International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
TOKYO, JAPAN - JUNE 19: A man walks past the outside of a store selling anime video games, dvd's and graphic novels, in Akihabara on June 19, 2014 in Tokyo, Japan. On Wednesday June 18, 2014, Japanese lawmakers passed a bill to ban the possession of child pornography, punishable by up to a year in prison or a fine of nearly $10,000. However lawmakers left untouched the manga, animation and computer graphics that depict sexual fantasies involving children arguing that censoring such materials would impact free speech.  (Photo by Chris McGrath/Getty Images)

Manga-Videos und Bücher sind in Japan äusserst beliebt. Hier geht ein Mann im Tokioter Stadtteil Akihabara an entsprechenden Werbeplakaten vorbei.   Bild: Getty Images AsiaPac

Grabsch-Bars, Katzen-Cafés und 21 weitere Gründe, warum ich Japan auch nach drei Monaten nicht verstehe, überhaupt nicht

Japan ist ein hochentwickeltes Land. Mit einer Kultur, die uns fremder nicht sein könnte. Sie zu verstehen, ist fast unmöglich. Es zu versuchen aber amüsant, schockierend, verwirrend. 



1. Abschliessbare Schirmständer

In Tokio ist im Sommer Regenzeit und kaum jemand verlässt die Wohnung ohne Schirm. Schirme sind transparent in Japan. Nicht schwarz. Und für Schirme gibt es Schirmständer vor jedem Laden, die abschliessbar sind sowie Automaten mit Plastikschutzhüllen, damit die Schirmträger mit dem Schirm nichts nass machen. Japaner sind auch bei Sonnenschein mit Schirm unterwegs, diese sind allerdings farbig. 

Schirm

Bild:feb

A passerby holding an umbrella struggles against the wind and heavy rain caused by
tropical storm Noul in Tokyo May 12, 2015.   Tropical storm Noul is approaching to Japan's capital with heavy rain and winds on Tuesday after pummelling coastal areas on the northeastern tip of the Philippines. REUTERS/Issei Kato

Bild: ISSEI KATO/REUTERS

2. Keine Strassencafés

Japaner schützen sich vor der Sonne. Sie wollen auf keinen Fall einen Teint bekommen. Sie tun das, wie gesagt, mit Schirmen oder gehen gar nicht erst an die Sonne. Strassencafés gibt es deshalb wenige. Das Leben findet drinnen statt. Hinter Schiebetüren und beschrifteten Tüchern. Vieles spielt sich in Japan im Verborgenen ab ...

A woman leaves the Hibiya whisky bar in the Ginza district in Tokyo December 2, 2014. Nestled at the foot of wooded hills near the ancient Japanese capital of Kyoto, the Yamazaki whisky distillery feels a long way from the northerly glens of Scotch's spiritual home. Despite its unlikely birthplace, last month Yamazaki's Single Malt Sherry Cask 2013 trumped more than a thousand challengers to be named the world's best whisky by leading critic Jim Murray in his Whisky Bible 2015.  Picture taken December 2, 2014. To match story JAPAN-WHISKY/     REUTERS/Thomas Peter (JAPAN - Tags: BUSINESS)

Bild: THOMAS PETER/REUTERS

3. Rosen fotografierende Männer

... oder in Parks. Vor allem an den Wochenenden. Die Parks sind dann voll mit Menschen. Und diese Menschen stehen stundenlang vor Blumen und Bäumen. Ganz nahe. Und betrachten diese. Männer mit riesigen Objektiven, die Rosen fotografieren, sind Normalität. 

TOKYO, JAPAN - MARCH 30:  People take photographs of blooming cherry blossom trees in Ueno Park on March 30, 2015 in Tokyo, Japan. The Cherry blossom season begins in Okinawa in January and moves north through Feburary peaking in Kyoto and Tokyo at the end of March and lasting just over a week.  (Photo by Chris McGrath/Getty Images)

Bild: Getty Images AsiaPac

4. Hunde in Kinderwagen 

Fast alle Städter haben einen Hund. Einen kleinen Hund. Diesen führen sie nicht spazieren, sie schieben ihn in einer Art Kinderwagen für Hunde vor sich her. Oder sie speisen in Restaurants, in denen Hunde willkommen sind. Dort liegt eine eigene Speisekarte für den Hund auf, er darf auf dem Tisch essen und auf dem WC gibt es eine Hundeseife. Öfter beobachtete ich, wie ein hippes Paar mehr mit dem Hund als miteinander redete. Zudem kauten sie ihrem Tier das Essen vor. Selbstverständlich wird der Liebling regelmässig in den Hunde-Salon geschickt. 

