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US-Deal mit Novartis und Roche: Medikamentenpreise sollen sinken

Trump schliesst Deal mit Novartis und Roche ab – Medikamentenpreise sollen sinken

19.12.2025, 20:5420.12.2025, 00:01

Die US-Regierung hat am Freitagabend eine Einigung mit neun Pharmakonzernen bekannt gegeben, darunter Novartis und Roche-Tochter Genentech. Im Gegenzug für tiefere Medikamentenpreise und Investitionen sollen sie für drei Jahre von Zöllen befreit werden.

Bei Novartis hiess es, man habe sich im Rahmen der Vereinbarung «freiwillig verpflichtet», mehrere Massnahmen umzusetzen, um die Prioritäten der US-Regierung bei den Medikamentenpreisen zu unterstützen. Dazu gehöre, künftige Medikamente in Hochlohnländern zu vergleichbaren Preisen auf den Markt zu bringen.

Ausserdem wolle man Direkt-an-Patienten-Plattformen für die Medikamente Mayzent (Siponimod), Rydapt (Midostaurin) und Tabrecta (Capmatinib) aufbauen, die über eine staatliche Plattform zugänglich sein sollen. Darüber hinaus plant der Konzern, sich um eine Teilnahme am sogenannten Generous-Modell zu bewerben, das den Zugang zu Medikamenten verbessern soll. Novartis-CEO Vas Narasimhan war an der Medienkonferenz im Weissen Haus anwesend.

Roche-Tochter Genentech wiederum teilte am Freitagabend mit, dass die Vereinbarung auf die Senkung der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente abziele. So soll etwa das eigene Influenza-Portfolio in den USA künftig über die staatliche Plattform sowie über das kürzlich gestartete Direkt-an-Patienten-Programm des Unternehmens verfügbar gemacht werden. Damit solle der Zugang zu bestimmten Medikamenten erleichtert werden.

Milliardeninvestitionen

Beide Schweizer Pharmariesen bekräftigten zudem ihre früheren Absichten, milliardenschwere Investitionen in den USA für die Produktion von Medikamenten zu tätigen. Genentech will in den kommenden Jahren 50 Milliarden US-Dollar investieren und eine neue Produktionsanlage in North Carolina bauen.

Novartis wiederum hat die früher angekündigten Investitionen über 23 Milliarden US-Dollar bekräftigt. Seither habe das Unternehmen unter anderem ein biomedizinisches Forschungszentrum für 1,1 Milliarden Dollar in San Diego angekündigt, den Bau eines neuen Produktionshubs in North Carolina gestartet sowie neue Produktionsstätten in Kalifornien, Florida und Texas vorangetrieben.

Die anderen an der Einigung beteiligten Pharmaunternehmen sind Bristol-Myers Squibb, Gilead Sciences, Boehringer Ingelheim, Amgen, GSK, Sanofi und Merck & Co.

Grosse Preisreduktionen

Die Preisreduktionen für Medikamente in den USA sind zum Teil drastisch. Die US-Regierung schaltete nach einer Pressekonferenz ein Fact-Sheet mit weiteren Details zu den einzelnen Deals auf. Demnach werde etwa Genentech den Preis für sein Grippemedikament Xofluza für Patienten, die es direkt über die staatliche Plattform kaufen, von 168 Dollar auf 50 Dollar senken. Und Novartis werde für sein Multiple-Sklerose-Medikament Mayzent für entsprechende Patienten nur noch 1137 Dollar statt wie bisher 9987 Dollar verlangen.

Der Schweizer Branchenverband Interpharma zeigte sich am Freitagabend in einem Statement auf der Plattform X zufrieden mit der Einigung und der damit einhergehenden Planungssicherheit. «Für die Schweiz ist das jedoch keine Entwarnung», liess sich Geschäftsführer René Buholzer zitieren. Der Wohlstand der Schweiz hänge stark von Forschung, Produktion und den über 300'000 direkt und indirekt Beschäftigten ab, während die internationale Dynamik den Druck weiter erhöhe.

Unsicherheit hat ein Ende

Mit der Einigung endet eine seit Monaten andauernde Zitterpartie. Bereits in den vergangenen Wochen hatten Konzerne wie Pfizer oder AstraZeneca Vereinbarungen mit der Trump-Regierung getroffen. Die Vereinbarung ist Teil von US-Präsident Donald Trumps Handels- und Zollpolitik. So waren Arzneimittel zusammen mit Gold und Halbleitern von den Zöllen zwar ausgenommen, aber Trump hatte mit möglichen künftigen Zöllen gedroht. Denn die hohen Medikamentenpreise in den USA sind ihm ein Dorn im Auge.

Im Sommer schickte er dann auch Briefe an 17 Pharmaunternehmen und forderte sie auf, sich bereit zu erklären, ihre Medikamente über eine Direktvertriebsplattform anzubieten, die künftigen Preise an die in anderen Ländern geltenden Preise anzupassen und die Kosten für ein Versicherungsprogramm der US-Regierung zu senken.

Für die beiden Schweizer Konzerne ist der US-Markt sehr wichtig. So stammen bei Novartis mehr als 40 Prozent der jährlichen Einnahmen aus den USA, während Roche nahezu die Hälfte seiner Umsätze in den USA generiert.

Die Einigung mit den beiden Pharmariesen folgt nur einen Monat nach dem Handelsabkommen, das die Schweiz mit den USA geschlossen hat. Dadurch haben die USA die rekordhohen Zölle von 39 Prozent auf Schweizer Importe auf neu 15 Prozent gesenkt. (sda/awp)

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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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kann(nid)verstaan
19.12.2025 21:36registriert Februar 2020
„Dazu gehöre, künftige Medikamente in Hochlohnländern zu vergleichbaren Preisen auf den Markt zu bringen.“
Wenn ich das richtig verstehe, will Novartis Preise anheben, einfach nicht in den USA.
Ich hoffe, die Schweizer Gesundheitspolitik und Krankenkassen halten dagegen.
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SOSollala
19.12.2025 21:46registriert Januar 2025
Trump kriechen sie in den Hintern. Und das nur, um weiterhin Mrd. Gewinne noch mehr zu steigern. Was können alle anderen Hochlohnländer dafür, dass Regulierungen im US Medikamentenhandel fehlen und der Zwischenhandel mit horrenden Provisionen die Preise unsinnig verteuern. Ein System aufgebaut von genau diesen Pharmariesen. Profitiert haben die Firmen vom stabilen Umfeld und dem Bildungssystem in Europa und wirtschaftsfreundlicher Politik der CH. Es wiedert mich an, welches Moralverständnis da heuchlerisch zelebriert wird.
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bokl
19.12.2025 22:26registriert Februar 2014
"... mit Regierungen weltweit zusammenzuarbeiten, damit Innovation angemessen bewertet werde ..."

Übersetzt von PR-Speech auf Deutsch:
“Wir zwingen andere Regierungen durch höhere Preise unsere Gewinne zu sichern. Ansonsten halten wir unsere Produkte zurück und lassen die Patienten verrecken."
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