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Neue Epstein-Files: Was bisher bekannt ist, in 3 Punkten

FILE - Documents that were included in the U.S. Department of Justice release of the Jeffrey Epstein files are photographed Friday, Jan. 2, 2026. (AP Photo/Jon Elswick, File)
Justice Department Jeffre ...
Das US-Justizministerium hat etliche weitere Ermittlungsakten zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht.Bild: keystone

3 Millionen neue Epstein-Seiten: Was wir bisher wissen

Das US-Justizministerium hat am Freitag gemäss eigenen Aussagen mehr als drei Millionen Seiten an Dokumenten im Zusammenhang mit seinen Ermittlungen gegen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein veröffentlicht. Es handelt sich um die bislang umfangreichste Sammlung von Jeffrey-Epstein-Akten. Was wir bisher dazu wissen.
31.01.2026, 09:4331.01.2026, 14:14

Der Umfang

Das US-Justizministerium veröffentlichte am Freitag etwa drei Millionen Seiten, 2000 Videos und rund 180'000 neue Bilder aus den sogenannten «Epstein-Files». Die Seiten bestehen aus E-Mail-Konversationen, Textnachrichten, Nachrichtenartikeln, internen Untersuchungsberichten und anderem Material im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein.

Deputy Attorney General Todd Blanche takes a question from a reporter during a news conference after the Justice Department announced the release of three million pages of documents in the latest Jeff ...
Der stellvertretende Justizminister Todd Blanche bei der Pressekonferenz.Bild: keystone

Darunter sei auch pornografisches Material, das Epstein besessen, aber nicht selbst aufgenommen habe, sagte der stellvertretende Justizminister Todd Blanche bei einer Pressekonferenz. Auffällig: Pam Bondi, Justizministerin, war nicht anwesend. Sie war jüngst Kritik des Weissen Hauses ausgesetzt.

Blanche sagte, das Ministerium habe die Bilder aller Frauen in den Akten bis auf Ghislaine Maxwell, die langjährige Lebensgefährtin und Mitarbeiterin von Herrn Epstein, die wegen Sexhandels verurteilt wurde, unkenntlich gemacht.

Ob das Material neue Erkenntnisse in dem Fall bringt, war unmittelbar nach der Veröffentlichung auf der Homepage des Ministeriums noch unklar. Inzwischen sind dort elf Datensätze abrufbar. Mit der jüngsten Veröffentlichung sei die Sichtung und Überprüfung der Unterlagen beendet, sagte Blanche weiter. Das Ministerium sei damit nun seiner Verpflichtung nachgekommen. Die neu hochgeladenen Akten umfassen erneut auch E-Mails und Gerichtsdokumente.

Der Kongress hatte die Freigabe im November angeordnet, und Präsident Trump unterzeichnete das Gesetz, obwohl er es ursprünglich abgelehnt hatte – er wolle den Vorwürfen und Spekulationen rund um den Fall ein Ende setzen. Die letzten Dokumente trafen Wochen nach Ablauf der vom Kongress gesetzten Frist am 19. Dezember ein.

Die Reaktionen

Gemäss Blanche sind dies nun die letzten Dokumente, die diesbezüglich veröffentlicht würden. Kritiker, darunter zahlreiche Demokraten, monieren hingegen, dass noch immer vieles unter Verschluss gehalten werde.

Die Demokraten argumentieren, dass das Ministerium zu viele Dokumente – möglicherweise rund zweieinhalb Millionen – ohne angemessene Begründung zurückgehalten habe. Der demokratische Kongressabgeordnete Ro Khanna, der gemeinsam mit dem republikanischen Kongressabgeordneten Thomas Massie den Epstein Files Transparency Act vorangetrieben hat, äusserte sich skeptisch:

«Das Justizministerium gab an, über 6 Millionen potenziell relevante Seiten identifiziert zu haben, veröffentlicht aber nach Überprüfung und Schwärzungen nur etwa 3,5 Millionen. Das wirft die Frage auf, warum der Rest zurückgehalten wird. Ich werde genau prüfen, ob sie das veröffentlichen, worauf ich gedrängt habe: die Aussagen der Opfer aus den FBI-302-Vernehmungsprotokollen, ein Anklageentwurf und ein Strafverfolgungsmemorandum, die während der Ermittlungen in Florida im Jahr 2007 erstellt wurden, sowie Hunderttausende E-Mails und Dateien aus Epsteins Computern.»
Rep. Ro Khanna, D-Calif., speaks at a Martin Luther King Jr. Day commemoration at the South Carolina Statehouse Monday, Jan. 19, 2026, in Columbia, S.C. (AP Photo/Meg Kinnard)
Ro Khanna
Ro Khanna.Bild: keystone

Scharfe Kritik von Opfern

Eine Gruppe von Epstein-Opfern veröffentlichte eine Erklärung mit scharfer Kritik am Justizministerium: Es würden die Namen der Opfer genannt, während es in einigen Fällen die Namen der Beschuldigten schwärzte.

