Trumps Kehrtwende im Iran-Krieg: Verdacht auf Insiderhandel verdichtet sich
Dass Donald Trump seine Haltung zu geopolitischen Fragen häufig ändert, ist bekannt. Doch hinter diesen Kurswechseln könnte ein Muster stecken: Seine Ankündigungen fallen auffällig oft mit den Öffnungs- und Schlusszeiten der Finanzmärkte zusammen – ein Umstand, der Spekulationen über möglichen Insiderhandel nährt.
Jüngste Kehrtwende wirft Fragen auf
Am Samstagabend, 21. März, stellte der US-Präsident Teheran ein Ultimatum. Er gab dem Iran 48 Stunden Zeit, um die Strasse von Hormus zu öffnen und somit die Weltwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Sollte der Iran das nicht tun, drohte Trump damit, Irans grösstes Kraftwerk anzugreifen.
Am Montagmorgen folgte die Überraschung – zumindest für all diejenigen, die von Trump nicht zuvor eingeweiht worden waren. Kurz vor Börsenbeginn in den USA machte der Präsident seinem Namen TACO-Trump alle Ehre und räumte dem Iran weitere fünf Tage ein. Er begründete seine Kehrtwende damit, dass es «sehr gute und positive» Gespräche mit Teheran gegeben habe. Der Iran allerdings wies entsprechende Verhandlungsberichte zurück.
Insiderhandel-Verdacht kam bereits öfter auf
Es ist nicht das erste Mal, dass Trump politische Kehrtwenden ausgerechnet zu Börsenzeiten verkündet – und dabei offenbar auf die Märkte abzielt. CNN listet in einer Analyse einige Beispiele auf:
- Verkündung der US-Zölle am 2. April 2025: Eigentlich war Trumps Pressekonferenz in Washington auf 16 Uhr (Ortszeit) angesetzt. Verkündet hatte er die Zölle jedoch erst rund eine halbe Stunde später – kurz nach Börsenschluss um 16.30 Uhr. Die Zölle sollten dann am Samstag, 5. April 2025, in Kraft treten. Auch zu diesem Zeitpunkt waren die Märkte geschlossen. Nach einer historisch schwierigen Woche für den Aktienmarkt schrieb Trump kurz nach Börsenbeginn um 9.30 Uhr (Ortszeit): «JETZT IST EIN GROSSARTIGER ZEITPUNKT ZUM KAUFEN!» Am Tag darauf – die Märkte waren auf den niedrigsten Stand des Jahres gefallen – kündigte er eine 90-tägige Aussetzung fast aller Zölle über zehn Prozent an. Das bescherte den Aktienkursen den besten Tagesgewinn seit 2008.
- Verkündung der 130-prozentigen Zölle auf China: Auch diese Zölle verkündete Trump 20 Minuten nach Börsenschluss am Freitag, 10. Oktober 2025. Die Zölle sollten am Samstag, 1. November in Kraft treten – erneut zu einem Zeitpunkt, zu dem die Märkte geschlossen waren.
- Verkündung zu Grönland: Am 21. Januar, 20 Minuten vor Börsenbeginn, verkündete Trump während einer Auslandsreise, er werde nicht versuchen, Grönland mit «übermässiger Gewalt» einzunehmen. Am Tag zuvor waren die Aktienkurse so tief wie seit letztem Oktober nicht.
- Auch die vorherigen Angriffe auf Iran im Juni 2025 sowie die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro verkündete Trump jeweils am Wochenende.
- Die Angriffe auf den Iran in diesem Jahr machte Trump am Samstag, 28. Februar, publik.
Es handelt sich um eine Taktik, die zwar auch von Unternehmen häufig angewendet wird: Sie veröffentlichen Ankündigungen vor oder nach Börsenschluss, damit Anleger Neuigkeiten verarbeiten können, bevor Entscheidungen getroffen werden. Auch Regierungen veröffentlichen unangenehme Nachrichten häufig gezielt zu Randzeiten, um die öffentliche Aufmerksamkeit möglichst gering zu halten. Doch Trump scheint es auf die Spitze zu treiben, wie seine Entscheidungen im Iran-Krieg jüngst zeigen.
