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Der entlassene Karikaturist Michael de Adder. bild: deadder.net

Entlassen für (nicht publizierten) Trump-Cartoon – die Story von Karikaturist de Adder



Michael de Adder tat lange, was er am besten kann. Karikaturen zeichnen. Seit 20 Jahren greift der heute 52-jährige Kanadier zu Stift und Papier – nun wurde ihm eine Zeichnung zum Verhängnis. Oder doch nicht?

Fakt ist: Am 26. Juni teilte de Adder einen seiner Cartoons auf Twitter, harter Tobak, kein Stoff für Zartbesaitete. Die Zeichnung bezieht sich auf ein aktuelles Migrationsdrama, auf Oscar Martinez Ramirez und seine Tochter Valeria aus El Salvador, die letzte Woche beim Versuch, die USA zu erreichen, im Rio Grande ertrunken sind.

Im Comic zu sehen ist US-Präsident Donald Trump beim Golfspiel, er fragt in Richtung der beiden Leichen: «Macht es euch etwas aus, wenn ich durchspiele?»

Die Karikatur von de Adder.

Abgedruckt wurde der Cartoon von de Adder nie, auf Social Media nahm das Werk aber mächtig Fahrt auf und ging viral. Retweets, Kommentare, Likes – und das zehntausendfach. Mit seiner Zeichnung verschaffte sich der Kanadier zwar haufenweise Lob, vom Arbeitgeber gab es aber kurzerhand die Quittung. De Adder wurde entlassen, sein Vertrag mit vier kanadischen Zeitungen gekündigt.

Erwähnenswert: Alle vier Zeitungen (Moncton Times Transcript, Fredericton Daily Gleaner, Telegraph-Journal und Telegraph Journal Saint John) sind im Besitz der Mediengruppe Brunswick News Inc., diese wiederum gehört Geschäftsmann und Milliardär James K. Irving. Die Milliardärsfamilie Irving – diese Aussage äusserte der Polit-Karikaturist Wes Tyler auf Facebook – habe grosse Interessen in den USA, die Entlassung könne kein Zufall sein.

Divergierende Meinungen

Genau das behauptet jedoch de Adders Arbeitgeber in einer Mitteilung. Es sei völlig falsch, anzunehmen, dass die Brunswick News Inc. den Freelancer-Vertrag mit dem Karikaturisten wegen eines Cartoons über Donald Trump beendet habe. Es handle sich dabei um eine irrtümliche Geschichte, die leichtfertig und leichtsinnig in den sozialen Medien erschienen sei. «Tatsächlich wurde unserer Mediengruppe dieser Cartoon von Herrn de Adder nicht einmal angeboten». Neu ist bei Brunswick ein alter Bekannter am Werk, dazu sagt das Unternehmen: «Die Entscheidung, unseren Lesern wieder ihren Lieblingsillustrator Greg Perry anzubieten, wurde lange vor dem Entstehen dieses Cartoons getroffen und ist das Ergebnis wochenlanger Verhandlungen.»

Auf Twitter bestätigt de Adder seine Entlassung, schreibt, dass es «ziemlich weh tut». Er zeigt sich seinem Arbeitgeber verbunden und bezeichnet sich selber als «New Brunswicker». Er werde aber «überleben», es sei «ein Rückschlag, kein Todesstoss». De Adder kündigt ein Buch an und betont, dass er nach wie vor für andere wunderbare Zeitungen arbeiten werde. Es sei aber verrückt, für einen Cartoon entlassen zu werden, der nicht einmal in einer Zeitung erschienen sei.

Besorgte Karikaturisten

Grundsätzliche Kritik an der Branche übt Karikaturistenkollege Patrick Chappatte. Grund für dessen Missmut ist die Anfang letzten Monat angekündigte Information, wonach die «New York Times» die tägliche Veröffentlichung eines Cartoons in der internationalen Ausgabe einstellen würde. Zuvor musste sich die Zeitung für einen antisemitischen Cartoon zum israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu entschuldigen.

