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The False Prophet: Die wichtigsten Erkentnisse aus der Netflix-Doku

Christine Marie, Julia Johnson
Trust me: The False Prophet
Julia Johnson (rechts) war Teil der FLDS-Community. Sie war eine der Ersten, die sich von ihrem Anführer loslöste und sich Hilfe von aussen holte.Bild: netflix

5 krasse Erkenntnisse aus der Doku «Trust Me: The False Prophet»

In einer neuen Netflix-Dokumentation gelingt es einem Ehepaar, einen religiösen Anführer über längere Zeit mit der Kamera zu begleiten. Die Aufnahmen schockieren.
14.04.2026, 20:0214.04.2026, 20:02

Eine neue Netflix-Serie dokumentiert über Jahre hinweg die Machenschaften eines Mannes namens Samuel Bateman. Dieser profilierte sich als Prophet innerhalb der Fundamentalistischen Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (FLDS) und heiratete mutmasslich rund 20 Frauen und Mädchen. In der Kirche muss ein Mann mehrere Frauen haben, die sich ihm unterordnen, um die höchste Form der ewigen Erlösung zu erreichen.

Hier kommt Christine Marie ins Spiel: Zusammen mit ihrem Mann Tolga Katas zog sie im Jahr 2017 nach Utah und wurde schnell auf das Leiden der Frauen aufmerksam. Sie selbst war jahrelang Teil der mormonischen Kirche und wusste sofort: Diese Frauen brauchen ihre Hilfe. Also freundete sich mit ihnen an und schaffte es auch, das Vertrauen von Bateman zu gewinnen. Dieser erlaubte ihr und ihrem Mann schliesslich, ihn mit der Kamera zu begleiten und so ist diese Dokumentation entstanden.

Christine Marie in Trust Me: The False Prophet
Christine Marie erzählt von ihren Beobachtungen der FLDS-Community.Bild: netflix

FLDS ist eine Abspaltung der mormonischen Kirche. Einer ihrer bekanntesten Anführer ist Warren Jeffs, der seit 2006 in Haft sitzt. Trotzdem gilt er für viele Anhänger noch immer als Prophet.

Was Marie und Katas in «Trust Me: The False Prophet» aufdecken, sind beunruhigende Schilderungen von Manipulation, institutioneller Vernachlässigung aber auch weibliche Tapferkeit und Widerstandskraft.

Samuel Bateman etablierte sich sehr schnell als Anführer

Nach der Verhaftung von Warren Jeffs wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen im Jahr 2011 stand die Fundamentalistische Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage plötzlich ohne Anführer da.

Für die hinterbliebenen Frauen und Kinder gab es keine Unterstützung. Viele von ihnen sind in einer Welt aufgewachsen, in der der Gehorsam gegenüber einem Propheten die Grundlage des täglichen Lebens bildete. Ohne Anführer waren sie hilflos.

Samuel Bateman füllte diese Lücke mit beunruhigender Leichtigkeit. Bemerkenswert ist, dass er anfangs kein prominentes Mitglied der Gemeinde war und es dennoch schaffte, innerhalb nur eines Jahres aufzusteigen und zahlreiche Anhänger zu finden. Er behauptete, Jeffs sei im Gefängnis verstorben, und seine göttlichen Botschaften würden nun durch ihn fliessen.

Samuel Bateman
Samuel Bateman stellte sich nach Jeff Warrens Verhaftung als neuen Propheten dar.Bild: netflix

Als er verhaftet wurde, hatte Bateman Berichten zufolge über 20 Ehefrauen – viele von ihnen waren minderjährig, die jüngste war Berichten zufolge ein neunjähriges Mädchen. Der Dokumentarfilm legt nahe, dass es bei diesen sogenannten Ehen nicht um Glauben, sondern vielmehr um Macht ging. Es entstand ein System, in dem es nahezu unmöglich war, Batemans Autorität infrage zu stellen.

Trust Me: The False Prophet
Trailer full of Wives
Innerhalb weniger Monate stieg die Zahl seiner Ehefrauen von 2 auf rund 20.Bild: netflix

Mehrere Systemfehler

Nach mehreren Jahren des Filmens dachten Christine Marie und ihr Ehemann, dass sie genug Beweise gegen Bateman gesammelt hatten. 2021 nahmen sie Batemans Geständnis auf Tonaufnahmen auf. «Ich dachte, wir haben es. Nicht nur gibt er alles zu, wir haben ausserdem die Opfer, die alles bestätigen. Was brauchen wir mehr?», erzählt Marie in «Trust Me: The False Prophet».