Bild

shutterstock

5. Hündeler mit Giesskanne

Japan ist sauber, Tokio ist sauber, Hündeler sind sauber. Gleich neben mir wohnte ein älteres Paar, das sein Hündchen regelmässig spazieren führte. Und das geht so: Er mit dem Hündchen voraus, sie in einem Abstand von vier Metern dahinter. Macht der Hund ein grosses Geschäft, putzt er feinsäuberlich auf. Uriniert das Tier, entfernt sie die Rückstände mit einer Giesskanne. Diese hat sie immer bei sich. 

epa04555749 Twenty year old Anne Nakajima plays with her dog after being fitted into a kimono for a Coming of Age Day ceremony in Isumi city, Chiba province, Japan, 11 January 2015. Many young women throughout Japan make appointments one year in advance to get their hair prepared and to be fitted into a kimono for the Coming of Age Day ceremony. Beauty parlors stay open all night in order to handle the rush for styling on Coming of Age Day. The Coming of Age festival is celebrated on the second Monday of January in Japan. All young people who turn twenty years old this year celebrate in the day's ceremony. Age twenty is considered the beginning of adulthood and is the minimum legal age for voting, drinking, and smoking in Japan.  EPA/EVERETT KENNEDY BROWN

Die Liebe zu Haustieren geht in Japan sehr weit. Bild: EVERETT KENNEDY BROWN/EPA/KEYSTONE

6. Chiropraxen für Katzen

Die Liebe zu Haustieren kennt keine Grenzen. Ein Katzen-Chiropraktiker gehört fast schon zum Alltag. Dort soll der geliebte Vierbeiner einfach einmal entspannen können. Katzen, die an Leinen spazieren geführt werden, waren in meinem Quartier in Tokio keine Seltenheit. 

Bild

bild: shutterstock

7. Katzen-Cafés

Es gibt sie nicht nur im Reiseführer, sie existieren wirklich; die Katzen-Cafés. Das sind Orte, wo zugegebenermassen Touristen, aber tatsächlich auch Einheimische hingehen, um Katzen zu streicheln. Im Café, das ich besuchte, waren 17 Katzen anwesend. Für umgerechnet zehn Franken durfte ich eine halbe Stunde im Café bleiben. Rasch scharten sich die Tiere um mich, einen Tee gab es gratis dazu – mit dem Vermerk, es könne nicht garantiert werden, dass es keine Haare drin habe. Bier kostet extra. Jede weitere halbe Stunde ebenfalls. Es lag ein Katzen-Album auf mit Fotos und Namen der Café-Katzen. Ähnliche Cafés gibt es mit Welpen, Eulen oder Hasen. 

Katze

Bild:feb

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: giphy

8. Maid-Cafés

Die Maid-Cafés, auch Cosplay-Restaurants genannt, dürften einigen bekannt sein. Viele befinden sich im Stadtteil Akihabara in Tokio. Die Kellnerinnen bedienen im Dienstmädchenlook. Speisen und Getränke werden auf den Knien serviert, der Kaffee vor den Augen des Gastes gerührt. «Willst du nur essen oder auch spielen?», fragte mich meine Bedienung. Mit «spielen» ist zum Beispiel eine Runde «Vier gewinnt gemeint». Dies tat ein Japaner am Tisch neben mir. Nach der Partie posierte er für ein Polaroid-Foto mit seiner «Dienerin». Das kostet extra, eine Widmung und eine Zeichnung auf dem Foto gehören dann aber dazu. Meine Kellnerin zeichnete eine Katze auf das Foto. Bevor sie abdrückte, musste ich «Miau» sagen. Das Pendant für Frauen heisst Butler Café. Dort bedienen junge Männer in Anzug die ausschliesslich weibliche Klientel.

Bild

Animiertes GIF GIF abspielen

Eine Kellnerin macht vor dem Café Werbung für das Cosplay-Restaurant (oben).  gif: giphy

9. Hostessen-Bars

Hostessen-Bars gibt es mit verschiedenen Angeboten. Der Kunde bezahlt Eintritt, mindestens 3000 Yen (nicht ganz 25 Franken). Dafür darf er mit den anwesenden Frauen reden und ihnen teure Drinks spendieren. Dass es wirklich beim Reden bleibt, bewies mir ein Besuch in einer Hostessen-Bar mit einem japanischen Arzt. Er wollte mir unbedingt die Geheimnisse des japanischen Nachtlebens zeigen. Kurz nachdem wir uns in der Bar setzten, brachte ein Kellner eine Flasche Sake. An dieser war eine Kette angebracht mit einem Messing-Täfelchen. Darauf stand der Name des Arztes. Er sei Stammkunde hier, zweimal pro Woche besuche er die Bar. Zwei junge Frauen setzten sich zu uns, die eine sprach ihn mit einem Kosenamen an. Wir redeten und tranken, die Frauen machten dem Arzt Komplimente. Ein Besuch in dieser Bar sei für ihn Seelenmassage, verriet mir der Arzt. Um zwei Uhr verliessen wir das Lokal. Er verabschiedete sich und nahm ein Taxi, das ihn nach Hause, zu seiner Ehefrau brachte. 

