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Erstmals bringt diese Nacht eine «Occasions»-Rakete einen Satelliten ins All



Das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX will erstmals einen Satelliten mit einer wiederverwendeten Antriebsrakete ins Weltall schicken. Die Rakete soll in der Nacht zum Freitag vom Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida starten.

Raketenstart im Rückwärtsmodus: Wenn eine Falcon-9-Rakete der privaten US-Firma SpaceX den Rückweg zur Erde antritt, sieht es zunächst aus, als falle ein Stern vom Himmel. Plötzlich schiesst ein greller Feuerschweif senkrecht in Richtung Erde. Er bremst die Rakete. Seitlich klappen Ständer aus. In einer Wolke aus Flammen kommt die Falcon auf einer Plattform zum Stehen. Alles zurück auf Start: Die Rakete ist bereit zum Recycling.

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Die Landung einer Falcon 9. Video: YouTube/SpaceX

Die gleiche Rakete brachte schon Fracht zur ISS

Erstmals soll nun eine wiederverwertete Rakete des Konzern von Raumfahrt-Visionär Elon Musk erneut ins All starten. Für den Gründer von SpaceX ist das ein wichtiges Etappenziel seiner Pläne, die Raumfahrt zu revolutionieren: Die Wiederverwendbarkeit von Raketen soll Missionen günstiger machen. Auf ihrer ersten Reise ins All hatte die Falcon 9 im April 2016 eine Dragon-Kapsel mit Fracht zur Internationalen Raumstation ISS gebracht.

Unter den Blicken zahlreicher Zuschauer soll die Rakete in der Nacht zum Freitag (0.27 Uhr Schweizer Zeit) vom Kennedy Space Center im US-Staat Florida ihren zweiten Raumflug antreten. Nachdem sie einen Satelliten der Luxemburger Firma SES im Erdorbit ausgesetzt hat, ist eine Landung auf einer ferngesteuerten, unbemannten Plattform im Atlantik geplant - neuerliches Recycling im Anschluss nicht ausgeschlossen.

Historischer Meilenstein

«Als erster kommerzieller Satelliten-Betreiber, der mit SpaceX ins All geflogen ist, sind wir begeistert, erneut als erster Kunde mit SpaceX die erste Mission einer flugerprobten Rakete zu starten», teilte Martin Halliwell von SES mit. SpaceX spricht von einem «historischen Meilenstein».

Raketen mehrfach benutzen zu können, war schon im Kalten Krieg ein Ziel der Raumfahrtgrossmächte Sowjetunion und USA. Auch der deutsche Ingenieur und Raketenbaupionier Wernher von Braun arbeitete für die US-Behörde NASA an dieser Idee. In den USA entwickelte sich daraus das berühmte Shuttle-Programm. Zwischen 1981 und 2011 flogen die schnittigen «Weltraumtaxis» 135 Einsätze.

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Die erfolgreiche Landung der Falcon 9 am 8. April 2016. Video: YouTube/Jonny Dowe

Kosten um 60 Prozent senken

Mit dem Recycling von Raketenstufen wollen Ingenieure und Unternehmen viel Geld sparen. Einer Studie von 1989 zufolge konnte die US-Behörde NASA ihre Kosten durch die Wiederverwertung der Shuttles um fast 60 Prozent drücken. In die Rechnung waren allerdings nicht die Ausgaben für Infrastruktur und Triebwerksüberarbeitung eingerechnet.

SpaceX hat bislang keine Angaben zu den Kosten für die Aufbereitung seiner Falcon 9 gemacht. Experten schätzen, dass das Unternehmen etwa 30 Prozent im Vergleich zum Bau einer neuen Rakete spart.

Sechs Starts geplant

SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell zufolge plant die Firma insgesamt sechs Starts mit wiederverwerteten Falcon-Raketen. Im vergangenen Jahr hatte sie der Agentur Tass zufolge Kunden zehn Prozent Rabatt in Aussicht gestellt, wenn sie eine bereits verwendete Rakete nutzen.

Um die Falcon nach der Landung für einen Neustart aufzubereiten, benötigt SpaceX Berichten zufolge bislang vier Monate. Künftig soll die Prozedur in der Fabrik in Hawthorne (Kalifornien) auf zwei Monate - langfristig sogar auf wenige Tage - verkürzt werden. Offen blieb dem Online-Portal «space.com» zufolge, ob die neun Triebwerke der Rakete für den Start am Freitag ausgetauscht oder recycelt wurden.