Der angesprochene Cartoon. Er zeigt Netanjahu als Blindenhund von Donald Trump. Netanjahu trägt einen Davidstern, Trump eine Kippa.

Auch da kommuniziert die Zeitung, dass die Entscheidung, den Cartoon einzustellen, schon einige Zeit in der Luft gelegen sei. In der amerikanischen Version sei dieser längst entfernt. Karikaturist Chappatte ist jedoch der Meinung, dass die Kontroverse um die Netanjahu-Zeichnung ausschlaggebend war. Chappatte warnte auf seiner Website ganz grundsätzlich davor, dass sich Medien unter politischem Druck zu sehr beugen. «In den letzten Jahren haben einige der besten Cartoonisten ihren Job verloren, weil ihre Verleger der Meinung waren, dass ihre Arbeit zu kritisch war für Donald Trump. Vielleicht sollten wir uns Sorgen machen.»

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57Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Reudiger 02.07.2019 19:09
    Highlight Highlight Aktionen haben Konsequenzen. Ironischerweise sind es oft linkspolitische, welche die Entlassung von Personen mit "rechtsextremen Meinungen" oder spezifische Meinungen oft gutheissen.
    Wäre also nicht verkehrt, hier das selbe Prinzip zu benutzen.
    Solange der Karikaturist keine staatliche, legale Konsequenzen fürchten muss, würde eine Entlassung in Ordnung sein.
  • stefan reiser 02.07.2019 16:06
    Highlight Highlight Bei der Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten war die Photo
    mit dem ertrunkenen Mann und seiner zweijährigen
    ertrunkenen Tochter die Einleitung zu einer Frage über
    Migration .Alle Teilnehmer und wahrscheinlich auch
    ein grossteil des Publikums wussten von welcher
    Photo die Rede war . Warum wurde diese Photo
    auf Watson verpixelt ? Wer hat das entschieden ?
    Wollt ihr den Tatsachen ins Auge sehen oder uns
    eine heile Welt vorgaukeln ?
  • Froggr 01.07.2019 20:43
    Highlight Highlight Die Frage: Werden solche Situationen (hier Menschen, die auf der Flucht im Fluss ertrinken) gefördert durch: a) wenn man das Land für Migration unattraktiver macht (siehe USA) oder b) wenn man das Land für Migration attraktiver macht (siehe EU/Europa). Die Antwort ist klar.
    • bruuslii 01.07.2019 22:55
      Highlight Highlight dein ansatz ist verkehrt. es geht nur darum, wie unatraktiv es ist in einem armen land zu leben und von da wegzukommen. solange die westliche welt arme länder ausbeutet ist eine migration absolut verständlich. das sieht man daran, wieviel risiko diese armen menschen auf sich nehmen und ihr leben riskieren
      wenn du mal an dem punkt bist und es dann immer noch besser weisst, erst dann darfst du dich über migration beklagen!
    • Platon 02.07.2019 00:16
      Highlight Highlight @Froggr
      Man kann Leute auch auf normalem Weg (Asylverfahren) zurückschicken, statt sie auf dem Weg verrecken zu lassen. So wie dies auch Europa getan wird, oder zumindest getan werden sollte.
    • Walter Sahli 02.07.2019 07:04
      Highlight Highlight Wie gross muss der Fremdenhass sein, wenn man sein eigenes wohlhabendes und sicheres Land in ein Land wandeln will, in das nicht einmal Flüchtlinge aus Libyen wollen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • DemonCore 01.07.2019 20:23
    Highlight Highlight Da soll einer sagen, es gäbe keine rechten Snowflakes...
  • YesImAMillenial 01.07.2019 20:16
    Highlight Highlight oh, ich dachte immer satire dürfe alles.

    wir sind doch charlie und so
  • Maedhros Niemer 01.07.2019 19:39
    Highlight Highlight Ich finde die Reaktion auf Karikaturen (im allgemeinen) sind ein guter Gradmesser für die Offenheit und Toleranz einer Gesellschaft.

