Buckelwal Timmy: Robert Marc Lehmann erhebt schwere Vorwürfe nach Wal-Drama
Der als «Walflüsterer» bekannt gewordene Biologe Robert Marc Lehmann hat sich in einem Video auf YouTube zum Rettungsversuch von Buckelwal Timmy zu Wort gemeldet und dabei heftige Kritik an Verantwortlichen und insbesondere den Medien geäussert. Er sprach von einer «Kampagne» gegen seine Person. Auch Strafanzeigen, Morddrohungen und Hassnachrichten habe er erhalten. Das habe ihm und seiner Familie «extrem geschadet». Lehmann sagte weiter: «Meine Mama hat geweint.»
Das Video, das Mittwochnachmittag online ging, ist eine Stunde und 17 Minuten lang. Gleich zu Beginn fasst er das Drama um Wal Timmy aus seiner Sicht zusammen: «Ich habe doch mal gesagt, Deutschland versagt zu 99 Prozent in Sachen Walrettung. Ich habe mich komplett geirrt, es sind 100 Prozent. Vielleicht sogar 110», so Lehmann an seine Fans und Follower gerichtet.
Wal Timmy unter ungeklärten Umständen in Nordsee entlassen
Der Wal war vor knapp einer Woche unter weitgehend ungeklärten Umständen in der Nordsee freigesetzt worden. Zuvor war er mit einer Transport-Barge von einer Sandbank vor der Ostseeinsel Poel dorthin geschleppt worden. Seitdem gibt es kein bestätigtes Lebenszeichen von dem Tier; der GPS-Tracker, der an Timmy angebracht worden sein soll, funktioniert nicht richtig. Experten gehen davon aus, dass der Wal schon tot ist. Es sei davon auszugehen, dass das geschwächte Tier «nicht genug Kraft besass, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt», teilte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund am Dienstag mit.
Buckelwal-Drama: Lehmann widerspricht Meeresmuseum
Robert Marc Lehmann reagierte in seinem Video auch auf diese Einschätzung: «Wenn das Meeresmuseum sagt, der Wal ist wahrscheinlich tot, und ich sage, das Deutsche Meeresmuseum liegt halt falsch, dann müsst ihr euch den Rest dazu denken.» Konkrete Belege lieferte er für diese Behauptung nicht. «Totgesagte leben länger», schob er noch hinterher.
Der «Walflüsterer» war nach dem ersten Rettungsversuch für den Buckelwal vor Timmendorfer Strand Ende März wieder abgereist. Danach hatte es heftige Vorwürfe gegen ihn gegeben. Der Timmendorfer Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke sagte: «Schon als Lehmann sich das erste Mal mit einem Boot dem Wal näherte, war ihm sein Selfiestab wichtiger als alles andere.»
Buckelwal: Ungereimtheiten bei «Walflüsterer»
In den Tagen danach kamen ausserdem Ungereimtheiten auf Lehmanns Webseite ans Licht. So bezeichnete er sich zwischenzeitlich als «studierter Diplom-Meeresbiologe», obwohl es einen Studiengang «Meeresbiologie» nicht gibt.
Zudem bezeichnete er sich als «National Geographic Fotograf des Jahres 2015», belegte aber lediglich bei einem anderen, deutlich kleineren und auf Deutschland begrenzten Fotowettbewerb von «National Geographic Deutschland» im Jahr 2015 den ersten Platz. Die Chefredakteurin von «National Geographic Deutschland», Claudia Eilers, sagte Mitte April, die Angabe auf Lehmanns Webseite sei «mindestens irreführend».
In seinem YouTube-Video reagierte Lehmann nun auf die kritische Berichterstattung, die er als Lügen bezeichnet. «Über mich haben alle Medien gelogen und voneinander abgeschrieben», sagte er. «Ich könnte alle Medien in Grund und Boden klagen.» Journalisten hätten ihm «Suggestivfragen» gestellt und teils eine 12-Stunden-Frist für die Antwort gesetzt. Das sei für ihn «Erpressung», behauptete er. Tatsächlich gebietet es der journalistische Pressekodex, Betroffene vor einer kritischen Berichterstattung zu konfrontieren. Auch watson-Partner t-online bat Lehmann mehrfach um Stellungnahme – erhielt aber keine Antworten.

