Interview
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Hut-Interview extreme

«Was überfordert dich masslos?» – «Dieses Interview und die ‹Was hast du versäumt?›-Frage!»

Herzlich Willkommen zu einer weiteren Runde Hut-Interview. Dieses mal ist es ein bisschen kurios geworden. Das sage nicht ich, das sagen die Interviewten, Leylah und Omar Fra, das Geschwister-Paar der Winterthurer Band Death Of A Cheerleader.

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Leylah (rechts) und Omar (zweiter von rechts) treten zum Hut-Interview an.

Hallo! Könntet ihr als Erstes bitte in wenigen Worten beschreiben, wer ihr seid und was ihr macht?
Leylah Fra: Ich bin Leylah, Bassistin von Death Of A Cheerleader.
Omar Fra: Ich bin Omar, Gitarrist und Sänger von Death Of A Cheerleader.

Und warum sollte man Death Of A Cheerleader kennen?
Leylah: Warum man uns kennen sollte ... Ich find das eine doofe Frage.
Omar: Es ist eine fiese Frage. 
Omar: Vielleicht sollten wir unsere Stilbezeichnung umschreiben: Postrock, Indie. Aber Indie ist doch auch einfach für die, die sich nicht trauen zu sagen, dass sie Popmusik machen.

Ihr macht keine Popmusik?
Omar: Wir machen keine Popmusik. Das heisst aber nicht, dass wir nicht poppig sein können.

Welchen eurer Songs würdet ihr denn jemandem zeigen, der wissen will, was ihr für Musik macht?
Leylah: Ich würde sagen «Dancing Around The Fire Of Volcano» ist voll Death Of A Cheerleader. Weil er eine wilde Seite, eine ruhige Seite und einen recht langen Instrumental-Teil hat – aber auch Gesang.

Death Of A Cheerleader – «Dancing Around The Fire Of Volcano»

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video: youtube/death of a cheerleader

Und welcher Song ist «voll Death Of A Cheerleader» für dich, Omar?
Omar: Hmm, ist schwierig zu sagen. Für mich gibt es «genau diesen DOAC Song» gar nicht. «That Which Lies In Between Is Smoke» vereint Elemente, die für uns wichtig sind, also das Ernste mit dem Spielerischen: Das schwere Klavier, die treibenden Trommeln, aber dann auch diese Synthies. Das ist aber auch nicht der DOAC-Song. Das könnte grad so gut «As Long As One Heart Beats» sein. Da könnte man noch die ganze Nacht diskutieren. 

Gibt es ein Lied von einem anderen Künstler, welches du dir wünschst, selbst geschrieben zu haben?
Leylah: Mega viele! Also ich würde gerne die Bassline von «A Forest» von the Cure geschrieben haben. Oder «Beat it» von Michael Jackson. Oder einen Song von den Beatles. Oder «Paranoid» von Black Sabbath.

Unverkennbare Bassline: The Cure mit «A Forest» (Live 1992)

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video: youtube/curedtc4

Und bei dir, Omar?
Omar: Ohne mit der Wimper zu zucken: Für mich wäre das «Heroes» von David Bowie. Aber wenn ich so drüber nachdenke, finde ich das irgendwie eine provokante Frage. Ich möchte gar keinen Song von einem anderen Künstler geschrieben haben. Ich bin einfach froh, dass diese Songs überhaupt geschrieben wurden. 

Trotzdem: David Bowie – «Heroes»

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video: youtube/emimusic

Dann erzählt uns doch mal von euren grössten Versäumnissen.
Omar: Das existiert in meiner Lebensphilosophie nicht. Weil es nie zu spät ist, um etwas zu verändern oder zu akzeptieren. Vielleicht etwas radikal, aber für mich gibt es nur die Gegenwart. Im Nachhinein ist man ja immer schlauer, und dann ist es ja kein Versäumnis, weil man etwas daraus gelernt hat.