    Viele Medienerzeugnisse sind auf den Zug des Clickbait-Empörungsjournalismuses aufgesprungen. Dieser verträgt sich logischerweise nicht sehr gut mit überspitzen, pointierten, politischen Karikaturen.

    Ich war selber schon in der Situation, dass einer meiner Cartoons von meinen Auftraggebern abgelehnt wurde, weil sie Probleme bei einer möglichen Publizierung sahen.
    Die Veränderungen beginnen im "Kleinen", erst ein wenig Selbstzensur bei Karikaturen, dann Verbote.
    • Maedhros Niemer 01.07.2019 19:55
      Highlight Highlight
      Benutzer Bild
  • Pafeld 01.07.2019 19:22
    Highlight Highlight Wir haben das Recht auf freie Meinungsäusserung schon lange auf die Personen reduziert, welche es sich leisten können.
  • ujay 01.07.2019 18:05
    Highlight Highlight Diese Karikatur bringt es auf den Punkt. Besser geht nicht!
  • Goldjunge Krater 01.07.2019 17:52
    Highlight Highlight Die Karikatur ist unterste Schublade.
    • Dominik Treier 01.07.2019 18:00
      Highlight Highlight Die Karikatur nicht, aber was Trump wissentlich duldet und sogar begrüsst und anordnet ist es...
    • Eiswalzer 01.07.2019 19:25
      Highlight Highlight Sie trifft haargenau einen Nerv. Hoffentlich fühlen sich möglichst viele Rechtsnationalisten (gibts ja auch hierzulande, in Italien, DE etc genug) angesprochen.
    • Jo Blocher 02.07.2019 15:13
      Highlight Highlight Nö Goldjunge: Trumps Politik ist das, die Karikatur bringts nur auf den Punkt. Ich weiss, ist schmerzhaft für Trump Groupies.
  • Daniel B 01.07.2019 17:41
    Highlight Highlight Weshalb titelt ihr eine Aussage, die dann im Text nicht als Faktum begründet werden kann? Es wird klar abgestritten, dass die Entlassung aufgrund des Cartoons getätigt wurde.

    Ihr bestätigt, was rechte Kritiker den Medien vorwerfen: Bewusste einseitige Interpretation von Ereignissen. Schade."Entlassung soll nichts mit Trump-Cartoon zu tun haben", wäre stimmiger. Der mündige Leser kann dann immer noch selber Schlüsse ziehen.
  • Raphael Stein 01.07.2019 17:25
    Highlight Highlight Zeitungen und TV-Stationen werden gern von reichen Männern zwechs Meinungsbildung gekauft und betrieben.
    • PeteZahad 01.07.2019 18:43
      Highlight Highlight Was für eine Aussage! Zeitungen und TV-Stationen können nun Mal nicht von armen Personen gekauft werden. Bei Meidienunternehmungen nimmt der Inhaber, Chefredakteur bis runter zum einzelnen Journalisten immer in irgendeiner Form Einfluss. Hier wird ja auch im Titel ein Fakt suggeriert der zwar warscheinlich aber nicht erwiesen ist.
    • Spooky 01.07.2019 19:00
      Highlight Highlight @Raphael Stein

      Das gilt auch für Watson.
  • Covid-20 01.07.2019 17:09
    Highlight Highlight War es nicht Trumps Motto "tell it like it is"?
    • NathanBiel 01.07.2019 18:34
      Highlight Highlight Ok, es war jetzt nicht Trump der reklamiert hat... wobei... who knows...
  • DocShi 01.07.2019 17:06
    Highlight Highlight Nun, in der Verfassung steht auch das jeder das Recht auf freie Meinung hat und Redefreiheit.
    Was aber in Amerika (und nicht nur dort) nicht heisst das man deswegen frei Karikaturieren darf und deswegen seinen Job behält. Denn die Angst geht um.