Bild

shutterstock

10. Grabsch-Bars 

Tokio und weitere japanische Grossstädte haben ein Problem mit Grabschern in der Metro. Im dicht gedrängten Pendler-Verkehr bedrängen so viele Männer Frauen, dass es Tafeln gibt, die zeigen, wo man die Hände nicht hinhalten soll. Ausserdem gibt es Metro-Wagons ausschliesslich für Frauen. Die absurdeste Art das Problem zu lösen, sind aber ohne Zweifel Grabsch-Bars. Das sind Lokale, die aussehen wie Metro-Wagons. Die Männer zahlen Eintritt, um sich in einen solchen zu quetschen. Drinnen dürfen sie ganz legal Frauen begrabschen, die dann vorgeben, überrascht und verärgert über die Grabsch-Attacken zu sein. Wie viel solche Frauen verdienen und warum sie das tun, habe ich nicht herausgefunden. Wie so oft hiess es am Eingang, ohne mit der Wimper zu zucken: «Japanese only». Auch für Reporter. Vieles im japanischen Nachtleben bleibt den Japanern vorbehalten. 

epa04775550 Commuters are stranded in a train at Ikebukuro station as railway service is disrupted after a strong earthquake hit Tokyo area, Japan, 30 May 2015. A magnitude-8.5 earthquake struck a chain of Japanese islands off Tokyo, rattling wide areas of the country. The quake shook buildings in Tokyo and the surrounding areas and train services in the region were suspended, including bullet trains between Tokyo and Shin-Osaka. No tsunami warning was issued and there were no immediate reports of casualties and damage to property.  EPA/FRANCK ROBICHON

Zur Rushhour sind die U-Bahn-Wagen in Japan übervoll. Für einige Männer scheint dies eine Einladung zu sein, Frauen zu betatschen.  Bild: FRANCK ROBICHON/EPA/KEYSTONE

11. «Japanese only»

Nicht nur vor Clubs oder in exquisiten Restaurants heisst es immer wieder «Japanese only». Wer nicht fliessend japanisch spricht, kann auch im ganz normalen Alltag abgewiesen werden. So durfte ich zum Beispiel nicht mit einem Schnellboot mitfahren. «Voll», sagte mir der Ticketverkäufer. Ich sah die halbleere Fähre auslaufen und wartete auf ein viel langsameres Boot, auf dem auch Touristen geduldet wurden. Da die japanische Gesellschaft sehr auf Homogenität setzt, ist sie gegenüber ethnischen oder sonstigen Unterschieden generell intolerant. Auch Ausländer (Gaijin) sind von Diskriminierung betroffen. Das kann soweit führen, dass selbst Japaner, die eine längere Zeit im Ausland lebten und wieder nach Japan zurückkehren, diskriminiert werden.

Members of the nationalist movement

Japaner sind stolz auf ihr Land. Dieser Stolz geht manchmal zu weit. Bild: YUYA SHINO/REUTERS

12. Love Hotels 

In Japan sind Love Hotels – eine Art Stundenhotel – verbreitet. Die meisten Besucher sind Studenten und Schüler, die bei ihren Eltern wohnen und für kurze Zeit Privatsphäre suchen. Zudem kommen verheiratete Ehepaare in solche Hotels, die in hellhörigen Wohnungen wohnen. Viele Love Hotels bieten Zimmer an, die thematisch gestaltet sind. Zum Beispiel im Las-Vegas-Stil. Oder Zimmer, die aussehen wie Raumschiffe. 

Herz

Bild:  shutterstock

Japans Roboter-Hotel

13. Niemand telefoniert in der Metro

Während die Männer in der Metro grabschen, was das Zeug hält, halten sie sich strikt an eine andere Regel: In den Zügen wird nicht telefoniert. Und tatsächlich tut dies niemand. Zwar hängen alle am Handy, allerdings nur, um Kurznachrichten zu schreiben, Serien zu schauen, zu gamen oder Musik zu hören. Niemand telefoniert und die Wenigsten reden. 

