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Moralapostel vs. Mia Khalifa

Such-Traffic nach Mia Khalifa explodiert – und nun raten Sie mal, woher die meisten Anfragen kommen



21 Jahre alt, amerikanische Studentin mit libanesischen Wurzeln und Pornostar: Mia Khalifa ist mittlerweile nicht nur unter Freunden frivoler Filme ein Begriff. Der Football-Fan wird im Internet dafür gefeiert, dass sie sich gegen moralinsaure Twitter-Trolle zur Wehr setzt.

Nach diversen Medienberichten und Tweets, wie dem obigen, ist klar, dass die junge Frau «klug, witzig und sexy» ist. 

Ironie ist Trumpf: «Pornhubs Nummer 1 Mia Klhalifa präsentiert 14 sexy Fakten über den Libanon».

Oder wie es dieser Herr ausdrückt:

«Abends setze ich mich immer mit einem Tee hin und lese Mia-Khalifa-Tweets, um die Kurven des Tages zu sehen. Es erfüllt mich wirklich mit Freude.»

Sogar ein Song wurde ihr zu Ehren schon komponiert. 

Das Beste aber ist, dass die Moralapostel sich mit ihren Drohungen ins eigene willige Fleisch geschnitten haben: Die Nachfrage nach Mias Filmen ist explodiert. Mitte Dezember gab es auf «Pornhub» noch keine 50'000 Suchanfragen täglich. Danach schnellte die Zahl jedoch auf 1,2 Millionen am 7. Januar hoch, berichtet Bild.

Dabei ist besonders spannend, woher die (neuen) Zuschauer kommen: Ein Viertel aller Anfragen stammt aus ihrem Geburtsland, dem Libanon. Platz zwei und drei belegen mit 16,8 und 12,9 Prozent Syrien und Jordanien. Taiwan und Ägypten (11,8 und 10,1 Prozent) runden die Top 5 ab.

Mia Khalifa

Während einige dieser Zuschauer wohl mehr Gefallen an Khalifas Arbeit finden, als sie öffentlich  zugeben, hat ihre Verwandtschaft gar keine Freude daran.

Familie ignoriert Mia

«Niemand aus meiner Familie spricht mit mir», gestand die junge Frau gegenüber Newsweek. Ihre Eltern seien «extrem streng, herrisch und sehr konservativ – sie haben sich der amerikanische Kultur angepasst, indem sie sich an die Republikaner geklammert haben».

Laut Lebanese Examiner gab es im Libanon mehre kritische Artikel über die Darstellerin. Khalifa selbst sagte «Newsweek», sie fühle sich schuldig, den Namen ihrer Familie in den Dreck gezogen zu haben. Sie wolle nicht, dass ihre Verwandten belästigt werden, aber auch nicht klagen. «Weil ich diese Wahl selbst und bewusst getroffen habe.»

Doch das Problem sind nicht allein ihre christlich-nationalen Tattoos und/oder ihre Arbeit sondern das Verhältnis von Mann und Frau in der libanesischen Gesellschaft.

Prostitution wird im Libanon «ausgelagert»

Die libanesisch-amerikanische Autorin, Sulome Anderson, hat eine gute Erklärung für den Aufruhr um den Pornostar. In Foreign Policy erklärte sie das System der legendären Partys in Beirut, dem «Paris des Nahen Ostens»: Viele Frauen werden für solche Partys extra aus Osteuropa eingeflogen.

U.S. heiress Paris Hilton, center, arrives to host a party in Beirut, Lebanon, early Saturday, July 4, 2009. (AP Photo/Grace Kassab)

Paris Hilton schmeisst 2009 eine Party in Beirut. Bild: AP

epa01349373 Lebanese soldiers secure the area at a candle light vigil of supporters of Syrian Social National Party at Hamra street in Beirut, Lebanon, 18 May 2008. Eleven members of the Syrian Social Nationalist Party were killed in fierce clashes in north Lebanon.  EPA/WAEL HAMZEH

Strassenszene in Beirut: nackte Ausländerinnen, brave Libanesinnen. Bild: EPA

Die dortigen Männer würden das begrüssen: Dieses System beschützt vermeintlich libanesischen Frauen. Die Ausländerinnen erinnern so nicht an die eigene Verwandtschaft, doch genau dieses Tabu habe Mia Khalifa nun gebrochen.

Schwierige Selbstbestimmung

Libanesischen Frauen gehören bei dieser Gleichung freilich auch zu den Verlierern, verdeutlicht Dr. Sandrine Atallah, eine Spital-Betreiberin aus Beirut. «Wenn sie für ihren Mann oder Freund sexy sein sollen, gibt es eine unausgesprochene Aufforderung, nicht zu sexy zu sein», sagte sie Cosmopolitan. Oder erfahren im Bett, aber auch keine Schlampe. Die Quadratur des Kreises.

«Frauen sind da in diesem schweren Spiel gefangen. Und jemand wie Mia Khalifa gefährdet die Macht, die Männer über solche Frauen haben.» Diese wollten nicht, dass Frauen selber wählen – auch wenn es um Orgasmen gehe. So erkläre sie sich auch die Beschneidung von Frauen in Teilen Afrikas.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Tomlate 11.01.2015 23:55
    Highlight Highlight Nun...durch die Beiträge hier werden die Suchanfragen sicherlich nicht weniger ;-)
  • 足利 義明 Oyumi Kubo 10.01.2015 23:35
    Highlight Highlight Das einzige was männlich an diesen Halbenuchen mit dem Halbmond ist, sind ihre schütteren Bärte.

    Ich hoffe die Frauen dort stehen endlich auf und beharren auf ihren Rechten gegenüber diesen eierlosen Nonos.

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