Doch als sie zur Polizei ging, wurde ihr gesagt, dass die Beweise für eine Verhaftung nicht ausreichten. In der zweiten Folge der Dokumentation kommt Sergeant David Wilkinson zu Wort und erklärt seine Sicht der Dinge:

«Samuel [Bateman] spricht [in den Aufnahmen] darüber, dass erwachsene Männer Sex mit jungen Frauen haben. Ich erinnere mich natürlich nicht mehr an den genauen Wortlaut. Ich habe mir das seit damals nicht mehr angehört. Das ist nichts, womit ich mich belasten möchte, während wir diese Fälle durchgehen, denn es kommen viele Informationen ans Licht, die ein sensibles Herz verletzen.»
Sergeant David Wilkinson

Die Worte von Wilkinson sind sehr unglücklich gewählt und zeigen, dass die Polizei die Beweise, die ihr auf dem Silbertablett präsentiert wurden, lange nicht ernst nahm.

Sgt. David Wilkinson
Trust me: The False Prophet
Sergeant David Wilkinson wollte sich aus Selbstschutz die Aufnahmen nicht mehr als einmal anhören.Bild: netflix

Das war aber nicht das letzte Mal, dass der Staat in diesem Fall versagte. Nach Batemans Verhaftung im Jahr 2022 wurden alle minderjährigen Ehefrauen in der gleichen Unterkunft untergebracht. Leichtes Spiel für Bateman: Vom Gefängnis aus organisierte er eine Entführung und schaffte es, dass acht Minderjährige aus staatlicher Obhut verschwanden. Glücklicherweise konnten schliesslich alle wiedergefunden und in verschiedenen Pflegefamilien untergebracht werden.

Christine Marie und Tolga Katas hielten jahrelang ihre Tarnung aufrecht

Als Christine Marie und ihr Ehemann Tolga Katas in Utah ankamen, war es ursprünglich nicht ihr Ziel, eine Sekte zu infiltrieren und deren Anführer zu Fall zu bringen. Sie wollten einfach nur einer zerrütteten Gemeinschaft helfen. Erst nach und nach erkannten sie, was Bateman tat. Sie schafften es, sein Vertrauen zu gewinnen und schliesslich genug Beweise für seinen Missbrauch und seine Verbrechen zu sammeln.

Christine Marie, Tolga Katas
Trust Me: The False Prophet
Christine Marie und Tolga Katas filmten die Machenschaften von Samuel Bateman mit seiner Erlaubnis. Die Aufnahmen wurden zentrale Beweismittel im Prozess gegen Bateman.Bild: netflix

Marie ist Expertin für Sektenpsychologie, was ihr die Fähigkeit verlieh, zu den Frauen in Batemans Umfeld eine Verbindung aufzubauen. Unter dem Vorwand, seine Botschaft zu verbreiten, konnte das Paar Bateman davon überzeugen, sein Leben mit der Kamera dokumentieren zu lassen.

Die Video- und Tonaufnahmen waren im Gerichtsprozess gegen Samuel Bateman zentrale Beweise, denn sie dokumentierten seine Geständnisse. Die Bereitschaft von Marie und Katas, jahrelang die Fassade aufrechtzuerhalten, obwohl sie Zeugen zutiefst beunruhigenden Verhaltens wurden, ist bemerkenswert.

Der Überlebenskampf der Opfer gibt Hoffnung

Laut der Dokumentation war rund die Hälfte von Batemans Ehefrauen minderjährig. Und es war nicht einfach, sie alle davon zu überzeugen, wer Bateman wirklich ist. Doch schliesslich realisierten viele der Mädchen, was ihnen widerfahren war. Bei den erwachsenen Frauen war dies weniger der Fall. Regisseurin Rachel Dretzin sagt gegenüber Netflix:

«Die überwiegende Mehrheit der gezeigten Erwachsenen sind bis heute Anhängerinnen und Anhänger von Sam Bateman. Alle Minderjährigen aus der Dokumentation haben sich inzwischen endgültig von Sam gelöst und sind, wie wir es nennen, ‹aufgewacht›.»
Rachel Dretzin

Besonders die Geschichten von Julia, Moretta und Naomi bieten inmitten dieser düsteren Ereignisse wenigstens einen Funken Hoffnung. Julias Entscheidung, Bateman den Rücken zu kehren, bedeutete, sich ihrem eigenen Ehemann direkt entgegenzustellen. Sie war mit Moroni Johnson verheiratet, einem der ersten Anhänger Batemans. Ihre beiden Töchter wurden als Minderjährige gezwungen, Batemans Ehefrauen zu werden.

