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Michelin-Restaurant Ynyshir kann bei Hygienestandards nicht mithalten

ynyshir restaurant wales
Das Ynyshir soll zu den besten Restaurants der Welt zählen.Bild: Instagram/ynyshirrestaurant Profilbild ynyshirrestaurant

Dieses Restaurant hat 2 Michelin-Sterne – bei den Hygienestandards kann es nicht mithalten

Das Restaurant Ynyshir soll eines der besten der Welt sein. Bei einer kürzlichen Hygieneinspektion hat es aber nur einen Stern geholt. Das beschämt den Küchenchef aber nicht.
15.01.2026, 15:3915.01.2026, 16:57

Mit seinen zwei Michelin-Sternen gehört das walisische Restaurant Ynyshir zu den besten der Welt. Die Lebensmittelbehörde in Grossbritannien kam nun aber zu einem anderen Ergebnis – und sorgte mit der Hygienebewertung des Lokals für Ärger.

Laut dem Guardian eröffnete Ynyshir 2013 und erhielt bereits ein Jahr später seinen ersten Michelin-Stern. 2022 folgte ein weiterer. Es war damals das erste Restaurant in Wales mit zwei solcher Auszeichnungen. Gasthöfe können bis zu drei Michelin-Sterne erhalten. Ein Stern bedeutet, dass das Lokal einen Stopp wert ist. Für Restaurants, die einen Umweg wert sind, gibt es zwei Sterne, und Restaurants, die sogar eine Reise wert sind, bekommen drei.

Bei Ynyshir beginnen die Preise für ein Essen bei 468 Pfund pro Person. Das sind umgerechnet mehr als 500 Franken. Bei solchen Preisen erwartet man als Gast neben der Kulinarik auch ein makelloses Restaurant. Bei einem Besuch von Beamten der Lebensmittelbehörde am 5. November 2025 erhielt das Restaurant aber nur einen von fünf Punkten. Das bedeutet für das Amt, dass bei Ynyshir «erhebliche Verbesserungen» erforderlich sind.

«Ich schäme mich nicht»

Gegenüber BBC äusserte sich nun Gareth Ward am Mittwoch zur Bewertung seines Restaurants. So sei er nicht beschämt darüber: «Ich sitze hier nicht und denke: ‹Oh Gott, das ist mir peinlich, ich habe etwas falsch gemacht.›»

Wieso die Behörden trotzdem zu ihrem Schluss kamen, erklärt sich Ward folgendermassen: «Ich kaufe Fisch in Sashimi-Qualität aus Japan. Die Behörden haben gesagt, dass sie die Wasserqualität nicht kennen und darum auch nicht wissen würden, ob die Fische Sashimi-Qualität hätten.» Sashimi-Qualität bedeutet, dass Fisch oder Meeresfrüchte durch absolute Frische, strenge Hygiene und spezielle Verarbeitung für den rohen Verzehr geeignet sind.

Restaurant beantragt erneute Inspektion

Laut Ward hätten ihre Fänge aber Sashimi-Qualität, was den Rohfisch also vollkommen «hygienisch» mache. «Dieses Zeug wird auf der ganzen Welt roh gegessen, und nur, weil unsere Regeln nicht ihren Regeln entsprechen, stellen sie sie infrage», so der Küchenchef. Das Restaurant habe zudem extra eine Salzkammer zur Reifung der Fische. Dieser Reifungsprozess würde den Behörden aber offensichtlich nicht gefallen.

Der Inhaber von Ynyshir räumte aber gleichwohl ein, dass die Lebensmittelkontrolleure «nicht völlig unrecht» hatten. So habe er seit der Kontrolle eine zusätzliche Handwaschstation im Fischverarbeitungsbereich installiert. Er sagte ausserdem, dass bürokratische Probleme zu dem schlechten Ergebnis beigetragen hätten. Trotzdem hat das Restaurant bereits eine erneute Inspektion beantragt, ein Termin ist aber noch nicht festgelegt worden.

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38 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Reli
15.01.2026 17:12registriert Februar 2014
In der Schweiz würde so ein Fall gar nicht bekannt: Die Resultate werden nicht oder nur anonym veröffentlicht. Aber sicher könnte so etwas bei uns niemals vorkommen! (Ironie off)
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equus asinus
15.01.2026 18:16registriert November 2023
Entweder sind die Mindeststandards erfüllt oder nicht, da gibt es keine 5 Abstufungen.
Und manchmal passt das Gesetz einfach nicht für die Zubereitungsart: z. B. Rohmilchkäse. Dieser erfüllt vielerorts die Hygienevorschriften nicht
Ein anderes Beispiel wären irgendwelche Rezepte mit Heu, das ist ja in Mode: Heu kann nicht gewaschen werden, sonst verliert es Geschmack.
Weideschlachtung war auch so ein Thema.
Daher habe ich ein gewisses Verständnis. Aber die Handwaschstation beim Fisch ist definitiv eine sinnvolle und gerechtfertigte Auflage
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stronghelga
15.01.2026 16:50registriert März 2021
Die Lebensmittelaufsicht ist dem Gemeinwohl verpflichtet. Sie arbeitet nicht mit Intuition, sondern mit nachvollziehbaren, dokumentierten Standards. Wer durchfällt, kann eben diese Standards nicht verlässlich einhalten.

Die Perspektive von Gareth Ward ist klar individualistisch. Sie kreist um Genie, Ausnahme, persönliche Vision. Das kann kulinarisch faszinierend sein, kippt aber schnell ins Esoterische, wenn implizit behauptet wird, man stehe über Regeln, weil man es „besser fühlt“ oder „anders denkt“.

Die Behörde fragt nur: Ist das hier für alle sicher? Bestehen gesundheitliche Risiken?
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