DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
montage: watson / material: shutterstock
Emma Amour

Mein Date mit einem, der Emma Amour nie daten würde

Man sagt, dass sich Gegenansätze anziehen. Sven und ich jedenfalls könnten nicht unterschiedlicher sein. Die Geschichte eines Dates, von dem er (Sven) nicht mal weiss, wie sehr er sie (Emma) hasst.
16.04.2019, 09:5917.04.2019, 06:10

Verkäuferinnen seien die schlimmsten. «Weisst du, die Parfüm-Tanten in den grossen Kaufhäusern, schrecklich», sagt er. Und dann Kosmetikerinnen, Coiffeusen, Naildesignerinnen. «Die sind doch hohl, sonst würden sie was anderes machen, nicht!

Ich glaube nicht. Meine Kosmetikerin liebt ihren Job mehr als ihren Mann. Vielleicht nicht mehr als ihr Kind, aber sicher mehr als ihren Mann. Und die Coiffeusen im Salon meines Vertrauens fühlen ihre Arbeit auch von Kopf bis Haarspitze. Parfüm-Verkäuferinnen kenne ich keine persönlich.

Was ich aber denke, ist Sven egal. Der ist so in Fahrt, dass er kaum dazu kommt, Luft zu holen. «PR-Chicks, schrecklich. Weisst du, was noch schlimmer ist?» Ich verpasse die eine Sekunde, die ich habe, um zu Wort zu kommen. «Journalistinnen! Autorinnen! Kolumnistinnen!»

Heiraten nein, biz Spass gerne!

Wo er denn seine News konsumiere, will ich wissen. «Nirgendwo, alles Fake News, alles bad News!» Bücher mag Sven. Die liest er aber nur in den Ferien. An das letzte kann er sich nicht erinnern. Eine Biografie vielleicht. Muhammed Ali könnte es gewesen sein.

Langsam macht mir dieser Sven, den ich ganz sicher nie heiraten werde, Spass. Wir lernten uns neulich vor einer Bar beim Rumstehen kennen. Nun also sitzen wir da. Gleiche Bar, anderer Groove.

Was ich beruflich mache, fragt Sven gar nicht. Kommt mir gerade gelegen. Ich frage ihn, was für Kolumnen er liest, dass er Kolumnisten und Kolumnistinnen so scheisse findet. Früher habe er Michèle Roten im TagiMagi gelesen. Fand er gut. Alle anderen.. spülen. «Aber dali!»

Ich, eine Narzisstin?

Was er von Singlekolumnen hält, will ich wissen. «Abschaum, was interessiert mich, was irgendwelche Kolumnistinnen im Bett oder an Dates erleben!? Alles Narzissten.» Wenn jetzt Sven die Wahl zwischen einer Parfüm-Tante und einer Kolumnistin hätte, welche würde er daten? «Pha, das ist ja eine Pest-oder-Cholera-Wahl!»

Ob er Emma Amour kennt, frage ich. «Emma what!?» Amour, sage ich. Er schüttelt den Kopf. Ich öffne die Watson-App und zeige ihm den Blog. Er soll doch einen Text lesen und mir ehrlich sagen, was er davon hält. «Bitte nicht!?», sagt er. Ich beharre aber drauf.

Er entscheidet sich für den Text über den Typen, der meiner Vagina den Namen seines Hündlis gab. Ich beobachte Sven, während er liest. Er atmet laut. Und schwer. Und er zieht heftig an seiner Zigarette.

«So ein Scheiss», sagt er. «Wer liest sowas!? Und wer ist diese Emma Amour!?» Dann: «Fuck, kriegt die Stutz dafür?» Kriegt sie, sage ich. Woher ich das weiss und ob ich Emma persönlich kenne, will er aber gar nicht wirklich wissen. Zu sehr ist es damit beschäftigt, sich all seine Fragen selber zu beantworten.

Von wegen Lügenpresse – Lügen-Mail!

Wir reden, nein, falsch, er motzt noch ein bisschen über dies und das, bevor wir uns verabschieden. Es ist nonverbal klar, dass das unser erstes und letztes Date war. Ein paar Tage später habe ich Sven schon vergessen, als wir uns zufällig an der Tramhaltestelle begegnen.

Biz Smalltalk, biz mühsam, biz holzig, bis es aus ihm rausschiesst: «Diese Emma Amour, ich habe letztens noch ein paar mehr Texte von ihr gelesen», erzählt er. Irgendetwas habe ihn fasziniert. Vielleicht schreibe er ihr mal eine Mail. «Tu das» antworte ich.

Zwei Tage später öffne ich meinen Emma-Mail-Account. Und da ist sie nun also, die Mail von Sven:

«Hallo Emma, ich bin mit Sicherheit dein grösster Fan von Anfang an. Seit deiner ersten Kolumne überlege ich mir, was ich dir schreiben soll, so sehr verehre ich dich. Ich hatte schon immer eine Vorliebe für Frauen, die schreiben. Ich bin ein aufgeschlossener und offener Typ, der sich sehr für seine Mitmenschen interessiert und einen guten Job hat. Es würde mich ausserordentlich freuen, wenn ich dir bei einem Caipi mehr über mich erzählen dürfte und auch etwas über dich erfahren könnte. Liebe Grüsse, Sven.»

Haha. Flunker-Sven. Immerhin bringst du mich in diesem Leben doch noch einmal zum Lachen. Dafür danke. Und ebenfalls liebe Grüsse, Emma.

Adieu,

PS: Ich würde gerne dein Gesicht sehen, wenn du diese Kolumne hier liest.

Zum Thema Berufe und so: Hier ein paar Menschen mit dem perfekten Namen für ihren Job

1 / 29
Menschen mit dem perfekten Namen für ihren Job
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

1 / 90
Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
Emma Amour ist ...
... Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deinen Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe.
bild: watson
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Emma Amour

«Lieber sterbe ich mit 50 Katzen, als nicht geliebt zu werden …»

Liebe Maria,

ohälätz, da scheint bei euch in der Tat der Wurm etwas gar fest drin zu sein. Fies ist ja, dass er genau dann in die Romandie zog, als sich die erste Verliebtheit wirklich gerade legte.

Das ist zum einen schon eine wichtige und grosse Wandlung in einer Beziehung. Und wenn dann auch noch ein Umzug weit weg ansteht, dann kann ich gut nachvollziehen, dass eine Liebe ins Wanken kommt.

Genau das ist vor allem deinem Freund passiert. Und hat deswegen dafür gesorgt, dass auch du den Boden …

Artikel lesen
Link zum Artikel