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Die Abstimmung naht: Schweizer Exporteure fürchten Brexit – Banken sprechen von Rätselraten



Jetzt geht es schnell. In einer Woche kommt es auf der Insel zur überaus wichtigen Abstimmung. Ein Austritt Grossbritanniens aus der EU wäre auch für die Schweizer Wirtschaft eine Belastungsprobe. Die Exportbranchen sind verunsichert. Für die meisten gilt daher ganz britisch: «Abwarten und Tee trinken».

45 Prozent aller britischen Warenausfuhren und rund 38 Prozent aller Dienstleistungsexporte gehen in den EU-Binnenmarkt. Gemäss dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) könnte die Wirtschaftsleistung Grossbritanniens bei einem Austritt darum um 10 Prozent oder mehr einbrechen.

Die Forscher des IW erheben den Anspruch, mit ihrer Meta-Studie, also einer Studie über die Studien, die Verzahnung zwischen Grossbritannien und der übrigen EU besonders berücksichtigt zu haben.

Auch in der Schweiz rechnen Wirtschaftsvertreter mehrheitlich mit negativen Auswirkungen für die Wirtschaft.

«Die Schweizer Exportwirtschaft käme sicher unter Druck», sagt Stefan Neuwirth, EU-Experte bei der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. «Vieles ist aber noch unklar», fügt er an.

The Canary Wharf financial district is seen at dusk in east London, Britain November 7, 2014.  REUTERS/Toby Melville/File Photo

London ist der Motor Grossbritanniens.

Selten mag eine vage Einschätzung treffender gewesen sein. Die Schweizerische Bankiervereinigung spricht beim Thema Brexit gar vom grossen Rätselraten und vom Blick in die Kristallkugel.

Gemäss Stefan Neuwirth würde das Ausmass der Folgen für die Schweizer Wirtschaft stark davon abhängen, wie schnell der Brexit, also der Austritt Grossbritanniens, umgesetzt würde und wie schnell die Schweiz neue Verträge aushandeln könnte.

Grossbritannien ist für die Schweiz mit rund 11,7 Milliarden Franken eine der wichtigsten Exportdestinationen. Zu den begehrtesten Exportwaren gehören pharmazeutische Produkte, Bijouterie-Waren, Uhren und Maschinen.

Bremsspuren bis in die Schweiz

Diese Branchen fürchten bei einem Austritt, dass sie die Bremsspuren der britischen Wirtschaft zu spüren bekommen. Die Uhrenindustrie etwa, die im vergangenen Jahr Waren im Wert von 1,16 Milliarden Franken nach Grossbritannien verkaufen konnte, sieht einer ihrer Wachstumsmärkte in Gefahr.

Die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM), die Produkte für 2,5 Milliarden Franken nach Grossbritannien exportiert, sieht ihre Verkäufe stocken – nicht nur auf der Insel.

The logo of Swiss bank UBS is seen at the company's headquarters in Zurich February 10, 2015. REUTERS/Arnd Wiegmann/File Photo

Die UBS hat Studien verfasst zu einem allfälligen Austritt aus der EU Grossbritanniens.  Bild: ARND WIEGMANN/REUTERS

Viel mehr fürchtet die Branche die politischen Unruhen in der EU, denn diese ist ungleich wichtiger als der einzelne Mitgliedstaat. Eine Studie der Grossbank UBS bezeichnet den Austritt Grossbritanniens denn auch nur als schwerwiegend, wenn er mit politischen Turbulenzen verbunden ist. «Sobald sich abzeichnet, dass trotz eines Austritts eine Annäherung in Handelsfragen zustande kommt und in der EU die Zentrifugalkräfte nicht die Oberhand gewinnen, sollte die Unsicherheit wieder abnehmen», heisst es in der Studie.

Unruhen befürchtet 

Auch Marcel Sennhauser, Sprecher von Scienceindustries, dem Wirtschaftsverband der Branchen Chemie Pharma und Biotech, sagt: «Damit Schweizer Produkte und Dienstleistungen weiterhin im EU-Raum nachgefragt werden, sind politische Ruhe und wirtschaftliche Prosperität in der EU zentral. Beides würde bei einem Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union aufs Spiel gesetzt».

Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann befürchtet nebst konjunkturellen Effekten, dass die EU nach einem Brexit mit Austrittsverhandlungen absorbiert wäre und für die Schweizer Anliegen kein Gehör mehr hätte.

ZUR MELDUNG, DASS DIE SWISSCOM MIT GROSSEN STOERUNGEN IN DER GESAMTEN SCHWEIZ ZU KAEMPFEN HAT, STELLEN WIR IHNEN AM 24. MAI 2016 FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. AUCH BANCOMATEN SEIEN VON DER STOERUNG BETROFFEN. - Montage des neuen Swisscom - Logo an der Zuercher Neugasse am Donnerstag, 28. Februar 2008. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Hat die EU noch Zeit für Schweizer Anliegen nach einem Brexit?  Bild: KEYSTONE

Zudem ist mit zusätzlichem Druck auf den Schweizer Franken zu rechnen, denn die Schweizer Währung wäre wegen den Unsicherheiten im Euro-Raum eine sichere Währung, ein Fluchthafen.

Um den Franken zu schwächen, würde die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Währungsinterventionen reagieren. «Es wäre auch nicht komplett ausgeschlossen, dass die Leitzinsen in der Schweiz nochmals etwas negativer werden könnte», sagt Nannette Hechler-Fayd'herbe, Leiterin globale Anlagestrategie bei der Grossbank Credit Suisse.

Dass ein solcher Schritt nötig wird, hofft in der Schweiz kein Exporteur. Sich ernsthaft darauf einstellen will sich aber auch noch niemand. Es wird schliesslich Übergangsfristen geben, um sich im «Worst Case» mit möglichen Handelsbeschränkungen, Zöllen oder Währungsschwankungen auseinanderzusetzen. Bis dahin gilt: To wait and see. (sda)

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