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Josh Brolin hilft Timothée Chalamet dabei, etwas vor etwas anderem zu retten.
Josh Brolin hilft Timothée Chalamet dabei, etwas vor etwas anderem zu retten.
Bild: Warner Bros.
Review

So ist das SciFi-Spektakel «Dune» (und Teil 2 hätte ich bitte gerne jetzt sofort!)

Denis Villeneuve löst alle Erwartungen ein und liefert Probleme im Weltraum, denen mit aller erdenklichen Schönheit und tollen Haaren begegnet wird.
14.09.2021, 20:0016.09.2021, 06:03

Der Planet glüht. Und der Planet lebt. Unter dem Wüstensand von Arrakis hausen bis zu 400 Meter lange Würmer, ihr Mund ist ein einziger Sturm aus Stacheln. Im Wüstensand selbst verbirgt sich eine Superdroge, das sogenannte «Spice», es ist gleichermassen LSD und Treibstoff, es lässt Menschen halluzinieren und ermöglicht Maschinen zu funktionieren. Es ist das Gold des Weltalls, abgebaut auf Arrakis, Gegenstand von Anbetung und Ausbeutung. Und genau hier, zwischen Würmern, Sand und Spice, liegt nun die Magie von Denis Villeneuves 165 Millionen Dollar teurer «Dune»-Verfilmung.

«Dune» ist sowas wie der grösste Mythos der Filmgeschichte, denn «Dune», der ersten Band des gleichnamigen Science-Fiction-Zyklus von Frank Herbert aus dem Jahr 1966, haben vor Villeneuve schon einige Regisseure nichtverfilmt. Die berühmteste Nichtverfilmung stammt vom Chilenen Alejandro Jodorowsky, der in den 70ern den Comiczeichner Moebius, H.R. Giger und Salvador Dalí für die Ausstattung gewinnen konnte. Im Cast hätten sich Udo Kier, Amanda Lear, Mick Jagger, Charlotte Rampling und Orson Welles befunden.

«Dune» 2021

Giger wurde mit der Erschaffung des bösen Planeten Giedi Prime, der von den fettleibigen, blutdurstigen Harkonnen bewohnt wird, beauftragt und ärgerte sich, dass er keinen Sex zeigen durfte: «Es war, als ob ich für Kinder zeichnen müsste.» Übrig geblieben sind seine «Harkonnen Chairs», erstaunlich bequeme Steampunk-Throne, die noch heute die Giger-Bars in Chur und Gruyères zieren. Jodorowskys «Dune» gelangte auch wie Ridley Scotts «Dune» und weitere Versuche nie in die Phase einer Realisierung.

Dafür schaffte es David Lynch 1984, es wurde ein surrealer, klamottiger Spass mit horrend schlecht gealterten Special Effects. Doch ein damals 27-jähriger Debütant mit beeindruckend vollem Haar spielte den schönen Prinzen Paul Atreides, der Arrakis von der Tyrannei böser Herrscherhäuser befreien und zum Frieden führen soll. Sein Name: Kyle MacLachlan.

«Dune» 1984

Dass jetzt Hollywoods amtierender Haupthaarkönig Timothée Chalamet Prinz Paul spielt, ist die deutlichste Liebeserklärung von Villeneuve an Lynch. Sonst macht Villeneuve alles wie Villeneuve. Wir kennen das ja aus «Blade Runner 2049». Es geht ihm bei Science Fiction nicht so sehr um die Science und ihre Gadgets. Es geht ihm vielmehr um die Welt, die von einer überbordenden Wissenschaftsanwendung hinterlassen wird. Um Wüsten. Deserts. In denen das Wort deserted, verlassen, auch enthalten ist. Um riesige Landschaften, die sich der Mensch selbst zum Feind gemacht hat, und die ihn jetzt mit jedem Atemzug zum Überleben herausfordern.

Die Zukunft bei Villeneuve hat den Menschen aufgegeben. Und was der Mensch errichtet, wird vernichtet. Was bleibt, sind Sterne. Und die glühen auch für sich alleine weiter. Für Villeneuve zählt das Organische, nicht das Technische, seine Raumschiffe sehen denn auch in «Dune» wieder aus wie schon in «Arrival», wie Eier, schwebende Wale oder Felsbrocken, der Wüstenplanet ist weich und wellig, ein goldenes Meer.

Seltene Aufnahme eines Sandwurmmauls.
Seltene Aufnahme eines Sandwurmmauls.
Bild: warner bros.

