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bild: shutterstock / watson
Emma Amour

Ich habe einen Influencer gedatet – und es war genau so, wie ihr denkt ...

Disclaimer: Ich mag Influencer nicht. Ich mag sie so sehr nicht, dass ich ihnen dennoch aus voyeuristischen Gründen folge. Einen aber finde ich so heiss, dass ich ihn um ein Treffen bitte. Vielleicht ist er ja die grosse Ausnahme unter den Influencern. Ich greife vor: Ist er nicht.
16.09.2021, 10:01

Die einen Userinnen und User kennen das Gefühl sicher sehr gut von genau diesem Blog: Er nervt euch wahnsinnig. Ihr könnt es aber dennoch nicht lassen, Montag für Montag und Donnerstag für Donnerstag hier reinzulesen. An dieser Stelle ein sehr herzliches Danke.

Nun, so wie es einigen von euch also mit meinem Blog geht, so geht es mir mit Influencern. Sie nerven mich mit ihren schrecklich gestellten Paid Posts so sehr, dass ich nicht nicht hinsehen, geschweige denn ihnen nicht nicht folgen kann.

Komplex. Ich weiss. Und auch etwas hohl. Ich weiss sehr wohl. Aber es ist, wie es ist. Mein Voyeurismus ist grösser als meine Vernunft.

So folge ich also Kreti und Pleti und staune, wie man Tee, Zahnpaste, Proteinpulver, Microblading und Gelnägel in Form von unterirdisch schlecht gestellten Posts und Stories inszenieren kann.

Wir daten ohne Alkohol!

Unter all den Influencern, die mich so nerven, Schrägstrich amüsieren, ist auch Rafael (nicht Beutl, keine Angst, Mimi!). Rafael ist so dermassen heiss, dass ich ihm in einem schwachen Moment sein Influencer-Dasein verzeihe und ihm schreibe, dass ich ihn sehr gerne auf einen Proteinshake seiner Wahl einladen will. Dazu schicke ich ihm ein Selfie von mir mit einem sehr billigen Protein-Shot aus einem Sehr-Billigladen.

Rafael findet's lustig und beisst an.

Wir treffen uns in einer Bar, in der es gesunde Acai-Bowls, Smoothies, Proteinriegel und Shakes gibt. Und keinen Alkohol.

Okay. Hart. Aber machbar.

Rafael bestellt irgendwas, das ich nicht aussprechen kann. Während er bestellt, filmt er sich. Er braucht zehn Anläufe bis der Boomerang, oder was auch immer er da macht, so ist, wie er ihn sich wünscht. Dann fragt er mich, ob ich ihn filmen kann, wenn er den Shake überreicht bekommt und den ersten Schluck nimmt.

Ich mach mal.

Bevor wir aber loslegen können, räumt er alle Menschen, die da rumstehen, aus dem Weg. Er will eben eine Drehung machen und die braucht Platz.

Haha.

WTF.

Ich habe gute Laune und wusste ja, auf was ich mich einlasse. Mehr noch: Eigentlich finde ich es spannend, mal hinter die Kulissen einer Influencer-Story zu sehen.

Ich filme und filme und filme und Rafael ist unzufrieden, unzufrieden, unzufrieden.

Ich bin zu wenig geil für seine Welt!

Bevor wir uns überhaupt nur schon an ein Tischli setzen und mal mit Smalltalk beginnen können, sind 1,5 Stunden vergangen, in denen wir «Content shooten» mussten.

Was ich denn so mache, fragt er. Ich erzähle von meinem Jöbli in einer Bar. Findet er mässig spannend. Korrigendum: Er findet es sehr viel zu wenig fancy.

Er sei Vollblut-Influencer. Verdiene sehr gutes Geld. Habe J-E-D-E-N Tag SEHR viele Anfragen. Er gehe aber nur Kooperationen mit Kunden ein, hinter deren Produkten er stehen kann. Für Fleisch würde er beispielsweise NIE werben.

Erst gerade eben wollte eine Grillmarke, dass er für sie Bratwürste und Spareribs grillt. «GEHT'S NOCH!?», findet Rafael. Er sei «flexibler Veganer». Das klingt super. Ich übernehme das und wandle es für mich in «Ich bin flexibler Single» um.

Er erzählt mir nun, wie er zum Influencer wurde. Zuerst war er Model (logisch!), dann Moderator (logisch!) und jetzt eben SEHR erfolgreicher Influencer (logisch!).

Ich könne mir nicht vorstellen, wie viele Frauen ihm schreiben. «Du hattest Glück, dass ich deine DM überhaupt gesehen habe.»

