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Brisante Daten der Superreichen: US-Regierung sucht Quelle von Steuerdaten-Leaks

09.06.2021, 07:2309.06.2021, 12:54

Warum ermittelt die US-Behörde?

Die US-Steuerbehörde IRS will ermitteln, wie brisante Daten von Superreichen wie Jeff Bezos, Elon Musk oder Warren Buffett an die Öffentlichkeit geraten konnten. «Ich kann bestätigen, dass es eine Untersuchung gibt», sagte IRS-Chef Charles Rettig am Dienstag (Ortszeit) bei einer Senatsanhörung in Washington.

Die unautorisierte Weitergabe vertraulicher Regierungsinformationen sei illegal, erklärte eine Sprecherin des Finanzministeriums.

Und um welche vertraulichen Informationen geht es?

Die Investigativ-Plattform «ProPublica» hatte zuvor Ergebnisse einer Recherche veröffentlicht, die nach ihren Angaben auf anonym zugespielten IRS-Daten zu den Einkommenserklärungen und Steuerabgaben der reichsten Amerikaner basiert.

Die Informationen sollen zeigen, wie geringe Beiträge viele extrem Wohlhabende in den USA gemessen an ihren immens hohen Vermögen an den Fiskus zahlen müssen und wie sehr sie von legalen Steuerschlupflöchern profitieren können.

Wie wenig Steuern haben die Superreichen denn bezahlt?

«ProPublica» stellte unter anderem die Bundeseinkommenssteuern der 25 reichsten Amerikaner für die Jahre 2014 bis 2018 ihren Vermögenszuwächsen gemäss der «Forbes»-Milliardärsliste gegenüber und kam zu dem Schluss, dass sich de facto lediglich eine Abgabenquote von im Schnitt 3,4 Prozent ergeben habe.

Jeff Bezos.
Jeff Bezos.Bild: keystone

Weitere Details: Amazon-Chef Bezos – laut «Forbes» der reichste Mensch der Welt – habe 2007 und 2011 überhaupt keine US-Einkommenssteuern gezahlt. Das sei in anderen Jahren auch Tesla-Chef Musk und anderen Multimilliardären gelungen.

Warren Buffett.
Warren Buffett.Bild: EPA

Bemerkenswert: Börsen-Guru Warren Buffett, der sich immer wieder öffentlich für höhere Steuern für Spitzenverdiener ausspricht, zahlte laut «ProPublica» von 2014 bis 2018 die geringsten Steuern von den 25 Superreichen.

Der 90-jährige Chef der Beteiligungsholding Berkshire Hathaway habe sein Vermögen in diesem Zeitraum um 24,3 Milliarden Dollar erhöht, aber nur ein Einkommen von 125 Millionen Dollar beim Fiskus angegeben und letztlich 23,7 Millionen an Steuern gezahlt. Damit ergebe sich eine «wahre Steuerquote» von nur 0,1 Prozent.

Wie reagieren die Superreichen auf die Enthüllung?

Buffett reagierte mit einer ausführlichen Erklärung auf die Daten-Leaks und erklärte, dass er vorhabe, quasi sein gesamtes Vermögen für wohltätige Zwecke zu stiften. Er glaube, dass sein Geld so nützlicher für die Gesellschaft sei.

Buffett bekräftigte aber auch seine Unterstützung für ein faireres Steuersystem zum Abbau von Vermögensungleichheiten in der Bevölkerung. Bezos war laut «ProPublica» nicht bereit, Stellung zu beziehen. Musk habe auf eine Anfrage lediglich mit «?» geantwortet und dann nicht mehr reagiert.

Elon Musk.
Elon Musk.Bild: keystone

Warum sind solche tiefen Steuerrechnungen überhaupt möglich?

Die Enthüllungen schlagen in den USA hohe Wellen, zeigen letztlich aber vor allem den Effekt einer lange bekannten und umstrittenen Eigenschaft des Steuersystems auf. So ergibt sich der Reichtum von Milliardären wie Bezos und Co. anders als bei den meisten Bürgern meist weniger aus ihren Einkommen, sondern aus den Wertsteigerungen von Vermögen wie Aktien.

Die werden aber – ausser ihren Dividenden – erst bei einem Verkauf besteuert. Zudem kann die Steuerlast etwa durch Kredite oder Investmentverluste kleingerechnet werden. (meg/sda/awp/dpa)

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99 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Sprachrohr
09.06.2021 08:46registriert Juli 2020
Das Warren Buffet so wenig Steuern zahlt, obwohl er sich öffentlich für fairere Steuern einsetzt, ist weder "bemerkenswert" noch widersprüchlich. Buffet hat vielmehr seit Jahren immer wieder öffentlich dargelegt, dass er persönlich und andere Superreiche nicht adäquat besteuert werden.

Buffet setzt sich für ein gerechteres SteuerSYSTEM für ALLE ein, was nicht im Widerspruch dazu steht, dass er wie alle anderen (Reichen) auch seine Steuern zu optimieren versucht.

Er will zwingende faire Steuerregeln für alle und nicht bloss individueller (freiwilliger) Verzicht auf auf Steueropt. einzelner.
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ELMatador
09.06.2021 07:56registriert Februar 2020
Die Erklärung ist einfach Vermögen und Vermögenssteigerung wird nicht gleich behandelt wie einkommen. Dies ist nicht nur in der USA, sondern auch in der Schweiz so.

Ist es fair? Meiner Meinung nach nicht wirklich, da es die Vermögenschere in der Gesellschaft noch mehr öffnet. Und eine Bevölkerungsschicht klar bevorteilt.

Leider hat ein grosser Teil der Bevölkerung Angst, etwas zu ändern. Auf der einen Seite, weil sie Befürchten, selbst mal reich zu sein und sich daher zukünftig zu bestrafen oder aber weil sie den bürgerlichen Ammenmärchen glauben, schenken.
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Fairness
09.06.2021 08:33registriert Dezember 2018
Daher ist eine globale Finanztransaktions-/Mikrosteuer ein MUSS.
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