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So rechtfertigt Trump sein Schweden-Debakel

US-Präsident Donald Trump muss seit seiner Äusserung über Schweden viel Spott und Häme über sich ergehen lassen. Nun hat er erklärt, wie es dazu gekommen ist.



«Wenn man sich anschaut, was gestern Abend in Schweden passiert ist», sagte US-Präsident Donald Trump bei einer Veranstaltung in Melbourne, Florida. «Wer hätte das gedacht! Schweden!», betonte er laut. Dort habe man viele Flüchtlinge aufgenommen.

O-oh, denkt sich da der Zuseher. Was zur Hölle ist denn in Schweden passiert gestern? Haben als Flüchtlinge getarnte Terroristen einen Anschlag verübt? Gab es Vergewaltigungen durch Flüchtlinge dort? Gewaltexzesse? Immerhin nannte Trump Schweden in einem Atemzug mit Nizza, Brüssel und Deutschland.

Fragen, auf die Trump in seiner rund einstündigen Rede vor eigenen Anhängern keine Antworten liefert, und in Schweden kratzt man sich jetzt darüber verwundert am Kopf: Was ist denn gestern bei uns so passiert? Die Zeitung Aftonbladet weiss es und hat die Meldungen von besagtem Freitag aufgelistet:

Bild

Ein Mann hat sich selber angezündet, ein Sänger hatte technische Probleme, ein Mann verstarb nach einem Arbeitsunfall, die E10 musste wegen schlechten Wetters geschlossen werden, eine Polizeiverfolgungsjagd. Bild: screenshot Aftonbladet

Die Erklärung für den Hinweise lieferte Trump schliesslich am Sonntag (Ortszeit) auf Twitter nach:

«Meine Aussage über das, was in Schweden passiert ist, war ein Verweis auf eine Geschichte, die auf FoxNews über Einwanderer und Schweden gesendet wurde.»

Dabei dürfte sich der Präsident auf diesen Beitrag von FoxNews über Flüchtlinge in Schweden bezogen haben. Statt: «Wenn man schaut, was gestern Abend in Schweden passiert ist», hätte Trump also eher sagen müssen: «Wenn man schaut, was in Schweden passiert ist, wie ich gestern Abend am Fernsehen gesehen habe.» Dass Trump seine Informationen aus FoxNews und anderen Medien bezieht, hat jüngst Komiker John Oliver bewiesen.

In Schweden war die Erwähnung des Landes in einer Reihe mit Terrorzielen mit Erstaunen und Humor aufgenommen worden. Unter dem Hashtag #LastNightInSweden tauschten sich Twitternutzer munter darüber aus, was am Freitag in Schweden alles passierte («Ikea-Schrank falsch aufgebaut», «Bier getrunken, eingeschlafen»).

Und das passierte in Schweden zum genannten Zeitpunkt wirklich:

Chelsea Clinton hat eine Ahnung

Auch der ehemalige Ministerpräsident von Schweden weiss es nicht

McCain: «Wir müssen aufpassen»

Am Tag nach der merkwürdigen Andeutung in Trumps Rede haben nun auch sämtliche US-Medien die Geschichte aufgenommen. Für sie ist es ein gefundenes Fressen im steten Konflikt mit Trump, welcher sie wiederholt als «Fake News» verflucht und ihnen Lügen vorgeworfen hat.

Die «Fake news media» seien nicht «mein Feind, sie sind der Feind des amerikanischen Volkes», schrieb Trump zum Beispiel am Samstag. Namentlich nannte Trump dabei die «New York Times» und die Sender NBC News, ABC, CBS und CNN.

Dafür musste er aus den eigenen Reihen harte Kritik einstecken. Mit solchen Äusserungen hätten «Diktatoren angefangen», sagte der prominente republikanische Senator John McCain dem Sender NBC News. «Wenn man sich die Geschichte anschaut, dann haben Diktatoren als erstes die Presse mundtot gemacht. Ich sage nicht, dass Präsident Trump versucht, ein Diktator zu sein. Ich sage nur, dass wir aus der Geschichte lernen müssen.»

Auch Trumps Verteidigungsminister Jim Mattis distanziert sich von Trumps Äusserungen. «Nein, so wie ich das sehe, ist die Presse ein Gegenüber, mit dem wir umgehen. Und ich persönlich habe keine Probleme mit der Presse», sagte er am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. 

(aeg)

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