Ob nun tatsächlich Irans Griff nach der Atombombe oder ein Regimewechsel in Teheran ganz oben auf der Prioritätenliste steht, ist – wie so häufig bei Trump – völlig unklar.
Trumps Parteifreunde drängen den US-Präsidenten jedenfalls zum Regimesturz. Der einflussreiche US-Senator Lindsey Graham forderte in der «New York Times», Revolutionsführer Ali Khamenei zu entmachten. US-Geheimdienste seien zu dem Schluss gekommen, dass die Islamische Republik derzeit so schwach sei wie noch nie seit ihrer Gründung nach der Revolution von 1979, meldete die «Times».
Die militärischen Voraussetzungen wären wohl gegeben. Die veralteten Flugabwehrsysteme des Iran, die im Krieg gegen Israel und die USA im vorigen Jahr weiter geschwächt wurden, können Trumps Armada nicht aufhalten. Das Regime droht deshalb mit Vergeltungsschlägen auf US-Militärstützpunkte im Nahen Osten und amerikanische Verbündete wie Israel, Katar, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate; die Emirate sperrten bereits ihren Luftraum für Angriffe auf den Iran.
Trump stellte derweil klar: «Die Zeit läuft ab.» Wie lange er auf Zugeständnisse der Iraner warten will, weiss niemand. US-Langstreckenbomber sind laut «New York Times» in erhöhter Alarmbereitschaft. Khamenei soll sich nach einem Bericht des Oppositionssenders Iran International bereits in einem Bunker in Sicherheit gebracht haben. (aargauerzeitung.ch)