Bild

bild: shutterstock

14. Schwer zu beschreibende Ruhe

Tokio ist eine der grössten Metropolen der Welt. Es gibt alles ausser Platz, und überall sind Menschen. Täglich drängen sich gewaltige Massen in Metros und Züge, frequentieren riesige Bahnhöfe, in welchen es unzählige Restaurants und Bars gibt. Beim Bier trinken können die Japaner auch mal laut werden, ebenso beim Karaoke singen. Sonst aber verhalten sie sich äusserst ruhig und diszipliniert. Fast niemand spricht in der Metro und auch nicht auf der Strasse. Sobald man sich wegbewegt von den grossen Verkehrsachsen, herrscht da überall diese schwierig zu beschreibende Ruhe. Kein Geschrei, leere Balkone, leise Hybriden, Klimaanlagen, die nicht surren, nur das «Tocktock» der Highheels von Pendlerinnen nimmt man wahr. Oft stand ich mitten im Gewühl und da war nichts als Ruhe. 

A man enters a shopping street in Tokyo June 1, 2015.  While Japan's stimulus policies are beginning to have some effect, with more people beginning to spend, pensioners, a big and growing category of consumers, are clinging on to their cash, limiting the chances of a demand-led recovery. Picture taken June 1, 2015.   REUTERS/Thomas Peter

In den Seitengassen geht es ruhig zu und her. Bild: THOMAS PETER/REUTERS

15. Jede Station hat ihren eigenen Sound

Beinahe jede Metro- und Bahnstation hat ihren eigenen Klang. Das können Vogelgezwitscher, Kuckucks-Laute oder abgespacte elektronische Melodien sein. 

A man waits for a train at a subway station in Tokyo Wednesday, May 6, 2015. (AP Photo/Eugene Hoshiko)

Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

16. Übermüdete Gesellschaft 

Kaum ein Volk arbeitet so hart und so lange wie die Japaner. Die meisten sechs Tage pro Woche bei wenigen Tagen Ferien. Aufgrund der extremen Identifizierung mit der eigenen Firma vernachlässigen einige Angestellte die Bedürfnisse ihres Körpers. Zudem schlafen sie zu wenig. Inemuri, kurze Nickerchen, zum Beispiel in der U-Bahn oder bei öffentlichen Veranstaltungen, sind ein Phänomen, das daraus entstanden ist.

Passengers sleep in the subway in Tokyo, Japan, 31 December 2008. Ending the year in the global financial turmoil and with the Nikkei Stock Average marking its sharpest-ever postwar drop in 2008, Japan entered in its new year holiday season. EPA/FRANCK ROBICHON +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bild: EPA

17. Hightech-Toiletten

Toiletten sind in Japan nicht einfach Toiletten. Die meisten sind hochentwickelte Hightech-Geräte. Die Toilettenbrille ist auf Körpertemperatur beheizt, eingebaute Bides zur Intimpflege sind Usus. Dabei ist die Wassertemperatur und der Druck wählbar. Oft ist im Toilettensitz ein geruchsfilternder Lüfter eingebaut, Luftabzugvorrichtungen im Becken sind keine Seltenheit. Zudem gibt es, vor allem in kleinen Restaurants oder in engen Hotelzimmern, einen Geräusche-Knopf. Dieser soll die üblichen Geräusche einer WC-Sitzung übertönen und für etwas mehr Privatsphäre sorgen. 

A woman walks past a choir of toilets that sing to thank visitors for putting in the effort of trying to learn more about what is normally a taboo topic of sitting on them, at an exhibition titled

Bild: ISSEI KATO/REUTERS

18. 17-Uhr-Melodie

Die Japaner können fast überall beschallt werden mittels Lautsprecheranlagen, die an jeder Ecke stehen. An vielen Orten erklingt am Mittag und um 17 Uhr eine Melodie. Dieses System kann auch dazu genutzt werden, auf Gefahren oder auf lokale Veranstaltungen hinzuweisen. Auf der winzigen Insel Aka etwa gaben die Behörden über eine solche Anlage durch, dass alle Hunde zum Impfen gebracht werden müssen. 

School girls, wearing surgical masks, cross a street at lunch time in Kyoto, western Japan November 19, 2014. REUTERS/Thomas Peter (JAPAN - Tags: EDUCATION SOCIETY HEALTH)

Früher bedeutete der 17-Uhr-Klang an gewissen Orten, dass Schüler nach Hause müssen.  Bild: THOMAS PETER/REUTERS

19. Keine Abfalleimer 

In Japan, selbst in einer Grossstadt wie Tokio, gibt es fast keine Abfalleimer. Und trotzdem wirft niemand auch nur ein Papierschnipsel auf den Boden. Japans Strassen und Bahnhöfe sind extrem sauber. Es gehört zur Kultur, den Müll nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. So wurde mein Rucksack während meiner Japan-Zeit zu einem Zwischenmüll-Depot. 

