«Badass Badran»: SP-Politikerin spricht in Podcast über Kosenamen, Swifties und Feminismus
«Jaja, ich komme», mit diesen Worten soll Jacqueline Badran die Anfrage vom Podcast-Duo von «Die Thronfolge» beantwortet haben. Für ihre 52. Folge haben Karin Bearpark und Dara Masi die SP-Politikerin auf den Thron eingeladen. Dabei sprachen sie mit der 64-Jährigen über geschminkte Frauen, das «verschätzelt sein» und Taylor Swift.
«Die Thronfolge» gilt eigentlich als sogenannter Laberpodcast. Es wird über Sex, Geschlechtskrankheiten und Lästereien gesprochen. Politik wird dabei eigentlich nie zum Thema. Der Grund, wieso Badran trotzdem im Podcast zu hören war, ist, dass vor etwa einem Jahr bereits Andreas Glarner auf dem Thron sass. Mit dem SVP-Nationalrat wurden die ehemaligen Energy-Moderatorinnen «es bitzli politisch», sprachen mit ihm aber auch über Sex. Genauer über seine Lieblingssexstellung. Dabei hat seine Aussage, dass sein Sexleben auch noch mit über 60 «Ja, super, ja würkli, jaja» sei, für Schlagzeilen gesorgt. Für Badran eine Aussage, die «zum Kotztüten verteilen» war.
Nach dem Interview mit Glarner gab es für das Podcast-Duo viel Kritik. Nicht nur, weil sie ihm überhaupt eine Plattform boten, sondern auch, weil viele der Meinung waren, dass sie den Politiker genau das tun liessen, worauf er abzielt: seine Ansichten verharmlosen. Darum wünschten sich viele der Zuhörerinnen und Zuhörer daraufhin ein Interview mit einer linken Politikerin oder einem linken Politiker.
«Schminke ist schlecht für die Haut, das gilt auch für euch»
Die Kritik ihrer Fans schienen Masi und Bearpark in der neusten Folge ernst genommen zu haben. So boten sie Badran bereits im ersten Themenblock die Stirn. Dabei sprach die SP-Politikerin davon, dass jungen Frauen eingeredet werde, dass «ein Smoothie und Yoga» ihnen helfe, glücklich zu sein. Badran ist aber der Meinung, dass man diesen Frauen stattdessen zeigen sollte, wie die Politik wirklich etwas im realen Leben verändern könne. Das «Smoothie-Yoga»-Mindset würde nur der Konsumgesellschaft dienen.
In einem Nebensatz dazu macht die Politikerin dann folgende Aussagen: «Ich habe junge Frauen, die mit der Schule zu uns kommen, und die haben riesige Wimpern und sind so geschminkt. Das ist übrigens schlecht für die Haut. Das gilt auch für euch.» Dabei spielt sie auf die geschminkten Gesichter von Dara und Karin an.
Das liessen die beiden aber nicht auf sich sitzen und argumentierten sofort, dass es unterdessen Schminke mit pflegenden Inhaltsstoffen gebe. Etwas, was Badran als «Scheiss» abtut und offensichtlich belächelt. Bearpark gibt daraufhin trocken zurück: «Das Rauchen tut der Haut auch nicht gut.» Badran ist seit Jahren als rauchende Politikerin bekannt.
«Ich liebe Fleisch»
Im gleichen Themenblock diskutieren die drei auch darüber, warum einige Frauen sich gerne um ihr Aussehen kümmern. Bereits ein erster Blick auf die verfilmte Folge zeigt, dass Masi und Bearpark genau zu diesen Frauen gehören: Perfekt geschminkt, mit gemachten Nägeln und Netzstrumpfhose oder Bling-Bling-Ringen sitzen die beiden in ihren Sesseln. Daneben bildet Badran im Hoodie und in Jeans einen grossen Kontrast. Doch genau wegen ihres Aussehens kämpfen die Podcasterinnen auch immer wieder mit Vorurteilen. À la: Geschminkte Frauen können nichts auf dem Kasten haben.
Dieser Aussage widerspricht Badran zwar, aber sie sagt auch: «Wenn man nicht aufs Aussehen reduziert werden will, sich aber ständig ums Aussehen kümmert, dann ist das ambivalent.» Karin fragt daraufhin, ob Badran damit die These von Männern bestätigt, dass sich eine Frau nicht wundern muss, wenn sie einen kurzen Rock trägt und ein Mann darauf entsprechend reagiert. Darauf antwortet Badran:
Weiter unterstreicht die Politikerin aber, dass dies keine Entschuldigung dafür sei, solche Frauen dann anzugrapschen. Zudem erklärt sie: «Wir Menschen sind voller Widersprüche und das ist okay. Ich zum Beispiel liebe Fleisch, obwohl ich weiss, wie schlecht es ist. Wir müssen zu unseren Widersprüchen stehen.»
«Ich habe absolut null FOMO»
Ähnlich widersprüchlich findet Badran auch Social Media. Zum einen sieht sie, dass die sozialen Netzwerke durchaus zur Community-Bildung beitragen, sie hinterfragt aber gleichzeitig, wie «echt» diese Communities sind. Als Beispiel nennt sie dazu die Swifties, die Fangemeinschaft von Taylor Swift. Wieder eine Aussage, die bei den beiden Moderatorinnen aneckt, die sich offensichtlich selbst als Fans der Sängerin sehen.
So sind sie der Meinung, dass eine solche Fan-Bewegung Menschen viel geben kann – gerade jungen Frauen. «Ich kann mich mit den Swiftie-Werten sehr identifizieren. Alle Frauen miteinander gegen das Patriarchat. Wir schenken uns Freundschaftbänder und tanzen. Das ist befreiend», erklärt Bearpark. Für Badran ist das aber «zu fake». Sie wünscht sich mehr «real stuff» und nicht die Vergötterung einer Milliardärin.
Gegen Ende der fast zweistündigen Podcast-Folge kommen die drei aber wieder auf gemeinsamen Boden. Sie besprechen unter anderem die Wohnungspolitik von Badran und wie Frauen dafür sorgen können, einen «Safespace» zu kreieren. Zudem verrät Badran, dass sie mit ihrem Partner auch absolut «verschätzelt» sein kann, in Babysprache mit ihm spricht und sie mindestens zwölf Kosenamen für ihn hat. Welche diese sind, verrät sie jedoch nicht.
Ganz zum Schluss versucht Bearpark dann doch noch eine Sexfrage einzubringen, als Badran meint, dass sie in ihrer Jugend «sehr experimentell» gewesen sei. Bei diesem Anstoss erkundigt sich die Moderatorin, ob diese Zeit auch «sexuell experimentell» war. Die Politikerin lässt sich aber nicht darauf ein, winkt ab und meint einfach: «Es ist gut, wenn man als junger Mensch sein Leben lebt. Ich habe in meinem Alter darum absolut null FOMO.» FOMO bedeutet fear of missing out, also die Angst davor, etwas zu verpassen.
