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Vermummen, Schwarze jagen, Sprüche klopfen – das sind die neuen White-Trash-Terroristen



Die Anschläge in Paris befeuern in den USA die Diskussion um die Aufnahme syrischer Flüchtlinge. Eine Mehrheit des Kongress stimmte vergangene Woche für einen vorübergehenden Aufnahmestopp und eine Verschärfung der Kontrollen syrischer Flüchtlinge. Donald Trump und andere republikanische Präsidentschaftskandidaten fordern einen Aufnahmestopp.

Bewaffnet und maskiert unterwegs an die Demo.
Video: Facebook/Black Lives Matter Minneapolis

Während die Angst vor islamistischem Terror die Schlagzeilen dominiert, erhält ein anderes Thema weiterhin nur beschränkte Aufmerksamkeit: Rassistisch motivierter Terror von weissen Amerikanern.

Am Montagabend hat in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota eine Gruppe maskierter Männer mit Feuerwaffen auf Demonstranten geschossen – fünf schwarze Männer wurden zum Teil schwer verletzt, einer musste sich einer Magenoperation unterziehen. Gemäss Augenzeugen haben Demonstranten versucht, die Männer vom Protest auszuschliessen, worauf diese das Feuer eröffnet hätten.

Die Aktivisten waren wegen eines Polizisten auf der Strasse, der in Minneapolis am 15. November einen unbewaffneten 24-jährigen Schwarzen erschossen hatte.

Im Internet kursiert ein Video von zwei Männern, die vier Tage vor der Gewalttat im Auto unterwegs zu einem der täglich stattfindenden «Black Lives Matter»-Proteste sind. Sie sind maskiert, einer von ihnen präsentiert seine Handfeuerwaffe. «Wir schauen, was diese verdammten Dindus [abwertend für Afro-Amerikaner] so machen», sagt einer von ihnen. «Und ja, wir sind bewaffnet.»

Nach neustem Erkenntnisstand handelt es bei den Männern im Video nicht um die Täter. Ob eine direkte Verbindung zu ihnen besteht, ist unklar. Ihr Auftreten und ihre Sprache im Video ist jedoch alarmierend. Die beiden tauchen auf einem anderen Video auf, das sie bei den Protesten zeigt – dort kommt es jedoch zu keiner Gewalt-Eskalation.

Wie die New York Times berichtet, befinden sich drei Verdächtige in Polizeigewahrsam – alles weisse Männer. Ein 23-Jähriger wurde am Dienstag verhaftet, ein 21-Jähriger und ein 26-Jähriger stellten sich später selbst.

Aktivisten werfen der Polizei vor, nicht angemessen reagiert zu haben. «Obwohl die Polizei von den Drohungen der Rechtsextremen gewusst hat, ging sie mit Pfefferspray gegen Bürgerjournalisten und friedliche Demonstranten vor», sagte die Aktivisting Miski Noor an einer Medienkonferenz. «Sie beschimpften die Teilnehmer der Kundgebung, statt die Drohung ernstzunehmen. Wir haben kein Vertrauen in die Polizei.»

In Handschellen erschossen?

Seit mehr als einer Woche fordern die Demonstranten die Aufklärung des Todes von Jamar Clark. Der 24-jährige Schwarze war in den frühen Morgenstunden vom Sonntag, 15. November durch einen Kopfschuss von einem Polizisten getötet worden.

This undated photo released by his sister Javille Burns shows Jamar Clark, who was fatally shot in a confrontation with police on Sunday, Nov. 15, 2015, in Minneapolis. The state's Bureau of Criminal Apprehension on Wednesday, Nov. 18, which is leading an outside investigation of Sunday's fatal shooting of the unarmed black man, released the names of two Minneapolis police officers involved as Mark Ringgenberg and Dustin Schwarze. (Jamar Clark/Javille Burns via AP)

Von einem Polizisten getötet: Jamar Clark.
Bild: AP/Javille Burns

Gemäss Augenzeugenberichten soll keine Gefahr von ihm ausgegangen sein. «Er hatte Handschellen an, er hat sich nicht gewehrt», sagt die Anwohnerin Lisa Hoskins zum Guardian. Ein weiterer Zeuge schreibt: «Ich habe gerade gesehen, wie ein Polizist einen schwarzen Mann festgesetzt und erschossen hat.» Clarks Familie spricht von einer «Hinrichtung».

Die Polizei sagt, Clark sei nach einem Handgemenge erschossen worden. Er sei der Verdächtige in einem Fall von häuslicher Gewalt gewesen, worauf die Beamten und die Ambulanz ausrückten. Clark soll die Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert haben.

Vom Vorfall soll es mehrere Überwachungs-Videos von umliegenden Häusern geben, doch diese will die Polizei nicht herausgeben. Die Behörden untersuchen nun, ob Clark tatsächlich Handschellen anhatte, als er erschossen wurde. Und selbst wenn nicht, müsste noch bewiesen werden, dass der Unbewaffnete eine unmittelbare Gefahr darstellte.​

In Chicago gibt ein weiterer Fall von Polizeigewalt zu Reden: Ein Polizist, der einen schwarzen Teenager erschossen hat, ist des Mordes angeklagt. Ein Video zeigt, wie er innert 14 Sekunden 16 Schüsse auf den 17-jährigen Laquan McDonald abfeuert, der lediglich mit einem Messer bewaffnet ist. (rey)

epa05040113 A handout image provided by the Office of the Medical Examiner of Cook County, Illinois, on 24 November 2015, shows a diagram of bullet holes allegedly suffered by 17 year-old Laquan McDonald in a police shooting incident in October 2014. The 17 year-old was allegedly shot 16 times by Chicago Police Officer Jason Van Dyke on 20 October 2014. On 24 November 2015, Van Dyke was charged with 1st degree murder after an investigation into the shooting was held. He turned himself over to authorities on 23 November 2015. A dashcam video of the incident is due to be released on 24 November.  EPA/COOK COUNTY MEDICAL EXAMINER / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Die Einschusslöcher am Opfer McDonald.
Bild: EPA/COOK COUNTY MEDICAL EXAMINER

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