Policemen seal off trash boxes because of security reasons, prior to the Tokyo Marathon in Tokyo, Sunday, Feb. 22, 2015. The Tokyo race was held amid tightened security, following the slaying of two Japanese hostages by the Islamic State group last month. Islamist militants threatened Japanese people everywhere after the slayings. (AP Photo/Shizuo Kambayashi)

Sicherheitsleute kleben aus Sicherheitsgründen einige der wenigen Abfalleimer, die es in Tokio gibt, zu. Bild: Shizuo Kambayashi/AP/KEYSTONE

20. Wenig Tätowierte

Auch wenn es unter den Jungen immer mehr Tätowierte gibt, Tattoos sind in Japan im Vergleich zu westlichen Ländern immer noch eher eine Seltenheit. Dies hat damit zu tun, dass Tätowierungen oft mit Yakuza in Zusammenhang gestellt werden – der «japanischen Mafia». Lange waren sie die einzigen, die sich tätowieren liessen. So ist es auch heute noch so, dass Personen, auch Touristen, mit Tätowierungen nicht in Badehäuser oder Schwimmbäder gelassen werden. 

Tattoo artists work on a piece at the sixth International Tattoo Convention in Medellin June 20, 2015. REUTERS/Fredy Builes

Bild: STRINGER/REUTERS

21. Obdachlose ziehen die Schuhe aus

In Parks oder unter Brücken stehen oft Wägelchen, auf denen Kartons, Blachen und auch Zelte feinsäuberlich aufeinander gestapelt sind. Abends beobachtete ich öfter, wie Männer in Anzügen zu diesen Wägelchen kamen, ihr Zelt, das ihr Zuhause ist, aufbauten, einen Karton davor legten, die Schuhe auszogen und sich danach schlafen legten. In Japan legen selbst Obdachlose Wert auf Ordnung, zahlreiche von ihnen haben Jobs, können sich aber keine Wohnung leisten. 

In this Nov. 27, 2014 photo, a homeless man sits in a park in Tokyo. Japan's inflation rate fell to a six-month low, highlighting the difficulty Prime Minister Shinzo Abe faces in his campaign to overcome deflation in the world's third-largest economy. The unemployment rate eased slightly, according to data released Friday, Nov. 28. (AP Photo/Eugene Hoshiko)

Ein Obdachloser, der sein Hab und Gut ordentlich zusammengebunden hat.  Bild: Eugene Hoshiko/AP/KEYSTONE

22. Niemand geht bei Rot über die Strasse

Die Japaner sind in diesem Sinne ziemlich obrigkeitsgläubig. Auch an einem Fussgängerstreifen einer noch so kleinen Nebenstrasse, wo weit und breit kein Auto zu sehen oder zu hören ist, geht kein Japaner bei Rotlicht über die Strasse. Auf die Frage, warum man sich so strikt daran hält, erhielt ich oft die Antwort. «Irgendwann hat jemand diese Regel aufgestellt und er hat sich wohl etwas dabei überlegt. Deshalb halten wir uns schlicht daran. Gegenfrage: Warum brecht ihr diese Regel so oft?»

Animiertes GIF GIF abspielen

Bei Rot wird gewartet, danach füllt sich der berühmte Fussgängerstreifen in Shibuya mit den Menschenmassen. gif: giphy 

In this photo taken Jan. 25, 2014, people cross streets at Tokyo's shopping and entertainment district of Shibuya. Japan's consumer price index rose 0.4 percent in 2013, the first increase in five years, in further evidence the recovery in the world's third-largest economy is gaining momentum. (AP Photo/Koji Sasahara)

Bild: Koji Sasahara/AP/KEYSTONE

23. Nasenschleim hochziehen

In Japan wird es als unhöflich erachtet, wenn man sich die Nase laut putzt. Das «Hochziehen» des Nasenschleims hingegen ist üblich. Die Nase sollte man sich unbeobachtet putzen, beispielsweise in einer der öffentlichen Toiletten.