Anzeichen für Insiderhandel am Montag
Nach Trumps Ultimatum von Samstag rechnete man an den Börsen am Montag mit steigenden Ölpreisen und fallenden Aktien. Kurz vor der Öffnung in den USA wetteten Händler jedoch in grossem Stil auf sinkende Ölpreise. Kurz darauf verkündete der US-Präsident, dem Iran nach Verhandlungen weitere fünf Tage einzuräumen. Daraufhin machten die Märkte eine 180-Grad-Wendung.
Laut einer Recherche der «Financial Times» wechselten am Montagmorgen zwischen 6.49 und 6.50 New Yorker Zeit – also etwa 15 Minuten vor Trumps Ankündigung – rund 6200 Terminkontrakte für die Ölsorten Brent und WTI den Besitzer. Der Gesamtwert beläuft sich laut der Zeitung auf rund 580 Millionen US-Dollar. Wer hinter den Transaktionen steckt, ist unklar.
Das sei «wirklich ungewöhnlich», sagt ein Händler eines grossen Hedgefonds mit über 25 Jahren Markterfahrung gegenüber der «Financial Times». Es habe an diesem Morgen keine wichtigen Daten und keine offensichtlichen Auslöser gegeben – «da hat jemand sehr viel Geld verdient», so der Händler.
Genau 14 Minuten vor Trumps Post auf Truth Social wurde an der Terminbörse in Chicago zudem eine aussergewöhnlich hohe Wette auf den US-Aktienindex S&P 500 platziert. Das berichtet die australische Nachrichtenseite «news.com» unter Berufung auf den US-Börsenbrief «The Kobeissi Letter». Die Future-Kontrakte hatten einen Wert von 1.5 Milliarden US-Dollar und seien nach Trumps Ankündigung binnen Minuten um 60 Millionen Dollar im Wert gestiegen.
Market manipulation. The timing of Trump threats (usually Friday nights) then backing down (usually early Monday mornings) on war and tariffs tell you all you need to know. pic.twitter.com/JIt3X96UbA
— Ron Filipkowski (@RonFilipkowski) March 23, 2026
Mehrere Accounts wetteten auf Waffenstillstand
Auf der Online-Wettplattform Polymarket haben am Wochenende mehrere Accounts auf einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran gewettet. Laut Experten ist auch das ein Hinweis auf mögliches Insiderwissen, berichtet der «Guardian».
Einige Konten erweckten demnach den Anschein, als gehörten sie einem einzelnen Investor, der versucht, seine Identität zu verschleiern, indem er seine Wetten auf mehrere Konten aufteilt. Ben Yorke, ehemals Forscher bei Cointelegraph und jetzt Entwickler einer KI-Handelsplattform, erklärt dem «Guardian»:
Polymarket, zu dessen Investoren eine Risikokapitalgesellschaft gehört, die wiederum US-Präsident Donald Trump gehört, sah sich Kritik und behördlicher Überprüfung ausgesetzt. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, Kriegsgewinnlertum und Insiderhandel zu begünstigen.
Weisses Haus weist Vorwürfe zurück
Das Weisse Haus möchte von den Vorwürfen unterdessen nichts wissen. Der Präsident und seine Mitarbeitenden konzentrierten sich ausschliesslich darauf, «das Beste für das amerikanische Volk» zu tun, sagt ein Sprecher gegenüber der «Financial Times». Es werde nicht toleriert, dass Regierungsvertreter illegal von Insiderwissen profitieren. Entsprechende Vorwürfe ohne Belege seien «haltlos und unverantwortlich».
Auch wenn der Verdacht auf Insiderhandel im Raum steht – und das nicht erst seit gestern – ist er bisher unbelegt.
(Mit Material von T-Online)
