22 Liebeserklärungen an kleine Menschen
01.08.2014, 17:4301.08.2014, 17:43
Ich weiss noch ganz genau, wie ich meine Kindheit verlor. Ich war 14. Und ich schrieb die Playmobil-Goldmine auf meinen Wunschzettel für Weihnachten. Mein Vater kam zu mir ins Zimmer, er fragte mich, ob ich mir da sicher sei, ich sei ja immerhin schon 14 Jahre alt. Ich wurde wütend und sagte ihm, er solle nicht so sau blöd fragen. Sicher sei ich mir sicher. So sicher wie man nur irgendwie sein kann. Mit 14.
Ich bekam die Goldmine. Aber als ich die Figuren in die Hand nahm, starben sie mir unter den Fingern weg. Sie waren leer geworden und ich konnte sie mit nichts mehr füllen. Ich sah sie zum ersten Mal als das, was sie tatsächlich waren: Kleine Männchen aus Plastik.
Diese «Kinder-Zitat-Liste» ist also für alle, die unsere gedeutete Erwachsenenwelt für einen Moment verlassen wollen, um der kindlichen Unbeschwertheit zu huldigen: Ihrer Fantasie, ihrer Gedankenfreiheit und ihrer eisernen Logik im Denken.
Zur Einstimmung
Klein Herbert* zu Papi, der eine Glatze kriegt:
«Papa, isst dein Kopf deine Haare auf?»
Klein Susi* zur Kindergärtnerin:
«Mein Papa arbeitet im Büro, wo arbeitest du?»
Die Geschlechter
Klein Olga* zu ihrem Gotti:
«Patentante, du hast so viele Haare an den Armen, bist du ein Mann?»
Nochmal Klein Olga*, diesmal zu ihrer Mami, während die beiden Fussball gucken. Die Mutter sagt ihr, sie hätte früher auch mal Fussball gespielt:
«Aha, früher, als du noch ein Mann warst.»
Mama freut sich über Klein Philippas* emanzipierten Wunsch: Sie will auch arbeiten, wenn sie mal gross ist. Und ...
«Und dann will ich auch einen Bart!»
Klein Sophie* wird gefragt, was sie denn lieber hätte, ein Brüderchen oder ein Schwesterchen. Sie kann sich nicht entscheiden und verlangt daher nach beidem. Als ihre Mutter ihr sagt, dass das leider nicht ginge, da sie nur ein Baby im Bauch habe, meint Sophie:
«Gut, dann nehme ich ein Schwesterchen mit einem Pinsel.»

1898: Kinder spielen am Strand von Zandvoort, Niederlande.Bild: tumblr/kecobe Ein bisschen Wissenschaft
Klein Leos* Tierstunde:
«Seehunde sind Hunde, die so gerne schwimmen, dass sie zu Seehunden werden.»
Die Frage «Was war vor dem Urknall?» betreffend: So stellt sich Klein Fritz* das vor:
«Der Urknall war eine Stange Dynamit auf einem Planet. Aber wer hat das Dynamit da hin gelegt?»
Klein Fritz* kombiniert weiter:
«Gott überlebt den Weltuntergang, er hat ja schon den Urknall überlebt.»
Klein Sebastians* semantische Fragen:
«Wieso heisst der Regenbogen nicht Regen-Sonnen-Bogen?»
Klein Leos* Wahlverwandtschaften:
«War Urgrossvater eigentlich mal ein Affe? Und waren die Eltern von Adam und Eva Affen? Und was waren die Eltern der ersten Affen? Und haben die Dinosaurier noch gelebt, als Urgrossvater klein war?»
Ja, warum eigentlich, fragt sich Klein Mirco*:
«Warum hat alles Platz auf der Welt?»
Die bemerkenswerte Kombinationsgabe des kleinen Sämi*:
«Ich werde später einmal Meeres-Maler. Die braucht es auch, weil wenn das Wasser aus dem Hahn kommt, ist es ja noch gar nicht blau.»
Volumen-Berechnungen des kleinen Dr. Klaus*:
«Wenn ich Wasser vom einen Becher in den anderen leere, dann ist es nachher umgekehrt, richtig?»
Klein Bruno* hat Angst vor der absoluten Blutleere:
«Papa, geh doch nicht immer Blut spenden, irgendwann hast du keins mehr!»
Klein Nicos* Betrachtungen zu übelriechenden Darmwinden:
«Fürze stinken so, weil sie zuerst durch den ‹A-a› durch müssen.»
Fernseh gucken
Klein Pauls* Spezialwunsch:
«Ich will einen runden Fernseher, dann krieg ich keine eckigen Augen.»
Klein Paul* braucht aber gar keinen Fernseher:
«Papa, ich habe ehrlich gesagt gar nicht geschlafen. Ich kann im Kopf Filme schauen, das habe ich gemacht: Ice Age 4.»
Wachstum und Fortschritt
Klein Bruno* am 1. August:
«Die Schweiz hat Geburtstag? Wird sie dann auch grösser?»
Der kleine Mario* bekommt einen Schlüsselanhänger in Schuh-Form und meint:
«Als ich klein war, hat mir der noch gepasst.»
Klein Can* findet, dass er schon ganz alt ist:
«Sieben ist eigentlich ziemlich alt für mein Alter.»
Klein Manu* kann schon schreiben. Irgendwie:
«Guck Mama, ich kann schon schreiben! Ich schreib einfach etwas und frage dann, was es heisst.»
Die Namen* wurden geändert.