A man wearing a mask walks as he is reflected in a glass window at a business district in Tokyo February 26, 2015. Japan Inc is under pressure to boost pay to keep a fragile economic recovery afloat, but even hefty wages increases from the biggest companies may prove to be a hollow victory for Prime Minister Shinzo Abe and the bulk of the country's workers. REUTERS/Yuya Shino (JAPAN - Tags: BUSINESS EMPLOYMENT)

Aus Rücksicht und oder Schutz tragen viele Japaner Masken. Bild: YUYA SHINO/REUTERS

Ich werde Japan nie ganz verstehen, es bleibt ein unglaublich faszinierendes Land. Zwei Tipps, die mir ältere Menschen gaben, helfen aber, die Kultur ein bisschen besser zu begreifen: 1. Verhalte dich eher scheu und sei leise, eher unterwürfig. 2. Befolge Regeln, tu nichts, das der Gesellschaft schadet. Zusammengefasst ist die Schamkultur, die in Japan gelebt wird, schlicht nicht vergleichbar mit der bei uns üblichen Schuldkultur.

Das könnte dich auch interessieren

50 Fotos, die dich auf eine wundersame Reise durch Japan mitnehmen: Anschnallen und eintauchen, bitte!

Das könnte dich auch interessieren:

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

57
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

8
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Das könnte dich auch interessieren:

Glück vor Geld – Island treibt Wirtschaft der Zukunft voran

103
Link zum Artikel

Shaqiri erhält nach Traum-Comeback ein Sonderlob von Klopp – und eine Entschuldigung

22
Link zum Artikel

Ho ho ho! Der Bundesrat schnürt das Budgetpäckli: Dafür gibt er am meisten Geld aus

57
Link zum Artikel

Das beste Kamera-Handy gibt's jetzt in der Schweiz – wir haben es getestet

33
Link zum Artikel

Diese Schweizer Organisationen erhalten am meisten Spendengelder

8
Link zum Artikel

TikTok zensiert Videos von Menschen mit Behinderung – um sie vor Mobbing zu schützen 🤔

6
Link zum Artikel

Wegen «Wildwest-Modell» von Uber & Co. – warum bald Millionen in den AHV-Kassen fehlen

