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Harvard University professor Charles Lieber is surrounded by reporters as he leaves the Moakley Federal Courthouse in Boston, Thursday, Jan. 30, 2020. Leiber, chair of the department of chemistry and chemical biology, with lying to officials about his involvement with a Chinese government-run recruitment program through which he received tens of thousands of dollars. (AP Photo/Charles Krupa)

Bild: AP

US-Top-Chemiker verhaftet – wegen Geldern aus China



Am vergangenen Dienstag ereignete sich in den heiligen Hallen der renommierten Harvard University im US-Staat Massachusetts Unerhörtes: Agenten des FBI führten einen Professor in Handschellen ab. Nicht irgendeinen Dozenten, sondern Charles M. Lieber, Inhaber des Lehrstuhls für Chemie und Chemische Biologie und einer der weltweit führenden Wissenschaftler im Bereich der Nanotechnologie. Er gilt als Anwärter auf den Nobelpreis und stand 2011 auf Platz 1 der Liste der einflussreichsten Chemiker der Welt.

Lieber ist seine enge Verbindung zu chinesischen Institutionen zum Verhängnis geworden. Dem 60-Jährigen wird aber nicht etwa vorgeworfen, chinesischen Behörden heikle Informationen geliefert zu haben, wie die «New York Times» berichtet. Ihm wird vielmehr angelastet, namhafte Zahlungen aus chinesischen Quellen vor Harvard und vor dem Pentagon verschwiegen zu haben. Er habe in diesem Zusammenhang eine Falschaussage gemacht. Die Maximalstrafe dafür sind fünf Jahre Haft.

Von der Wuhan University of Technology erhielt Lieber laut belastenden Dokumenten 50'000 US-Dollar pro Monat, dazu rund 158'000 Dollar für seinen Lebensunterhalt und 1,5 Millionen Dollar für den Aufbau eines Forschungslabors. Im Gegenzug sollte Lieber mindestens neun Monate im Jahr für die Wuhan University of Technology tätig sein, mit Beginn im Jahr 2011. Daneben soll der auch von 2012 bis 2017 vertraglich in das chinesische «Thousand-Talents»-Programm eingebunden gewesen sein. US-Stellen werfen dem Programm vor, es diene dazu, Wissenschaftler dazu zu bringen, sensible Daten zu stehlen.

Während Lieber mit den Chinesen zusammenarbeitete, erhielt er laut Medienberichten insgesamt mindestens 15 Millionen Dollar Zuschüsse vom amerikanischen Verteidigungsministerium und den Nationalen Gesundheitsinstituten.

Harvard entdeckte 2015, dass Lieber in Wuhan ein Laboratorium führte und wies ihn darauf hin, dass die Verwendung des Namens und des Logos von Harvard dafür nicht statthaft sei. Lieber distanzierte sich daraufhin von dem Projekt – bezog aber weiterhin sein Salär von den Chinesen.

FILE - In this Aug. 13, 2019, file photo, the statue of John Harvard looks over Harvard Yard at Harvard University in Cambridge, Mass. A settlement was announced Wednesday, Nov. 27, in a 2015 federal suit by the National Association of the Deaf, arguing that Harvard failed to provide captioning for its online courses, podcasts and other educational programs. (AP Photo/Charles Krupa, FIle)

Die Elite-Uni hat Lieber bis auf weiteres beurlaubt. Bild: AP

Kampagne des Justizministeriums

Am Donnerstag wurde Lieber gegen eine Kaution von einer Million Dollar auf freien Fuss gesetzt. Harvard hat ihn jedoch – bei vollen Bezügen – beurlaubt, solange die Ermittlungen gegen ihn laufen, wie der «Boston Herald» berichtet. Ein Sprecher der Elite-Uni sagte gemäss der «New York Times», die Anschuldigungen der US-Regierung an Liebers Adresse seien «extrem ernst».

