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Big Ben: Meine Ex hat mir geschrieben – und sie ist wütend

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bild: shutterstock / watson
Big Ben

Die Nachricht, die ich nie wollte

Frau X* hat geschrieben. Keine Mail, sondern die wohl längste WhatsApp-Nachricht, die ich je bekommen habe. Zusammenfassend kann man sagen: Sie ist wütend.
10.03.2023, 10:25
Big Ben
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Zuerst einmal: Big Ben? So nennst du dich? Wow. WOW. Aber mach, was du willst, und wie du es willst. Nur: Kürze deine Sätze! Die Community hat absolut recht, man ist völlig erschlagen, wenn man deine Zeilen ohne Punkt, dafür mit extra viel Kommas lesen und vor allem verstehen will. Das kannst du besser! Streng dich ein bisschen an.

Aber ich weiss ja auch, wie du bist: Du bist ein «Jetzt-erst-recht-Typ». Wenn dir jemand sagt, hör bitte auf, machst du aus Trotz weiter. Du verabscheust es, wenn jemand Forderungen stellt. Das engt dich sofort ein. Wie oft habe ich dich sagen hören: «Sollen doch einfach alle machen, wie sie wollen und mich in Ruhe lassen!» Dass die Wünsche anderer dich inkludieren können, ist in deinem Konzept nicht enthalten.

Aber ich schreibe dir nicht wegen deines Schreibstils. Ich schreibe dir, weil du geschrieben hast. Ich war erstaunt, dann enttäuscht, jetzt wütend. Ich habe die Kolumne per Zufall entdeckt und habe sehr lange gedacht, dass es ein Zufall ist, dass es dermassen viele Parallelen sind. Ein Zufall! Du hast dir nicht mal die Mühe gemacht, meine Identität zu vertuschen! Ich meine, bi-coastal lebend, zuerst nach Bali ausgewandert, mit einem Anwalt liiert. Konntest du dir nicht wenigstens einen anderen Beruf für ihn ausdenken? Du dichtest dir ja auch ein, zwei Schwestern dazu – er hat nur zwei, liebe Community, nicht drei, nicht vier, sondern zwei – und du verrätst weder deinen Wohnort noch deinen Job. Aber bei mir hast du das nicht geschafft? Bei mir fühltest du dich der Wahrheit verpflichtet? Warum? Weil ich im Ausland wohne?

Bin ich wirklich so weit weg? Fändest du es tatsächlich okay, mich nie wiederzusehen? Wollen wir rekapitulieren, was du mir alles gesagt hast an diesen zwei Abenden, die wir uns sahen? Ich weiss nicht, warum du von all dem nichts schreibst? Was ist es, dass du mit allem, das in entferntester Weise mit Beziehung und Liebe zu tun hat, so sehr auf Kriegsfuss stehst? Du hattest eine meiner Meinung nach perfekte Kindheit, was ist schiefgelaufen, dass du derart heftige Commitment Issues hast?

Deine Analyse von deinem Innenleben war erbärmlich! Für einen 13-Jährigen wäre sie noch halbwegs tolerierbar gewesen, aber du bist 36. Falls du wissen willst, was ich denke: Du hast Panik, dass du vielleicht doch nicht so gefühlskalt bist, wie du immer tust.

Ich weiss noch, wie du mir einmal gesagt hast, dass du wohl einfach «nicht so stark empfinden» könntest. Ich habe dir geglaubt. Anders konnte ich mir nicht erklären, warum du hergeben konntest, was wir hatten. Wir waren schon damals beide alt genug, um zu wissen, dass man das nicht oft findet. Was mich immerhin beruhigt, wenn ich deine Texte lese: Du hast es damals wie heute ebenfalls kapiert.

Aber was nützt das, wenn man so feige ist wie du? Bis ich deine Texte las, hatte ich Hoffnung, dass du dich vielleicht verändert hast. Weil du anders warst, das letzte Mal, als wir uns sahen. Weil du anders sein kannst. Anders als damals und anders als so, wie du bist, wenn wir uns nicht sehen. Es gab immer diese zwei Versionen von dir. Die eine, die man erlebt, wenn man mit dir ist. Die andere, wenn man nicht direkt vor dir steht. Letztere mochte ich noch nie.

Je mehr ich las, desto kleiner wurde meine Hoffnung. Du willst so sein! Du willst so sein, wie du schreibst, dass du bist. Ich würde nie einen Mann wollen, der so ist wie der Mann, den du beschreibst. Niemand würde das wollen.

Meine Nachricht hat keine Absicht. Du musst mir nicht antworten. Ich weiss auch, dass ich mit diesen Zeilen auch die kleinste Möglichkeit begrabe, dass ich eines Tages mehr bin in deinem Leben als ein Sternchen.

Du kannst sie gerne für deinen Blog verwenden. Irgendwie wirst du ja erklären müssen, warum unsere Geschichte zu Ende ist. Und lieber erklärst du es in meinen Worten als in deinen ewig langen Schachtelsätzen, die niemand versteht.

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bild: watson
Big Ben ist ...
... Mitte 30 und lebt in einer WG. Sein Job ist in den Top 10 der Berufe, die Frauen sexy finden – je nach Umfrage. Er spielt Fussball, macht aber so gut wie nie ein Goal (weil Goalie), er hat viele Schwestern, sehr viele, und wurde logischerweise total verwöhnt, aber auch (viel zu früh) aufgeklärt. Er hasst Verkleidungspartys, aber wenn er müsste, würde er sich als Gandalf verkleiden. Ben ist Single und hat kein Interesse daran, dies zu ändern.
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279 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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code-e
10.03.2023 10:12registriert November 2018
Boom! In your face! Das erste Mal, dass ich deine Kolumne mit Genuss lese
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M. mit Stil
10.03.2023 10:19registriert September 2022
"Wollen wir rekapitulieren, was du mir alles gesagt hast an diesen zwei Abenden, die wir uns sahen?"
JA, DAS WOLLEN WIR!!!! JETZT!
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Biene_Maja
10.03.2023 10:23registriert Oktober 2017
„Ich würde nie einen Mann wollen, der so ist wie der Mann, den du beschreibst. Niemand würde das wollen.“ - word Sis🫶🏻
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Eigentlich würde ich mich als sehr freundlichen und harmoniebedürftigen Menschen beschreiben. Wenn jedoch der Hunger naht – und nicht schleunigst gestillt wird –, ist es vorbei mit den Kuscheleinheiten. Ob Familienfeste oder Lunches mit Arbeitskollegen: Wenn ich für längere Zeit hungrig bin, kann ich biestig werden. Antworten fallen dann äusserst knapp aus, mein Gesicht wird länger, als es ohnehin schon ist, enge Freunde oder Familienmitglieder werden sporadisch angefaucht.

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