31
Link zum Artikel

Alphabet Inc. – das macht der Mega-Konzern hinter Google wirklich

0
Link zum Artikel

Abonniere unseren Newsletter

28
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Lord_ICO 28.08.2016 21:22
    Highlight Highlight Erst seit meiner Zeit in Tokyo, fallen mir die verdreckten Innenstädte in unserer ach so schönen Schweiz richtig negativ auf. Kann einfach nicht verstehen, wie man es bei gefühlt 2 Millionen Abfalleimern in der Stadt Zürich noch schafft, etwas auf den Boden zu werfen. Freue mich schon auf meine 6 Wochen-Reise nächstes Jahr durch Japan. Obwohl ich Schweizer bin fühlt sich Japan für mich wie mein richtiges zu Hause an.
    • Ohniznachtisbett 04.11.2016 10:38
      Highlight Highlight Und das Verrückte ist, dass unsere Städte gegenüber deutschen Städten deutlich sauberer sind. Die deutschen sind wiederum deutlich sauberer als Südeuropa... Wo es übrigens auch sehr sauber ist, also CH-Niveau, ist in Skandinavien. Norwegen und Schweden.
    • R&B 05.11.2016 09:15
      Highlight Highlight Die Welt ist nicht perfekt und das ist gut so.
  • beryll 19.11.2015 01:58
    Highlight Highlight Japan ist einfach nur grossartig, und die uns komisch erscheinenden Sachen sind erfrischend und witzig. Die beste Reisedestination überhaupt!
    Benutzer Bild
  • Felix Burch 27.07.2015 10:09
    Highlight Highlight Nur weil ich etwas nicht verstehe, heisst das noch lange nicht, dass ich es nicht mag. Im Gegenteil. Ich empfehle jedem, Japan zu bereisen.
  • MaskedGaijin 27.07.2015 06:46
    Highlight Highlight wenigstens steht mal nichts über porno-mangas und gebrauchte höschen-automaten im artikel.
  • Der Tom 26.07.2015 23:33
    Highlight Highlight Japan ist einfach sehr erfrischend anders.
  • elivi 26.07.2015 22:56
    Highlight Highlight nr 3. "rosen fotografierende männer" ... was is daran so kurios? und is wohl kaum was japanisch kurioses. Hobby fotografen fotografieren halt gerne ... und das sind kirschblüten. Das kirschblüten festival is schliesslich ein highlight des jahres.
  • Andi Amo 26.07.2015 19:40
    Highlight Highlight Super spannender Bericht! Merci!
  • Donald 26.07.2015 18:59
    Highlight Highlight Ich denke das wird hier alles ein wenig breitgetreten. Man sollte das einmal statistisch aufarbeiten. Ich bin sicher, es gibt bei uns mindestens so viele Kuriositäten. 90% der Menschen sind da nämlich auch ziemlich normal.
    • Donald 27.07.2015 00:56
      Highlight Highlight Fast so viele down wie up votes. Was kann man denn gegen diesen Kommentar haben?
    • Lebovskitofski 27.07.2015 16:20
      Highlight Highlight So viele Kuriositäten haben wir ganz sicher auch in der Schweiz oder etwas grösser in Europa. Da wir allerdings in dieser Kultur grossgeworden sind fallen uns die Dinge nicht als kurios auf.
      Da ist es immer toll den Horizont bei Reisen zu erweitern und beim nach Hause kommen einige Kuriositäten zu bemerken.
  • The_Doctor 26.07.2015 18:33
    Highlight Highlight Japan ist speziell. Es hat eine ganz andere Kultur und ist trotzdem hochentwickelt. Das ist recht einzigartig (abgesehen von Südkorea, hier rate ich dem Autor allerdings von einem Besuch ab. Sonst ist er noch mehr verwirrt 😉).
    Das es in einem Land mit über 120 Mio Einwohner, in einer Hauptstadt mit 37 Mio Einwohner (Metropolregion) ein paar Dutzend komische Sachen gibt, sollte niemanden verwundern. Ich habe mehrere Monate in Japan gewohnt. Das mit Japanese only ist mir, abgesehen von ein paar zwielichtigen Nachtklubs in Shinjuku (sah schwer nach Yakuza aus) nirgends untergekommen. Und ja, es gibt auch in Japan Rassisten. Das ganze wird von gewissen Nationalisten etwas offener zur Schau gestellt, als von unserem rechten Flügel. Aber das ist eine Minderheit. Und Japan hat kulturell so viel mehr zu bieten, als die paar Schmuddelbeispiele aus diesem Artikel. Die Mehrheit der Japaner ist sehr freundlich, offen und gegenüber Gaikokujin (Ausländer) tolerant, wenn man sich mal aus ihrer Sicht daneben benimmt. Und wenn man ein paar Brocken Japanisch spricht, ist man schnell mal integriert. Niemand sollte sich aufgrund dieses Artikels von einer Japanreise abhalten lassen.
  • Mary-Jane 26.07.2015 18:03
    Highlight Highlight Japan, einfach der Hammer, auch im Winter eine Reise wert, habe noch nie soooooo viel und so sensationell guten Pow-Pow-Schnee gesehen, Snowboarder's Paradise!!!! WAHNSINN!!!!!
    Zu Nr.23: : Sei nie, aber wirklich nie erkältet..... das Rauf-ziehen will geübt sein.... genau so wie das Ramen-Suppen-schlürfen ;)
    Benutzer Bild
  • Mia_san_mia 26.07.2015 17:25
    Highlight Highlight Sehr interessant, irgendwann will ich dieses Land auch mal besuchen. Das mit "Japanese only" habe ich noch nie gehört, aber finde ich echt gut. Die schauen auch noch auf sich und man sieht das es ruhig zu und her geht und niemand deswegen ein Drama macht.
    • The Destiny // Team Telegram 28.08.2016 22:34
      Highlight Highlight Der Grund für Japanese only ist ein anderer.

      "Ausserdem hat das 'japanese-only' garnichts böses ansich: Dahinter steckt nur die Furcht, dass man den Kunden nicht glücklich machen kann - da man schlichtweg nicht versteht, was er will."
      -adrian-ulrich (╯°□°)╯︵ ┻━┻ -
  • Max Heiri 26.07.2015 17:19
    Highlight Highlight Ich finde den Text sehr gemein. Japan ist ein wunderbar anderes Land. Insbesondere der Grossraum Toyko gehört zum fortschrittlichsten und wohlhabendsten Ecken der Welt. Japaner sind sehr höflich, zwar eher zurück haltend und hängen an ihren Traditionen. "Japanese only" triffst du nur wenig an und vom Beispiel eines verpassten Bootes jetzt allen Menschen dort eine Abneigung gegen Nicht-Japaner zu unterstellen, ist falsch.
    • Felix Burch 26.07.2015 17:52
      Highlight Highlight "Alle Menschen" schreibe ich nirgends. Selbstverständlich gibt es auch viele gastfreundliche Japaner.
    • Patrick Toggweiler 26.07.2015 18:15
      Highlight Highlight Grabsch-Bars funktionieren nur "Japanese Only". Denn genau wenns schlüpfrig wird, brauchts kulturelles Feingefühl. Sonst artet es schnell aus und hat mit der ursprünglichen Idee eines Rollenspiels nichts mehr gemein. Rollenspiele sind gross in Japan und nichts zerstört die Illusion mehr als ein wildernder Banause.
  • Don Huber 26.07.2015 16:37
    Highlight Highlight Na hätten wir Tafeln bei denen "Swiss only" stehen würde, würde es ein riesen Drama geben. Bei Japanern nicht. Das hörte ich zum ersten mal.
  • Matrixx 26.07.2015 16:30
    Highlight Highlight Ist etwas seltsam, dass in einer der grössten Metropolen der Welt die grösste Ordnung herrscht.

