US-Flugzeugträger unterwegs – so wahrscheinlich ist ein US-Angriff im Iran
Die USS Abraham Lincoln ist unterwegs ins Arabische Meer und befindet sich bald in Schlagdistanz zum Iran. Mit der Verlegung des Flugzeugträger-Verbands in die Region hat US-Präsident Donald Trump eine gewaltige Drohkulisse gegen das Mullah-Regime aufgebaut. Ein mit Flugabwehrraketen ausgerüstetes Schiff soll zudem in Richtung Israel unterwegs sein.
Was steckt hinter dem Truppenaufmarsch?
Trump hatte Mitte Januar den iranischen Demonstranten Hilfe zugesichert. Wegen der blutigen Niederschlagung der Proteste drohte er mit einem Angriff auf die Islamische Republik. Das US-Portal Axios berichtete vor wenigen Tagen, dass die amerikanischen Streitkräfte vorletzten Mittwoch für einen Luftschlag bereit waren – und dass Trump sie im letzten Moment zurückgepfiffen haben soll.
Grund dafür soll unter anderem ein Anruf des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu gewesen sein, weil dieser zuerst die Abwehrsysteme seines Landes für einen iranischen Gegenschlag vorbereiten wollte.
Auch eine Textnachricht des iranischen Aussenministers könnte eine Rolle gespielt haben – so hat dieser den Amerikanern offenbar versprochen, die öffentlichen Hinrichtungen von verhafteten Demonstranten zu stoppen. Offiziell bestätigt hat die iranische Führung dies allerdings nie.
Mit der Entsendung des Flugzeugträgerverbands, zu dem drei Zerstörer, Kampfjets, Helikopter und mehrere Tausend Soldaten gehören, hält sich Trump nun alle Möglichkeiten offen.
Wie könnten die USA eingreifen?
Nahost-Experte Reinhard Schulze, der in einem Interview mit CH Media von einer «fundamentalen Veränderung» im Iran sprach, entwarf am Samstag im Kurznachrichtendienst X ein mögliches Szenario: US-Präsident Donald Trump werde vom Iran eine Abrüstung verlangen. Teheran weigert sich. Die USA antworten mit gezielten Luftschlägen.
Laut einer Analyse von Nate Swanson, ehemaliger Iran-Direktor im Nationalen Sicherheitsrat der USA, verfügt Trump dabei über mehrere Eskalationsoptionen. Diese reichen von symbolischen Militärschlägen auf Nuklear- oder Raketenanlagen über gezielte Angriffe auf den Sicherheitsapparat (etwa auf die Revolutionsgarden) bis hin zu Attacken auf wirtschaftlich zentrale Infrastruktur wie Öl- und Gasterminals.
Als extremes – und kaum kalkulierbares – Szenario gilt ein Angriff auf den obersten Führer Ali Khamenei, der laut Swanson ein Machtvakuum und einen offenen Krieg auslösen könnte. Daneben existieren nicht-militärische Optionen, etwa politische oder technische Unterstützung für Protestierende, deren Wirkung jedoch begrenzt wäre.
Die Analysten von «The War Zone» geben derweil zu bedenken, dass die nun mobilisierten Truppen für grössere Operation gegen den Iran gar nicht ausreichen würden. Es bräuchte weitere Kampfflugzeuge.
Kann ein Militärschlag das Regime stürzen?
Wohl nicht direkt. Laut Swansons Analyse für den Atlantic Council würden die Demonstranten am ehesten vom starken psychologischen Effekt profitieren. Ein US-Schlag gegen den Sicherheitsapparat des Regimes könnte ihre Moral so weit stärken, dass sie die Proteste fortsetzen, Risse im Machtapparat entstehen und es zu Überläufern kommt. Der gegenteilige Effekt ist allerdings auch nicht ausgeschlossen: Das Regime könnte mit noch brutalerer Repression reagieren.
Wie ist die Lage im Iran aktuell?
Verheerend. Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Activists News Agency (HRANA) sprach am Wochenende von mindestens 5848 Toten und über 40'000 Festnahmen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch wesentlich höher liegen.
Die Stiftung der im Iran inhaftierten Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi nannte die blutige Niederschlagung der Proteste ein «Massaker von gewaltigem Ausmass». Am Wochenende berichteten das «Time Magazine» und ein iranisches Oppositionsportal von über 30'000 Toten am 8. und 9. Januar allein. Unabhängig prüfen lassen sich diese Zahlen nicht.
Seit Ende Dezember gehen Iranerinnen und Iraner gegen die Führung ihres Landes auf die Strasse. Nachdem die Proteste Anfang Januar eine neue Eskalationsstufe erreicht hatten, regierte die Führung um Ajatollah Ali Khamenei mit der Erschiessung von Demonstranten und einer Abschaltung von Internet- und Telefonnetz.
In der vergangenen Woche hat sich die Lage auf den Strassen zuletzt etwas beruhigt, Beobachter vermuten allerdings, dass in den kommenden Tagen eine noch grössere Eskalation kommen könnte.
Wie reagieren das Regime in Teheran und dessen Verbündete auf die amerikanische Bedrohung?
Das iranische Verteidigungsministerium warnte die USA und Israel am Montag vor einem Eingreifen. Die Reaktion Teherans werde schmerzhafter ausfallen als in der Vergangenheit, hiess es.
In Teheran liess das Regime ein Wandgemälde als Warnung errichten. Es zeigt mehrere beschädigte Flugzeuge auf einem Flugzeugträger. Dazu heisst es: «Wer Wind sät, wird Sturm ernten.»
Die Huthi-Rebellen im Jemen haben zudem mit neuen Angriffen auf die Schifffahrt im Roten Meer gedroht.
Wie sich die nächsten Tage entwickeln, hängt nicht mehr allein von der iranischen Führung ab. Entscheidend wird die Strategie der USA sein – und die Frage, wie die Bevölkerung des Iran reagiert.
