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«Priscilla» im Kino: Als Prinz Elvis seine Prinzessin ersticken wollte

This image released by A24 shows Jacob Elordi as Elvis, right, and Cailee Spaeny as Priscilla, in a scene from "Priscilla." (Philippe Le Sourd/A24 via AP)
Im Film von Sofia Coppola sind Priscilla (Cailee Spaeny) und Elvis (Jacob Elordi) bei ihrer Hochzeit sehr schön und sehr ernst.Bild: keystone
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Elvis & Priscilla: Als der Prinz seine Prinzessin ersticken wollte

«Priscilla» von Sofia Coppola ist ein wunderschöner Film. Und zeigt die schmerzhafte, private Rückseite des Kults um den King.
22.12.2023, 18:00
Simone Meier
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Immer ist alles so langweilig. Nein, nicht im richtigen Leben, aber bei den Frauen der Regisseurin Sofia Coppola. Scarlett Johansson langweilt sich in einer durchsichtigen Unterhose in «Lost in Translation». Marie Antoinette kann in boring Versailles gar nicht anders, als zur Party-Queen zu werden. Elle Fanning langweilt sich in «Somewhere» ganz entsetzlich im Weltlieblingshotel aller drogensüchtigen Rich Kids, dem Chateau Marmont. Es liegt ein Fluch über dem Privilegiertsein, sagt uns Coppola, die dies ja wissen muss, unentwegt.

Und deshalb langweilt sich jetzt logischerweise auch Priscilla (die umwerfende Cailee Spaeny). Erst langweilt sie sich in Deutschland, dann in Graceland. Wieso? Aus dem langweiligsten Grund der Welt! Weil sie auf einen Mann wartet! Tage-, wochen-, jahrelang. Denn das ist die Geschichte von Elvis (Jacob Elordi) und Priscilla Presley, wie sie uns Sofia Coppola, unter tatkräftiger Mithilfe der echten Priscilla, erzählt.

Elvis Presley, Priscilla Presley, on their wedding day, May 1, 1967, at the Aladdin Hotel in Las Vegas, Nevada. File Reference 33635_853CPC Hollywood CA USA PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright:  ...
In Wirklichkeit waren die beiden am 1. Mai 1967 in Las Vegas zum Glück etwas ausgelassener. Und ihre Torte war wesentlich höher als die Filmtorte. Bild: imago stock&people

Damit wir uns richtig verstehen: Auch wenn Coppola hier wieder ihr einziges Fetisch-Thema bedient, so ist «Priscilla» mitnichten ein langweiliger Film, im Gegenteil! Er bildet die perfekte Kehrseite zu Baz Luhrmanns üppigem Musikepos «Elvis», in dem Priscilla gerade mal die Rolle eines vergnügten Beistelltischchens spielte.

Jetzt erfahren wir ihre Seite der 14 gemeinsamen Jahre mit Elvis. Sie beginnen, als Priscilla 14 und Elvis 24 ist. Als ihr Stiefvater und Elvis beide auf einer deutschen Militärbasis stationiert sind. Elvis ist bereits ein Weltstar, Priscilla ein Kind, ein Unschuldslamm im rosa Angora-Flausch, «you're a baby», sagt er, «thanks», sagt sie. Ein scheueres Geschöpf als die kleine Amerikanerin kann man sich nicht vorstellen, der Soldat Elvis sieht in ihr ein unschuldiges, unversehrtes Stück Heimat, sie in ihm ihr Idol und ihren Erlöser.

Der Trailer

Es ist eine komplett unwahrscheinliche Liebesgeschichte und doch eine wahre, er muss nach Amerika zurück, sie bleibt in Deutschland, träumt von ihm und liest in den Illustrierten, mit welchem Star er gerade wieder eine Affäre haben soll. Mit 17 darf sie ihn besuchen, ihr Koffer ist voller Rosa, sein Schlafzimmer ganz in Schwarz und Gold, nachts gibts eine Schlaftablette, zum Frühstück Amphetamine, das war wirklich so, und Sex will er keinen.

Mit 18 zieht sie zu ihm, schleppt sich in der tabletteninduzierten Wachphase in eine katholische Mädchenschule und lässt sich sonst durch das Tor von Graceland von Elvis-Fans begaffen. Freundinnen hat sie keine, und da sind wir auch schon mittendrin im Coppola-Trauma des poor little rich girl, dem nur ein kleiner weisser Pudel als Spielgefährte bleibt.