Liebers Verhaftung – neben ihm werden zwei weitere Wissenschaftler chinesischer Staatsangehörigkeit beschuldigt – könnte die Folge einer verschärften Kampagne des US-Justizministeriums sein, Wissenschaftler zu identifizieren, die Forschungsergebnisse aus amerikanischen Laboratorien an die Chinesen weitergeben. Bisher hätten diese Ermittlungen jedoch vornehmlich chinesische Studenten und Forscher ins Visier genommen, die in den USA tätig sind. Erstmals sei nun ein Star-Wissenschaftler davon betroffen, schreibt die «New York Times».

Die Verhaftung des prominenten Forschers sorgte in akademischen Kreisen für Aufruhr – und auch für Kritik. Man befürchte, dass es langsam, aber sicher zu einer Art von McCarthyismus in der Wissenschaftswelt kommen könnte, sagte Ross McKinney Jr. von der Association of American Medical Colleges der «New York Times». Wissenschaftler müssten nun mit eingehenden Untersuchungen ihrer Finanzierung aus internationalen Quellen rechnen.

(dhr)

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    Alle Leser-Kommentare
  • ravendark 02.02.2020 10:23
    Highlight Highlight Die Chinesen machen das korrekt. Bezahlen einen anerkannten Professor, für dass er 9 Monate an ihrer Uni lehrt und einem Talent-Pool beiwohnt. Die Chinesen waren zu 99.9% schon immer korrekt und schlau.
    Warum das Pentagon von diesem Job-Angebot, direkt von dem US-Professor erfahren soll ... das geht dann schon in Richtung Gestapo.
    In einem Land, wo der Leader über dem Gesetz steht, die grösste Spionage weltweit lebt und imperialistische Feuchtträume herrschen - ist ein Terroristenstaat.
    "Verbrechen der USA" - ist eine Doku, wie die USA es geschafft haben 12.5 Millionen Menschen zu killen.
  • Hoci 01.02.2020 08:54
    Highlight Highlight Internationale Wissenschaft ade.
    Ein Rückschritt für die Menschheit.
  • Blitzesammler 01.02.2020 08:26
    Highlight Highlight Wieso dar er sowas nicht, Trump aber schon? Ich dachte dies sei das Fundament des neuen, grossen Amerikas?!!
  • Mcapple 31.01.2020 20:50
    Highlight Highlight 🤔 das wäre die Gelegenheit, eine neue Verschwörungstheorie in die Welt zu setzen.

    Die Bausteine könnten sein:
    China; USA; Chemiker; Wuhan Uni; Verbindung zu Nationalen Gesundsheitsinstituten; „Handels“-Krieg; Ausbruch Corona in Wuhan; Rache USA?; FBI beseitigt Beweise

    Wer legt los?🤗
  • Certh 31.01.2020 20:31
    Highlight Highlight Ein US-Chemiker mit Tätigkeiten in Wuhan wird gerade jetzt verhaftet..

    Das wird die Aluhüte wieder hervorlocken 😅
  • marsel 31.01.2020 20:19
    Highlight Highlight McCarthyismus: zu Beginn der 1950er-Jahre in den USA betriebene Verfolgung von Kommunisten und Linksintellektuellen.
    Duden.de
    #gerngscheh
    • ravendark 02.02.2020 10:26
      Highlight Highlight ... plus die Schwulen-Verfolgung nicht vergessen und die schwere Unterdrückung der Schwrzen durch Schizo McCarthy.
      McCarthy war ein crazy sick brotherfucker !
      Eigentlich wie fast alle US-Präsidenten nach
      dem 2. WK. (Kennedys, Clinton ausgenommen)
      Betreffend imperialistische Feuchtträume !
  • Jo Kaj 31.01.2020 19:38
    Highlight Highlight "...mindestens 15 Millionen Dollar Zuschüsse vom amerikanischen Verteidigungsministerium und den Nationalen Gesundheitsinstituten."
    Und 1 Mio. Kaution: Autsch, muss das geschmerzt haben...
    • crik 01.02.2020 21:07
      Highlight Highlight Die 15 Millionen waren Forschungsgelder. Damit bezahlte er Mitarbeiter, Labormaterial, etc., und nur zum kleineren Teil seinen eigenen Lohn.

      Man kann aber nicht solche Gelder für ein Labor in den USA erhalten und dann einen Grossteil der Zeit für eine andere Uni arbeiten.

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