Julia Johnson
Trust Me: The False Prophet
Julia Johnson erkannte, was vor sich ging, und stellte sich gegen ihren Ehemann.Bild: netflix

In der Dokumentation erinnert sich Julia daran, Folgendes zu ihrem Mann gesagt zu haben:

«Wir folgen einem falschen Propheten, und er führt uns direkt in die Hölle, und ich werde dort nicht mehr hingehen.»
Julia Johnson war eine der ersten, die sich von Bateman löste.

Julias Tochter Moretta und eine weitere Ehefrau namens Naomi waren die einzigen zwei erwachsenen Frauen, die vor Gericht gegen Bateman ausgesagt haben. Dies, obwohl sie aufgrund ihrer Beziehung zu ihm ebenfalls wegen Entführung verhaftet und verurteilt wurden.

Naomi
Trust Me: The False Prophet
Naomi sagte vor Gericht gegen ihren Ehemann, den Sektenführer Samuel Bateman, aus. Bild: netflix

Seit ihrer Entlassung aus dem Gefängnis (sie sass ein Jahr) hat sich Moretta vollständig von der FLDS-Community losgelöst, geheiratet und eine Familie gegründet.

Der Einfluss von Samuel Bateman geht weiter

Im Dezember 2024 wurde Samuel Bateman zu 50 Jahren Haft verurteilt. Zu seinen Straftaten zählen die Anstiftung zur Verschleppung einer Minderjährigen zum Zweck krimineller sexueller Handlungen sowie die Anstiftung zur Entführung.

Doch das hindert Bateman nicht daran, seinen Einfluss weiterhin auszuüben. Am Ende der Dokumentation merkt Dretzin an, dass einige seiner Ehefrauen immer noch zu ihm aufschauen:

«Aus welchem Grund auch immer erlaubt ihm das Gefängnis, in dem er sitzt, so oft zu telefonieren, wie er will. So steht er täglich mit seinen Frauen in Kontakt. Das verschafft ihm immer noch zu viel Macht, da er nun zum ‹Märtyrer› geworden ist.»
Rachel Dretzin
Trust Me: The False Prophet
Auch noch vom Gefängnis aus hat Jason Bateman Einfluss auf einige seiner Frauen und Anhänger.Bild: netflix

Die ernüchternde Erkenntnis der Dokumentation ist, dass eine Inhaftierung allein den psychologischen Einfluss, den Personen wie Bateman ausüben, nicht brechen kann. Die überwiegende Mehrheit der Erwachsenen in seinem Umfeld ist ihm weiterhin treu.

Die vierteilige Dokumentation «Trust Me: The False Prophet» ist auf Netflix verfügbar.

Hier kannst du den Trailer schauen:

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10 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Hadock50
14.04.2026 21:10registriert Juli 2020
Dem Propheten Trump folgen seine Schäfchen auch brav und im blindem Gehohrsam, egal wie sehr er Ihr leben erschwert.
🤷‍♂️
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Händlmair
14.04.2026 20:30registriert Oktober 2017
Was schade ist, das nicht über das grosse Problem der Indoktrination und Konditionierung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gesprochen wird. Dieses Problem zieht sich weltweit durch alle Arten von Sekten und Religionen und führen zu Zwangsheirat, Genitalverstümmelung und zu einem Leben ohne persönliche Rechte und dies immer mit irgendwelchen Versprechen, die absolut niemals eingehalten werden können.

Sekten und Religionen sind etwas von verderblichsten, was Menschen erfunden haben.
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Mme P
14.04.2026 21:14registriert Juni 2020
Ich bewundere die beiden, dass sie dies jahrelang auf sich nahmen. Schutz vor Sekten wird viel zu selten angesprochen. Darum widme ich dem Thema immer einen Platz in meinem Unterricht. Quintessenz: man darf glauben, woran man will. Aber immer (immer!), wenn dir jemand sagt, dass du nur Menschen innerhalb der Bubble vertrauen kannst und alle anderen schlecht sind, dann solltest du dich schleunigst vom Acker machen.
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«Ich sehe uns schon mit Haus und Kindern, aber sie will es langsam angehen»
Hallo!
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