Leylah? Du? Versäumnisse?
Leylah: Ja, ich weiss ja nicht, es tut mir mega leid, aber mein wirklich grösstes Versäumnis kann ich da doch nicht einfach in einem Interview preisgeben, das aus einem Hut (!) gezogen wurde.

hut interview

Das ist er übrigens, der Interview-Hut, dem Leylah ihre Antworten nicht anvertrauen möchte. Völlig unverständlich, oder? bild: watson

Also gut. Dann sagen wir mal, du darfst dir etwas, was du mal verloren hast, wieder zurückholen. Egal was. Was wählst du?
Omar: Hm. Das ist eine interessante Frage. Aber das geht mal wieder gegen meine Philosophie.
Leylah: Also mein Teddybärli oder sowas? Aber man holt ja nichts zurück. Es ist ja alles im Fluss: Alles kommt, alles geht. Was muss man da zurückholen?
Omar: Leylah, wir sind langweilig!
Leylah: Omar, wir sind zu Eso-mässig!

Also was jetzt?
Omar: Das hat mal wieder mit dem Versäumnis zu tun. Da gibt's nichts zurückzuholen.
Leylah: Ja, definitiv nichts zurückholen. 

Dann zurück zur Musik: Gibt es Songzeilen, die dir für immer im Gedächtnis bleiben werden?
Leylah: Das ist für mich ganz klar von The Cure «I will always love you». 
Omar: Wieso dann das? Hat das bei dir mit dem grössten Versäumnis zu tun? Hahaha!

Hahaha.

Für Leylah: «I will always love you»

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video: youtube/rhino entertainment

Welche Songzeile wäre das denn bei dir, Omar?
Omar: Also, bei mir gibt es viele Statements. Bowies «We can be heroes, just for one day» beispielsweise. 
Leylah: Ach. Bei mir gibt es natürlich auch noch jeeenschti andere.

Zum Beispiel?
Leylah: «Aber hier leben, nein danke!» oder «Sag alles ab».
Omar: Ah Tocotronic! Sehr gut. Die Songzeile, die mir fast ewig im Gedächnis bleiben muss: «Das Unglück muss zurückgeschlagen werden»! Da gibts kein Versäumnis mehr!
Leylah: Ja bei mir ist es «Sag alles ab, mach einfach mal Pause» – das hat ja auch mit dieser Gesellschaft zu tun, die einem alles vorschreibt. Deshalb: «halt die Maschinen an und sag einfach alles ab».

Tocotronic – «Sag alles ab»

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video: youtube/inmyworldofenemies

Mal abgesehen von der Musik: Wer oder was beeinflusst euch vor allem?
Omar: Meine Band beeinflusst mich natürlich. Aber ganz klar auch die Natur. Und die Tatsache, dass der Mensch vergessen hat, dass auch er Natur ist. Und was mich eigentlich immer beeinflusst ist halt genau: «Das Unglück muss zurückgeschlagen werden!»
Leylah: Ja so klischeehaft es tönt – Natur pur mit allen Formen und Farben! 

Du Hippie.
Leylah: Ja, ich bin eben echli ein alter Hippie ...
Omar: Ich finde eben Protest auch noch wichtig. Vielleicht bin ich ja ein alter Punk.
Leylah: Ich finde Liebe ist das Wichtigste und Peace of the World und so. Und das hat ja auch mit der Natur zu tun, und dass alles Eins ist. Das ist ja dann auch das, was einem immer weitertreibt, der Kreislauf des Ganzen.

Gibt es Situationen, die euch masslos überfordern?
Omar:
 Dieses Interview und die «Welches ist dein grösstes Versäumnis?»-Frage!
Leylah: Ja, genau.

Dann zum Abschluss noch eine Frage für den alten Hippie: Welchem Musiker würdest du von der hintersten Reihe gerne mal ein Bier an den Kopf schmeissen?
Leylah (alter Hippie): Ich schmeiss niemanden ein Bier an den Kopf! Ich bin grundsätzlich gegen Gewalt! Also nur den Inhalt oder die ganze Dose?
Omar: Also würdest du St. Vincent ein Bier an den Kopf schmeissen?

St. Vincent – kriegt sie bald ein Bier an den Kopf von Leylah? (Vermutlich nicht)

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Warum denn St. Vincent? 
Leylah: Ich würde sicher niemandem eine Dose oder Becher an den Kopf schmeissen, weil das tut weh!
Omar: Die Frage ist: Was bringt Bier schmeissen? Das Beste ist doch, dass man einfach geht.

Death Of A Cheerleader live sehen – am besten diesen Mittwoch, 24. September, im Kinski in Zürich.

Oder am

14. Oktober im White Trash, Berlin DE
16. Oktober im Subway To Peter, Chemnitz DE
28. Oktober im Jazz Rock Café, Cheb CZ
6. Dezember im Kaff, Frauenfeld CH



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