    Wie kann eine Grossmetropole ordentlicher sein als eine kleine Stadt?

    Sehr faszinierend und eine Art Vorbildfunktion. Muss ich auf jeden Fall mal mit meinen eigenen Augen sehen!
    • Damien 26.07.2015 19:57
      Highlight Highlight Liegt an der Kultur und Einstellung der Japaner, ziemlich auf Ordentlichkeit und Sauberkeit bedacht, möchten sich öffentlich auch nichts zuschulde kommen lassen. Abfall wird auch mal mitgeschleppt bis ein Platz zum entsorgen gefunden wird, deshalb ist es um einiges sauberer als sogar hier , wo die Dichte an Abfalleimern pro Quadratmeter gefühlt um ein Vielfaches höher ist, Abfall aber leider auch gerne einfach mal liegenbleibt.
    • dä dingsbums 26.07.2015 23:24
      Highlight Highlight Das stimmt. Obwohl um ein vielfaches grösser ist Tokio sauberer und ordentlicher als Zürich. Man fühlt sich nie wie in einem Ameisenhaufen wie z.B um 17.00 Uhr am HB.
      Tokio ist ja auch nicht erst seit gestern eine Millionenstadt und die Japaner wissen, wie man sich verhalten muss damit man aneinander vorbeikommt. Nur schon auf der Rolltreppe rechts stehen und links gehen (oder umgekehrt? Tokio und Osaka machen das unterschiedlich) klappt in der Schweiz mehrheitlich nicht.
    • Damien 27.07.2015 00:14
      Highlight Highlight Rechts stehen, links gehen ist Osaka style, im Rest des Landes umgekehrt. Der Rest von Japan sieht Osaka ja auch schon praktisch als "Ausland", weil sie dort einfach anders ticken und weil Osaka mit die höchste Kriminalitätsrate in Japan hat (liegt immer noch um einiges tiefer als in Zürich übrigens).
      Für jeden Food-Liebhaber eine tolle Stadt, und die Leute dort sind auch sehr sehr offen und freundlich.
    Weitere Antworten anzeigen
  • shivertrip 26.07.2015 16:23
    Highlight Highlight Irgendwie hat mir das die Lust auf Japan genommen. Trotzdem danke für die Erkenntnisse.
    • Max Heiri 26.07.2015 17:21
      Highlight Highlight Ich würde unbedingt gehen. Es gibt kein Land, welches so verschieden von der westlichen Welt und trotzdem so modern ist. Ich kenne wirklich niemand in meinem grossen Bekanntenkreis, welche von einer Japan Reise abraten würde :)
    • dä dingsbums 26.07.2015 23:26
      Highlight Highlight Jeder, aber auch wirklich jeder (Japaner oder Tourist) wird Dir abraten im Sommer nach Japan zu gehen. Frühling oder Herbst ist am schönsten, der Sommer ist heiss und seeeehr feucht und einfach nur anstrengend.

In Deutschland waren die Flüchtlinge nicht mal willkommen, als es Deutsche waren

Wer glaubt, für Fremdenfeindlichkeit brauche es Menschen aus fremden Ländern, irrt. Nach dem verlorenen Krieg drängten sich Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Rest-Deutschland. Heute gilt ihre Aufnahme als vorbildlich – doch in Wahrheit schlugen ihnen damals Hass und Verachtung entgegen und der offen ausgesprochene Gedanke, nicht nach Westdeutschland, sondern nach Auschwitz zu gehören.

Der Volkszorn kocht, und der Redner weiss genau, was die Leute hören wollen: «Die Flücht­lin­ge müs­sen hin­aus­ge­wor­fen wer­den, und die Bau­ern müs­sen da­bei tat­kräf­tig mit­hel­fen», ruft Josef Fischbacher. Der Kreisdirektor des bayerischen Bauernverbandes giesst kräftig Öl ins Feuer und nimmt sogar das Nazi-Wort «Blutschande» in den Mund.

Was hier nach Sachsen im Jahr 2016 klingt, ist Bayern im Jahr 1947. Und die Flüchtlinge, die Fischbacher hinauswerfen will, kommen nicht aus …

Artikel lesen
Link zum Artikel