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Deutschland, 1959: Elvis nimmt zum ersten Mal Abschied von Priscilla.Bild: www.imago-images.de

Sieben Jahre nach dem ersten Kuss macht Elvis ihr einen Heiratsantrag. Es wird eine Las-Vegas-Hochzeit. Die echte Priscilla besteht darauf, als Jungfrau in die Ehe gegangen und in der Hochzeitsnacht schwanger geworden zu sein, Elvis-Biografen bezweifeln das, Coppola hält sich an Priscillas Version, denn nur so kann sie ihre Lieblingsgeschichte, nämlich die eines prächtigen Vakuums, einmal mehr in aller Schönheit erzählen. Die Geschichte einer Frau, die sich als Päckli fühlt, das zu gerne endlich mal ausgepackt werden möchte.

Elvis und Priscilla sind bei Coppola mehr Spielgefährten als Liebespaar. Sein Freizeit- und Schlafzimmerverhalten ist enorm unreif, fast ewigkindlich, er liebt es, mit einem Rat Pack von fünf omipräsenten Freunden Blödsinn zu machen, und selbst wenn er mit Priscilla Kleider kaufen geht, sind sie dabei.

Überhaupt ist Shoppen statt Ficken sein Motto, er gönnt Priscilla alles, selbst farblich zu ihren Kostümen (Chanel hat mitgeholfen, wer sonst) abgestimmte Revolver und ein Cabrio, bloss sich selbst spart er immerzu auf. Für «die vielen Frauen da draussen», die einen Teil seiner «Gabe» wollen, wie er sagt. Priscilla ist seine kleine Puppe, er bestimmt ihr Make-up, ihre Haar- und Kleiderfarbe, dann ist er wieder weg, dreht seine Filme, macht seine Konzerte, führt sein Leben als Sexidol, sie bleibt zurück. Ohne seine Musik, aber mit seinen Initialen auf jedem Teppich.

RECORD DATE NOT STATED PRISCILLA, from left: Jacob Elordi, Cailee Spaeny, director Sophia Coppola, on set, 2023. ph: Sabrina Lantos / A24 /Courtesy Everett Collection PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY
Elordi, Spaeny und Sofia Coppola (von links) beim Drehen auf der Rollschuhbahn.Bild: www.imago-images.de

Für einen Film, der im Musikbusiness spielt, ist «Priscilla» ein erstaunlich stiller, intimer Film. Und wenn Musik erklingt, dann ist sie nicht von Elvis, sondern von Brenda Lee, den Ramones oder Dolly Parton. Elvis ohne seine Musik – das ist der Kaiser ohne seine Kleider. Mal süss, mal verrückt liebenswert, mal lustig (die Bettszene unter LSD!), oft verunsichert und allzu oft ein egomanes Arschloch, das zunehmend zu Gewalt neigt.

Coppolas Blick auf Elvis und Priscilla ist nostalgietrunken, was Ausstattung und Farbwahl betrifft, ist alles, wovon Lana Del Rey jemals geträumt hat. Auf der narrativen Ebene changiert die Regie zwischen schmerzhaft exakt und frei nachempfunden, aber über allem ist sie absolut und hochemotional parteiisch. Niemals war man so erleichtert, dass es eine Frau endlich schafft, Braun (eine der von Elvis verbotenen Farben) zu tragen, wie am Ende von «Priscilla».

Elvis ist tot. Priscilla hat ihn noch vor ihrem dreissigsten Geburtstag verlassen, was ihre Rettung war. Aus einem Märchen, in dem ein zerfallender Prinz versucht, die Prinzessin unter einem Berg von schönen Kleidern und falschen Wimpern zu ersticken.

«Priscilla» läuft ab dem 26. Dezember im Kino.

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15 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DichterLenz
22.12.2023 18:07registriert Juni 2017
Priscilla gehört natürlich zu Frank Drebin!
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Mirabella
22.12.2023 21:24registriert November 2020
Spannend auch die Verbindung der beiden Familien Presley und Coppola: War doch Nicolas Cage (Coppola) mit der Tochter von Elvis, Lisa Marie, verheiratet.
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