Konkurrenz für sein Konzept wiederverwendbarer Raketen bekommt SpaceX vor allem aus den USA. Die private Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos verfolgt ähnliche Pläne.

Grosse Pläne eines Tausendsassa

Der Milliardär Musk mischt die Branche seit 2002 mit SpaceX auf. 2012 schickte das Unternehmen erstmals als private Firma einen Frachter zur ISS. 2015 gelang die erste Landung einer Falcon 9 nach einer Mission im All. Erst im Februar kündigte Musk an, schon 2018 Weltraumtouristen auf eine «Kreuzfahrt um den Mond» schicken zu wollen.

Langfristig träumt der in Südafrika geborene Musk davon, fremde Planeten - etwa den Mars - mit Menschen zu besiedeln. Klingt ziemlich verrückt? Der 45-Jährige inszeniert sich gerne als Macher, der Träume wahr werden lässt. Er hat schon das Bezahlen im Internet erneuert (PayPal), US-Haushalte mit Solarstrom versorgt (SolarCity) und Elektroautos in die ganze Welt verkauft (Tesla).

Das Magazin «Forbes» schätzt Musks Vermögen auf rund 13 Milliarden US-Dollar. Experten verweisen bei Plänen für bemannte Flüge zum Roten Planeten allerdings auf die rund achtmonatige Zeit allein für den Hinflug sowie immense technische Herausforderungen. (whr/sda/dpa)

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Posersalami 31.03.2017 10:01
    Highlight Highlight Es ist geglückt, herzliche Gratulation! :)


    "Die private Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos verfolgt ähnliche Pläne."
    Die Anstrengungen von Jeff Bezos gehen dann doch in eine andere Richtung. Ich möchte die Leistung von Bezos nicht klein reden, aber Space X ist dann doch noch eine etwas andere Grössenordnung, wie diese Grafik verdeutlicht: http://pop.h-cdn.co/assets/15/52/980x490/landscape-1450887852-atkpdax.png
    Wobei ich eher mal Kunde von Bezos werde als von Musk :)
  • Teslaner 31.03.2017 00:40
    Highlight Highlight Und zurück ist sie erneut ;-)
  • Jokaero 30.03.2017 22:57
    Highlight Highlight Auch wenn wohl nicht alles, was er anpackt, Erfolg haben wird, bin ich immer wieder von Elon Musk fasziniert. Die Menschheit bräuchte mehr Visionäre wie ihn. Wie kriegt er all die Projekte eigentlich in seinem Terminkalender unter?
  • DomiNope 30.03.2017 22:37
    Highlight Highlight Fun Fact: Musk hat anfangs Jahr übrigens auch noch eine Tunnelbohrfirma gegründet
  • Alnothur 30.03.2017 22:35
    Highlight Highlight Wer sich das ganze übrigens live anschauen möchte: hier ist der Firmen-Webcast: http://www.spacex.com/webcast
  • SVARTGARD 30.03.2017 22:31
    Highlight Highlight Lass fliegen die Sau
  • amazonas queen 30.03.2017 21:50
    Highlight Highlight Wiederverwendet wird die erste Stufe, nicht die ganze Rakete. Rentieren tut es wohl trotzdem, denn die Stufe hat neun Motoren, die zweite nur einen.
    • Alnothur 30.03.2017 22:40
      Highlight Highlight Exakt. SpaceX hat erst kürzlich angekündigt, dass sie nun mittlerweile mehr als 100 Stück dieser Motoren produziert haben; und auch in dieser "Massenproduktion" sind das dann immerhin 9% der Motoren, die die teuersten Komponenten einer Rakete sind (da gehören noch Hochleistungs-Treibstuffpumpen usw. dazu). Die Tanks kosten wohl auch einiges. Zudem will SpaceX heute das erste Mal versuchen, die Nutzlastverkleidung wieder zu landen.
  • azoui 30.03.2017 21:50
    Highlight Highlight Nicht das ich das schmällern will, schliesslich lese ich solche Dinge seit meiner Jugend in meinen SiFi Romanen.
    Aber irgendwie sehen die Landungen aus, als hätte Lucas Arts mitgeholfen.

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