Die Editors haben ihr neues Album in einem ländlichen HochzeitsIdyll aufgenommen. Es klingt trotzdem düster und digital
Für «In Dream» sind die Editors in die Schottischen Highlands gefahren. In einer renovierten, abgelegenen Farm hat die Band ihr fünftes Album aufgenommen – zum ersten Mal in Eigenregie. Das Häuschen in den Highlands bietet neben Pop-Musikern auch häufig Hochzeiten ein kitschigländliches Zuhause. Die Editors haben sich ein wenig vom Kitsch abgeschaut. Und das will nicht immer passen.
Das düstere «No Harm» ist eines der stärksten Stücke des Albums. Hier eine Kostprobe:
Der erste Song des Albums ,«In Harm», war auch die erste Single – zu Beginn veröffentlicht als Hidden Track auf einer Labelcompilation. Gelungener Electropop im 80er Gewand, mit ziemlich düsterem Text: «I'llboil easier than you / Crush my bones into glue / I'm a gogetter«, beginnt Frontmann Tom Smith. Ganz so düster wird's danach nicht mehr.

Die starken Songs auf «In Dream» sind diejenigen, welche authentisch und dramatisch nach den 80ern klingen. Neben der ersten Single überzeugen auch «Forgiveness» oder die anderen Singles «Marching Orders» und «Life is a Fear». Und der Refrain von «Salvation» klingt nach Kathedrale, Katharsis und Drama – ganz im Stil von Falcos «Jeanny».
«In Dreams» soll laut Sänger Smith «beides sein, Pop und experimentelle Musik». Die Editors haben in der Natur der Highlands mehr mit Synthesizern als mit Gitarren gespielt (so wie auch für «In This Light and on This Evening»). Die Sounds klingen gut, teilweise überraschend und harmonieren mit Smiths Gesang – der immer noch nach Ian Curtis von Joy Divison klingt. Und auch die Gast-Stimme von Rachel Goswell (Slowdive) ergänzt Smith stark, zum Beispiel mit dem Frage-Antwort-Spiel in «The Law».
(Die Gitarren sind derweil so weit verschwunden, dass man sich fragt, ob der Editors Gitarrist Justin Lockey deswegen mit Goswell von Slowdive und Mitgliedern von Mogwai und Hand Held Cine Club eine neue Band gegründet hat.)
27. Nov. – Les Docks, Lausanne
13. Dez. – Xtra, Zürich
Alle Tourdaten von den Editors gibts hier
Ganz so eindrücklich wie hier sind den Editors aber nicht alle Songs gelungen. Ab und an bleibt das 80er-Gefühl oberflächlich oder die Experimente sind nicht geglückt. «Ocean of the Night» wirkt auf dem Album Fehl am Platz: Die Trommeln irritieren unter den restlichen elektronischen Drum-Sounds und der Song ist kitschig und dafür nicht gut genug gelungen. Zu den weiten, grünen Feldern der Highlands mag er passen – zu den anderen Songs auf «In Dreams» nicht.
Auch andere Songs, wie «Our Love», überzeugen nur zur Hälfte. Was als cooler 80er Beat beginnt, endet in einem etwas klassischen StadionHit: Schrummelgitarre, Klavier mit viel Hall und Vier-Viertel-Bass-Drum.
Dazu die Refrainzeile «Don't Stop Believing» in Endlosschlaufe. Nach Journey funktioniert das wahrscheinlich nicht nochmals so gut:
Die Editors spielen mit vielen verschiedenen Elementen – mit einigen schreiben sie Hits, andere wirken deplatziert oder etwas schal. Das mag daran liegen, dass die Band nach dem Abgang ihres alten Gitarristen Chris Urbanowicz noch nicht wieder ihre musikalische Heimat gefunden hat. (Vermutlich liegt sie irgendwo in den 80ern.) Obwohl «In Dream», so wie ihre anderen Alben, durchaus typisch nach den Editors klingt.
