Deshalb hält das Deutsche Meeresmuseum Timmy für tot
Buckelwal Timmy ist mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits tot. Das hat das Deutsche Meeresmuseum am Dienstag bekannt gegeben. Der Wal war am Samstag aus einer Barge, die ihn zum Atlantik bringen sollte, geschwommen und ist seither verschwunden. GPS-Daten gibt es nicht. Das Rettungsteam gab an, dass ein Sender angebracht worden sei, dieser soll aber – wenn überhaupt – lediglich Vitalzeichen liefern.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus glaubt trotz der Angaben des Meeresmuseums noch nicht ganz an Timmys Tod. Er wolle sein Urteil auf Fakten stützen. Dennoch hat auch er keine Sender-Daten erhalten.
Timmy war laut Experten nicht friedlich, sondern geschwächt
Doch wie kommt das Meeresmuseum auf die Behauptung, Timmy sei wahrscheinlich tot? Es stützt seine Aussage auf den Zustand des Wals. Dieser war vor dem Aussetzen augenscheinlich sehr schlecht. Der Buckelwal dürfte kaum genug Kraft gehabt haben, um länger im offenen und tiefen Wasser zu überleben, so die Einschätzung.
Timmy hatte fast einen Monat lang am Strand vor der Insel Poel auf einer Sandbank gelegen, sein Rücken ragte aus dem Wasser. Fachleute warnten mehrfach, dass dadurch die Organe des Wals beeinträchtigt worden sein könnten. Und auch die Haut wurde in Mitleidenschaft gezogen.
Schon früh waren bei dem Wal zudem Netzreste im Maul entdeckt worden. Es ist unklar, ob sich auch in seinem Magen oder Verdauungstrakt weitere Teile befinden. Das könnte zu einem Verschluss führen, der die Nahrungsaufnahme verunmöglicht.
Hinzu kommt, dass Timmy während des Transports in der Barge weitere Verletzungen erlitten hatte. Welche genau, ist allerdings unklar. Der starke Wellengang im Skagerrak hatte dazu geführt, dass der Buckelwal gegen die Wände der Barge geschleudert wurde. Tierärztin Kirsten Tönnies hatte nach ihrer Rückkehr erklärt, sie habe eine Verletzung am Maul erkennen können.
Gegenüber der Bild erklären Fachleute, dass solche Aufpralle im Kopfbereich zu folgenreichen Verletzungen führen können. Generell schätzen sie Timmys Zustand als schlecht ein. Dabei stützen sie sich auf die Live-Videoaufnahmen während des Transports und der Strandung. Während Mitglieder des Rettungsteams hoffnungsvoll von einem «friedlichen und ruhigen» Verhalten sprachen, warnen die Experten vor einer Vermenschlichung des Tieres. Ein solches Verhalten sei eher ein Zeichen für seine massive Geschwächtheit. Gesunde Wale seien normalerweise deutlich aktiver.
Generell dürften die wiederholten Strandungen, das lange Liegen, der Stress und nicht zuletzt auch der intensive Schiffsverkehr an dem Ort, wo Timmy ausgesetzt wurde, das Tier zusätzlich beeinträchtigt haben.
Walflüsterer sind keine Experten
Timmy werden schon länger kaum Überlebenschancen nachgesagt. Dies vor allem von Walexperten. Nachdem sich eine private Initiative eingeschaltet hatte, erklärten sich immer mehr Menschen zu Walflüsterern, -schützern und -experten. Ihre Meinungen und Einschätzungen erreichten über Social Media viele Menschen, doch Experten von renommierten Institutionen übten immer wieder Kritik. So handelt es sich bei einem Mitglied – Sergio Bambaren, der oft beim Wal war – um einen Schriftsteller. Auch Tierärztin Tönnies kümmert sich sonst eigentlich um Kleintiere, nicht um tonnenschwere Meeressäuger.
Auch innerhalb des Rettungsteams kam es zu Spannungen. Mitglieder wechselten sich ab, viele mussten sich auch Drohungen und Beleidigungen anhören. Zuletzt richtete sich der Hass offenbar gegen die Schiffscrew der Robin Hood. Der Schlepper hatte den Transport begleitet. Der Kapitän berichtet nun gegenüber der Ostsee-Zeitung von Morddrohungen, Terroranrufen und Beleidigungen.
