DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wann haben sich eigentlich Ghosting & Co. in unser Arbeitsleben geschlichen?

Ghosting, Benching, Breadcrumbing – jetzt mal ehrlich, das alles gibt es doch längst nicht mehr nur im Liebesleben?
04.06.2018, 14:0105.06.2018, 06:00

Ich wurde letztens geghosted. Nicht von einem Date – sondern von einem neuen Auftraggeber. Also, zumindest dachte ich bis vor einem Monat, dass diese Firma ein neuer Auftraggeber werden könnte. Ich war fasziniert von ihrer visuellen Aufmachung, den catchy Social-Media-Teasern und habe mich spätnachts vor lauter Euphorie bis zu den letzten Seiten der Unternehmenshistorie durchgelesen. Was dabei rumgekommen ist? Original nichts. 

Ich fing an, die Tage seit dem letzten Telefonat zu zählen wie damals, nach dem Treffen mit Gregor aus der 9b. Nur, dass mich die Misere auf einer ganz neuen Stufe betraf.

Die Frage, die sich mir dabei stellte: wie lange muss ich warten, bis ich mich a) selbst melden kann, um nachzufragen oder b) die Chance von Automobilhersteller Hugentobler und Partner endgültig abgelaufen ist? Wie lange muss ich mich als Angestellte und Selbstständige vertrösten lassen, bis eine Reaktion fällig wird – egal, von welcher Seite? Und: warum gibt es noch kein Handbuch dafür? Aber nicht nur Ghosting – also das bewusste Verschwinden aus jeglichem Kommunikationskanal – ist auf dem Arbeitsplatz gerade ganz gross im Kommen. Auch Benching und Breadcrumbing gibt es nicht erst seit gestern.

Animiertes GIFGIF abspielen
So fühlt es sich an, wenn man gebreadcrumbed wird.gif: Giphy

Andere Firma, ähnliches Vorgehen. Statt mir auf mein Angebot konkret abzusagen, wurde ich immer wieder auf nächste Woche vertröstet. Nächste Woche gibt es dann endlich das Treffen zu den Finanzen für das kommende Quartal. Nächste Woche wird mir dann angeblich Bescheid gegeben, ob ich mit folgenden drei Aufträgen rechnen kann oder nicht. Passiert ist bis heute: nichts. Nada, gar nichts. Also, abgesehen von Breadcrumbing mit einem Touch Ghosting.

Und so geht es bei Weitem nicht nur mir, liebe Kinder! Auch mein Freund K. hatte unlängst eine Anfrage auf LinkedIn erhalten, woraufhin sich ein Skype-Interview und ein paar wilde E-Mails entwickelten, nur um am Ende genauso schlau zu sein wie vorher. Ich frage mich: wann hat sich die Dating-Kultur in unser Arbeitsleben geschlichen? Oder: ist es umgekehrt? Wann ist es okay geworden, die Zeit von anderen Menschen mit der eigenen Unsicherheit zu verschwenden und sie so lange hinzuhalten, bis zwangsweise negative Emotionen entstehen?

Niemand möchte wie auf dem Viehmarkt behandelt werden.  

Mein Gott, dann sagt doch einfach, dass euch die Kohle ausgegangen ist für diesen Monat, niemand wird sich mit dieser weltgeschehenstechnisch komplett irrelevanten Information seinen Ruf auf Twitter versauen (okay, ausser ihr seid Facebook). Sagt mir doch, dass euch mein Profil nicht passt, weil ich viel zu ehrlich über die Negativa dieser Gesellschaft diskutiere, um Sponsored Posts über Pillen zu schreiben, die angeblich die Gehirneffizienz steigern, ohne dafür passende Studienergebnisse vorzuweisen.  

Animiertes GIFGIF abspielen
Ehrliche Antworten würden vieles vereinfachen.Bild: Giphy

Wenn überhaupt mal abgesagt wird, dann mit einer schönen Lüge. Woran man erkennt, dass sie schön ist? Naja, weil sie gelogen ist. Ein «Wie im Interview erwähnt, ist es uns sehr wichtig, dass es für alle Seiten passt» ist das arbeitstechnische Pendant zu «Es liegt nicht an dir es liegt an mir».  

Nach allerlei Spielchen in den letzten Jahren kann ich nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass ich auf diesen Kinderkram keine Lust mehr habe und gerne im Berufsleben genauso viel Respekt erfahre wie im Liebesleben.  

Firmen, die nur dann schreiben, wenn's mal wieder brennt und sich im Anschluss nicht mal mit einem Wort bedanken können, sind für mich wie Frederiks, die um drei Uhr nachts Bootycalls senden.

Die ich – nur so off topic – übrigens auch nicht beantworten würde. Wie im Liebesleben gilt auch im Arbeitsleben: Akzeptiere nur das, was deiner Würde entspricht und lass dich nicht von Menschen oder Firmen verarschen, die deiner nicht Wert sind.

Mein Tipp dazu: Step up your professionality. And get yourself some dignity.

THX BYE. 

Unsere Emma Amour kennt das Problem im Privatleben:

Sandro kann mit Anglizismen nicht so viel anfangen – sie nerven ihn

Video: watson/Sandro Zappella, Emily Engkent

Apropos arbeiten – Angestellte verwandeln langweiliges Büro mit Post-its in einen super coolen Arbeitsplatz

1 / 10
Büroangestellte verwandeln langweiliges Büro mit Post-its in super coolen Arbeitsplatz
quelle: reddit
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Mehr zum Thema Leben gibt's hier:

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

14 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Triumvir
04.06.2018 14:08registriert Dezember 2014
WTF!? So und jetzt den ganzen Text bitte nochmals auf Deutsch übersetzen. Danke. :-P
16630
Melden
Zum Kommentar
avatar
Janis Joplin
04.06.2018 14:15registriert April 2018
Ich glaub das gab es schon vorher - einfach mit anderen Medien. Jemand der nie zurückruft, obwohl er/sie/es hoch und heilig versprochen hat. Der Fax, der nie kommt, obwohl doch der Kunde meinte, er würde gaaaanz sicher uns berücksichtigen. Klassisches Ghosting: Bewerbungsgespräch und danach? Gähnende Leere, nichts - keine Antwort, keine Stellungnahme und schon gar keine Rücksendung der teuer versandten Bewerbungsunterlagen...
1132
Melden
Zum Kommentar
avatar
Nelson Muntz
04.06.2018 14:17registriert Juli 2017
ich ghoste gern meinen Arbeitsplatz, Kaffi- und Zigipausen sind definitv cooler als arbeiten :-)
10110
Melden
Zum Kommentar
14
Aus diesem Grund können wir uns nicht selbst kitzeln

Schon Charles Darwin war davon überzeugt: Ein Mensch kann nur gekitzelt werden, wenn er den Punkt der Stimulation vorher nicht kennt. Aus diesem Grund könne sich ein Kind auch nicht selbst kitzeln. Mit dieser Theorie lag Darwin richtig.

Zur Story