Für die Geschichte selbst nimmt sich Villeneuve unendlich viel Zeit, nämlich mehr als doppelt so viel wie Lynch, er erzählt das halbe Buch in zweieinhalb Stunden, während Lynch für das ganze weniger lang brauchte. Falls Villeneuves «Dune» kein Kassendebakel wird, können wir uns also im zweiten Teil noch auf sehr viel sehr Spektakuläres gefasst machen. Aber der Kinosturm dürfte kein Problem sein, denn «Dune» ist gemeinsam mit «No Time to Die» das gigantomanische Kinoversprechen dieser Saison, ein Film, dem man sich aussetzen muss und will. Hoch ästhetisch ins Auge geträufelt von Villeneuve, elegant ins Ohr gebrettert von Hans Zimmer.

Die Geschichte selbst geht so: Im Jahr 10191 wird Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac) die Verwaltung von Arrakis angetragen. Statt der Harkonnen soll er jetzt das störrische Wüstenvolk, die sogenannten Fremen, zur Drogenproduktion zwingen. Einfach netter als die Harkonnen. Zusammen mit seiner Geliebten Jessica (Rebecca Ferguson) und Sohn Paul packt er mehrere Umzugsraumschiffe, um von seinem nassen nebligen Planeten (er sieht aus wie Kanada bei schlechtem Wetter) nach Arrakis zu ziehen.

Paul, der allgemein als der Auserwählte gilt und eine Brücke zwischen Zeit und Raum, Vergangenheit und Zukunft schlagen soll, wird von einer sadistischen Hohepriesterin (Charlotte Rampling, die Jodorowskys Jessica gewesen wäre) auf sein Auserwähltsein geprüft, eine Szene, die sich noch mehr als bei Lynch in unseren Köpfen abspielt und heftigst an unsere Schmerzgrenzen rührt.

Wallendes Haar: So sieht es aus, wenn Chalamet von Zendaya träumt.
Wallendes Haar: So sieht es aus, wenn Chalamet von Zendaya träumt.
bild: warner bros.

Sein bester Freund Duncan (Jason Momoa) ist schon vorausgereist und berichtet den Ankommenden begeistert von den raffinierten Überlebensmethoden der Fremen. Derweil hat Paul immer wieder von einer jungen Fremen-Frau (Zendaya) geträumt, die womöglich noch schöner ist als er selbst. Das Gute? Es gibt sie wirklich. Und sie träumt von Paul. Und wir fragen uns ab Minute eins: Wann finden Chalamet und Zendaya endlich zusammen?

Doch lang bevor es so weit ist, müssen noch einige Kämpfe gefochten werden – auf Arrakis, aber auch auf dem schwarzen Todesplaneten Giedi Prime, wo Menschen für ein Bad des bösen Harkonnen-Barons (Stellan Skarsgard) ausgeblutet werden. Helden müssen sterben. Und Paul muss schleunigst damit aufhören, vom Spice beduselt irgendwelchen Visionen nachzuhängen und seinen Weg durch die Wüste zu den Fremen finden.

In diesen Schutzanzügen steckt enorm viel Wissen über das Rezyklieren menschlicher Körpersäfte. Ein Glück für Rebecca Ferguson, Zendaya, Javier Bardem und Timothée Chalamet (von links).
In diesen Schutzanzügen steckt enorm viel Wissen über das Rezyklieren menschlicher Körpersäfte. Ein Glück für Rebecca Ferguson, Zendaya, Javier Bardem und Timothée Chalamet (von links).
Bild: Warner Bros.

Paul ist ein nicht sehr williger Auserwählter, das macht ihn zugänglich, und Chalamet, der sich bekanntlich auf keinem roten Teppich aufhalten kann, ohne den Clown zu spielen, ist dafür ideal. Kein Messias, sondern einer, der von allen, die er eigentlich beherrschen sollte, sehr viel lernen muss. Denn die Macht – das lehren ihn die Würmer und die Fremen – ist nicht seine. Die Macht gehört der Wüste. «Desert Power» heisst das Zauberwort, das in den letzten Minuten des Film zu einem sekundenkurzen, witzigen Ereignis führt, das im zweiten Teil sehr wichtig werden wird.

«Dune» ist vieles: eine Meditation in Weltraumverschrottung; eine Mediation zwischen unserem Heute und einem angesichts der Klimakrise gar nicht so unmöglich scheinenden Übermorgen; ein romantisches Märchen; eine Überwältigungsorgie, wie sie nur das Kino schafft; ein Megaorgasmus für Beige-Fetischisten. Und vor allem die wundersam gelungene Verfilmung eines Buches, das sich bisher erfolgreich gegen so viele Versuche gesträubt hat.

«Dune» läuft ab dem 16. September im Kino. Auch in 3D.

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