Musig im Pflegidach

Aaron Parks & Will Vinson @ Musig im Pflegidach, Muri

Aaron Parks & Will Vinson @ Musig im Pflegidach, Muri

Wenn Freundschaft klingt

Einmal im Jahr findet das Pflegidach-Konzert nicht am üblichen Ort statt, sondern im akustischen Caspar Wolf Saal. Rund 70 Zuschauerinnen und Zuschauer waren anwesend. Ich selbst bin ein Neuling im Jazz und habe deshalb nicht besonders viel Fach- oder Vorwissen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, möchte ich euch an dieses bezaubernde Konzert mitnehmen und erzählen, wie ich diesen Abend erlebt und empfunden habe.
15.02.2026, 09:3317.02.2026, 09:33
noe bösch

Schon der Ort machte den Abend aussergewöhnlich. Der Caspar Wolf Saal ist ein sehr eindrucksvoller und durchdachter Raum. In seinem Innern fällt direkt sein skulpturales Dach auf: ein freispannendes Falttragwerk von über sechzehn Metern. Der Innenraum ist mit einem geometrischen Holzrelief ausgekleidet, welches den Ton trocken macht. Somit fühlt man sich wie in einem professionellem Tonstudio, da die Musik in dem Raum genauso gut klingt: klar und eindrucksvoll. Das Publikum sass in zwei Stuhlreihen rund um die Musiker, was eine vertraute, persönliche und beinahe intime Atmosphäre schuf. Man hatte das Gefühl, nicht nur zuzuhören, sondern wirklich Teil des Konzerts zu sein.

An diesem Abend spielten Aaron Parks am Klavier und Will Vinson am Saxofon ein Duett. Die beiden Musiker verbindet eine lange und enge Freundschaft, trotzdem war es erst ihr zweites Duett überhaupt. Sie wurden mit herzlichem Applaus begrüsst, und bevor der erste Ton gespielt wurde, erzählten sie von ihrer Freundschaft, machten lockere Witze und sorgten für eine entspannte und warme Stimmung. Man spürte sofort, dass dieser Abend nicht steif oder distanziert werden würde.

Das Konzert begann mit dem Song „Boogloo“. Er startete mit Schnipsen, was die Stimmung sofort auflockerte. Die Musik wirkte fröhlich, lebendig und verspielt. Besonders auffällig war, dass Aaron Parks Mundgeräusche machte, die zuerst fast wie ein leises Schlagzeug klangen. Später wurden diese Geräusche zu einem Summen, das sich wie eine zusätzliche Stimme zum Klavier anfühlte. Die beiden Musiker wechselten sich mit Solos ab, und man merkte, wie gut sie aufeinander abgestimmt waren. Im Publikum wurde die Musik sichtbar genossen, und auch Stephan Diethelm, der Organisator von Pflegidach, sass sichtbar stolz und lächelnd da und wippte mit.

Hinweis
Der Autor ist Schüler an der Kantonsschule Wohlen. Im Rahmen ihresDeutschunterrichts verfassen die Schülerinnen und Schüler auch Konzertberichte,die in die Note einfliessen.

Die Musik wirkte ruhig und zugleich lebendig. Aaron Parks und Will Vinson spielten mit feinen, aufeinander abgestimmten Klängen, die eine warme und harmonische Stimmung schufen. Mal sanft, mal lebhaft, reagierten sie aufeinander wie in einem Gespräch und man spürte ihre langjährige Freundschaft in jedem Ton. Die Musik bewegte den Raum, erzeugte Nähe und trug eine einzigartige Harmonie in sich, die den Abend besonders und unvergesslich machte.

Der Song „Afterglow“ war besonders schön. Er war emotional sehr berührend und die Musik wirkte ruhig, weich und sehr gefühlvoll, fast wie ein Abendlied. Es klang wie Musik für einen romantischen Moment, als wäre man frisch verliebt und hätte nur Augen für eine einzige Person. Genau dieses Stück würde man sich an einem romantischen Abend wünschen. Der Song baute sich langsam auf und endete in einem intensiven und bleibenden Höhepunkt.

Aaron Parks & Will Vinson - "You Won't Forget Me" @ musig im pflegidach goes Caspar, Muri

Zwischen den einzelnen Liedern gab es immer wieder kurze Gespräche, kleine Witze und spontane Absprachen, welches Stück als Nächstes gespielt wird. Alles wirkte sehr locker, improvisiert und natürlich. Im Publikum wurde viel gelacht, und die Stimmung blieb durchgehend angenehm und offen. Man sah vor allem bei den Solos Augenkontakt zwischen Aaron Parks und Will Vinson. Sie lächelten sich an und die tiefe musikalische und persönliche Verbindung war spürbar.

Nach dem siebten Song verliessen die Musiker kurz den Saal, kamen jedoch bald wieder zurück und spielten noch zwei weitere Stücke. Der letzte Song war „Goodbye“. Er erinnerte an etwas, das einmal sehr schön war, aber nun vorbei ist. Der Abschluss war sanft, ruhig und sehr passend für diesen Abend.

Während des gesamten Konzerts wurde immer wieder deutlich, wie wichtig die Freundschaft zwischen den Musikern und Diethelm ist. Diethelm organisiert Pflegidach mit viel Engagement und Leidenschaft, und man merkt, dass zwischen ihnen grosses Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung besteht. Will Vinson sagte in einem Gespräch: “All of the people that live here and don’t completely hate jazz should be grateful for having something so great in front of their doorsteps. This is the best place in the whole world for jazz. Stephan really built up something great.” („Alle, die hier wohnen und Jazz nicht völlig ablehnen, sollten dankbar sein, etwas so Großartiges direkt vor ihrer Haustür zu haben. Dies ist der beste Ort der Welt für Jazz. Stephan hat wirklich etwas Großartiges aufgebaut.“)

Am Ende des Abends blieb bei mir ein ruhiges, dankbares Gefühl zurück. Man spürte, dass nicht nur das Publikum dankbar war, sondern auch die Musiker selbst. Dankbar für den besonderen Ort, für die intime Atmosphäre und vor allem für Diethelm, der diese Konzerte möglich macht und damit einen Raum schafft, in dem Musik, Freundschaft und Nähe zusammenkommen.

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quelle: patrick britschgi
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