Schon klar, Superstar sein verpflichtet.

Ich würde jetzt gerne so eine Acai-Bowle probieren. Rafael aber will weiter. Biz Content shooten. Am See wäre geil.

Auf dem Weg dahin geht Rafael live. Er erzählt seinen Fans, dass er zum See geht. Und er sagt, dass er eine «sehr charmante Begleitung» dabei habe. Dann schwenkt er auf mich. Das hasse ich. Das sage ich auch. Er versteht es nicht. «Wenn ich dich tagge, hast du weisst du wie schnell 50 bis 100 Follower mehr.»

Ich will weder getaggt werden, noch will ich mehr Follower haben.

Rafael ist leicht betupft.

Er will jetzt Pedalo fahren. Obwohl er Pedalo fahren hasst. Für die Inszenierung eines happy Dates aber, sei das Pedalo gut, erklärt er.

Ich schlage ein. Kaum sitzen wir im Tretboot, sage ich ihm, dass mein linker Fuss kaputt ist und ich nicht treten kann.

Rafael entgleist das Gesicht.

Das sei dann schon nicht die Idee, dass er alles selber machen muss.

Ich soll dann wenigstens gute Filmli und gute Bilder schiessen.

Das Zeitfenster ist knapp. Zehn Minuten maximal. Dann schwitzt Rafael und seine Frisur ist zur Sau und so will er sich SICHER nicht präsentieren.

Ich habe mehrheitlich schlechten als rechten «Content geshootet».

Ich bin auch eine Enttäuschung!

Kein Wunder also, dass sich Rafael knapp halbherzig von mir verabschiedet. Ich muss eine sehr grosse Influencer-Star-Groupie-Enttäuschung gewesen sein.

Ein paar Stunden später schaue ich mir seine Insta-Story an. Ich sehe sehr viel Lebensfreude in der gesunden Bar, einen sehr fröhlichen Spaziergang zum See, eine enorm herzige Entenfamilie und einen happy happy happy Rafael, der enorm viel Spass auf dem Pedalo hat.

Ich habe keine Ahnung, wie er aus meinem Schrott so viel Scheinwelt inszenieren konnte. Zuckerbergs Crew muss Weltmeister sein im Filter erstellen.

Ich werde jedenfalls, ihr habt's eventuell geahnt, keine Influencer-Wife.

Ich werde wohl auch keine Influencerin. Ausser jemand schickt mir eine Tonne Chips und revolutionäre Mascara und offeriert mir zwei Wochen Malediven im 10-Sterne-Ressort und bietet mir gratis eine krasse Villa irgendwo am Meer an.

Und nachdem ich mich nun lange drum gedrückt habe, Suff-SMS-Sandro zu fragen, was mit dieser elenden Chantal läuft, schreibe ich ihm jetzt eine Nachricht und wer weiss, vielleicht wird er ja irgendwann Sufffluencer. Und ich Sufffluencer-Wife. Viel geiler als Influencer-Candy.

Adieu,

PS: Emma Amour gibt es jetzt auch als Buch!
«EMMA AMOUR UND KID CLEO – Liebe, Sex und andere Eskapaden»
Emma und Cleo gibt es als Buch! >>

Sexpannen, Liebeskummer und verrückte Dates: Niemand erzählt in der Schweiz so authentisch und unverblümt wie Emma Amour. Seit Januar 2018 lässt die Zürcherin die watson-User an ihrem Leben teilhaben. Wenn sie eine Auszeit nimmt, springt ihre beste Freundin Cleo ein.

Emma und Cleo könnten unterschiedlicher nicht sein, was sie jedoch verbindet: ein zeitweise fantastisches, zeitweise frustrierendes, aber nie langweiliges Liebes- und Sexleben.

Hier kannst du das neue Buch bestellen >>

Informationen zum Buch
Herausgeberin: watson
Erscheinungstermin: 12.02.2021
ISBN: 978-3-03902-124-6
Einband: Broschur mit Klappe
Umfang: 160 Seiten, 8 Illustrationen
Format: 13,5 x 21

Buchpreis
CHF 18.00 (CH)
EUR 18.00 (D)
EUR 19,00 (A)

Hier wird die Heuchelei von Influencern entlarvt

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Hier wird die Heuchelei von Influencern entlarvt
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Video: watson/jah
Emma Amour ist ...
… Stadtmensch, Single, Mitte 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge: Du wirst mit deinen Fragen anonym bleiben – so wie auch Emma. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
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