    Traurige Entwicklung!
    • Mugendai 01.07.2019 17:22
      Highlight Highlight Du und ganz ganz viele andere müssen dringend mal einsehen, dass es zwar Rede- und Meinungsfreiheit gibt, dies aber nicht vor den Konsequenzen schützt, wenn man dieses Recht wahrnimmt.
    • walsi 01.07.2019 18:44
      Highlight Highlight @Mugendai: Wie genau meinst du das? In der Schweiz z.B. ist eine Kündigung die auf Grund der Ausübung eines rechtes basiert missbräuchlich.
    • Beggride 01.07.2019 19:18
      Highlight Highlight @mugendai
      Inwiefern ist das Meinungsfreiheit, wenn man nach einem unbequemen Statement entlassen wird? Oder ist es erst nicht mehr Meinungsfreiheit, wenn man mit dem Tod rechnen muss??
    Weitere Antworten anzeigen
  • Thennis 01.07.2019 17:02
    Highlight Highlight Trump ist doch nur wütend, weil seine Hände zu wirken.
  • Jesses! 01.07.2019 17:01
    Highlight Highlight Ein krankhafter Narzisst mit Neigung zu einer psychpathischen Störung. Das ist böswilliger Narzissmus. Das ist erst der Anfang von Trumps irrem Verhalten. Es wird schlimmer.
    • The fine Laird 01.07.2019 17:42
      Highlight Highlight Na dann freuen wir uns auf weitere 4 Jahre!
  • Gurgelhals 01.07.2019 16:59
    Highlight Highlight Die Karikatur ist unrealistisch. Einer wie Trump käme in keiner Situation auf die Idee, höflich "Do you mind...?" zu fragen.
    • MAOAM 01.07.2019 18:40
      Highlight Highlight Karikaturen sind nie realistisch. Sie Überspitzen, stellen Situationen übertrieben dar.
  • Walter Sahli 01.07.2019 16:59
    Highlight Highlight Was für Islamisten Mohammed ist, ist für Verleger anscheinend Trump.
  • Freddie Quecksilber 01.07.2019 16:56
    Highlight Highlight Mir gefällt die Karikatur er ist provokant und genau so sollten sie nach meinem Geschmack sein
  • TanookiStormtrooper 01.07.2019 16:54
    Highlight Highlight In autoritären Ländern wird als allererstes die Satire verboten. Das einzige, was schlimmer ist, ist wenn sie in vorauseilendem Gehorsam zensiert oder gleich ganz abgeschafft wird. 🤷‍♂️
  • lilie 01.07.2019 16:54
    Highlight Highlight Kann mir blauäugigem Einhorn mal jemand erklären, warum der Trump-Netanyahu-Cartoon antisemitisch ist? Es geht doch um zwei Staatschefs und deren (politische) Beziehung zueinander und weder um Religion noch um das jüdische Volk im Generellen? 🤔🤷‍♀️
    • Snowy 01.07.2019 17:27
      Highlight Highlight Für gewisse israelische Lobbygruppen, ist alles was nicht Pro-Israel ist, automatisch antisemitisch.

      Tragisch, dass eine NYT sich davon beeinflussen lässt.

      Gute Satire steht immer jemandem mit Macht oder mit Geld (meistens beides) auf die Füsse.

      Solange Satire nicht nach unten tritt, darf sie alles.
    • Daniel B 01.07.2019 17:47
      Highlight Highlight Gut, dass du nachfragst. Wenn es nur um zwei Staatschefs ginge, müssten nicht jüdisch-religiöse Symbole verwendet werden. Dies wurde aber sehr bewusst getan. Zudem: Jemanden als Hund zu bezeichnen ist im jüdischen eine grosse Beleidigung. Der Cartoon ist klar antisemitisch. Gut, dass dies nicht geduldet wird.
    • Kruk 01.07.2019 17:55
      Highlight Highlight Weil alles Israelkritische Antisemitismus ist.

      Aus sicht der Zionisten zumindest.




    Weitere Antworten anzeigen
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