«Die jüngste Veröffentlichung der Akten zu Jeffrey Epstein wird als Transparenz verkauft, aber in Wirklichkeit werden damit die Überlebenden blossgestellt», heisst es in der Erklärung. «Wieder einmal werden die Namen und identifizierenden Informationen der Überlebenden offengelegt, während die Männer, die uns missbraucht haben, im Verborgenen bleiben und geschützt werden. Das ist empörend.»

Donald Trump

Die Dateien enthalten mindestens 4500 Dokumente, in denen US-Präsident Trump erwähnt wurde, berichtet die «New York Times». Eines davon ist demnach eine Zusammenfassung, die FBI-Beamte im vergangenen Sommer aus mehr als einem Dutzend Hinweisen von Bürgerinnen und Bürgern zusammengestellt hatten, die Trump und Epstein betrafen.

Es ist gemäss NYT unklar, warum die Ermittler diese Zusammenfassung erstellt hätten. Diese beinhaltet unbestätigte Vorwürfe sexuellen Missbrauchs durch Epstein – und auch durch den amtierenden US-Präsidenten. Die Unterlagen enthalten allerdings keine bestätigenden Beweise.

Besonders brisant ist ein File, das zur E-Mail-Korrespondenz eines Agenten der Taskforce gegen Kinderausbeutung und Menschenhandel gehört. Darin werden diverse Vorwürfe gegen Jeffrey Epstein gesammelt – und auch der Name Donald Trump taucht an vielen Stellen auf.

Ob die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen und wie weit sie untersucht wurden, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt. Meidas+ schreibt dazu: «Wir wissen nicht, inwieweit diese Hinweise bestätigt oder nicht bestätigt wurden oder ob sie vollständig untersucht wurden. Was wir wissen, ist, dass das Justizministerium das Dokument, kurz nachdem es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden war, gelöscht hat. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf, diese Informationen zu sehen und zu erfahren, warum sie entfernt wurden.»

Das gelöschte Dokument:

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Epstein-Files vom 30.01.2026
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Trump hat jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein stets bestritten. Auf eine Bitte um Stellungnahme der NYT verwies das Weisse Haus auf eine öffentliche Erklärung des Justizministeriums. Darin hiess es, die Dokumente vom Freitag enthielten «möglicherweise gefälschte oder fälschlicherweise eingereichte Bilder, Dokumente oder Videos». Ausserdem hiess es, dass einige der Dokumente falsche Behauptungen gegen Trump enthielten, die vor den Wahlen 2020 beim FBI eingereicht worden seien.

Andere bekannte Namen

Die Veröffentlichung der Akte brachte bisher unbekannte finanzielle Verbindungen und soziale Beziehungen zwischen Epstein und prominenten Persönlichkeiten in den USA und Grossbritannien ans Licht. So schreibt es der britische «Guardian» in einer ersten Zusammenfassung.

Die wichtigsten:

  • Elon Musk: Die Verbindungen zwischen Musk und Epstein scheinen enger gewesen zu sein als bislang bekannt. Eine E-Mail-Korrespondenz zwischen Epstein und Musk aus dem Jahr 2012 scheint zu zeigen, dass der reichste Milliardär der Welt auf die Frage «Wie viele Personen werden mit dem Hubschrauber auf die Insel kommen?» mit «An welchem Tag/in welcher Nacht findet die wildeste Party auf unserer Insel statt?» antwortet. Das berichtet unter anderem der «Guardian».
  • Howard Lutnick, Trumps Handelsminister: Aus den Dokumenten geht auch hervor, dass Howard Lutnick, Trumps Handelsminister, im Dezember 2012 einen Besuch auf Epsteins Privatinsel geplant hatte, obwohl er letztes Jahr behauptet hatte, dass er und seine Frau um 2005 von Epstein so «angewidert» gewesen seien, dass sie beschlossen hätten, «nie wieder mit diesem ekelhaften Menschen in einem Raum zu sein».
    Einen Tag nach dem geplanten Treffen scheint aus den E-Mails hervorzugehen, dass Epsteins Assistent Lutnick eine Nachricht von Epstein weitergeleitet hat, in der stand: «Schön, Sie zu sehen.»
Commerce Secretary Howard Lutnick and his wife Allison arrive for the premiere of first lady Melania Trump's movie "Melania" at The John F. Kennedy Memorial Center For The Performing Ar ...
Howard Lutnick und seine Frau Allison.Bild: keystone
  • Bill Gates: Laut veröffentlichten E-Mails verfasste Epstein 2013 Notizen an und über Gates, in denen er andeutete, dass dieser ausserehelichen Sex hatte, das schreibt die «NYT». Die Gates Foundation bezeichnete die Anschuldigungen als «absolut absurd und völlig falsch».
    In einer E-Mail schrieb Epstein demnach, er habe Gates dabei geholfen, Medikamente zu beschaffen, um «mit den Folgen des Sex mit russischen Mädchen fertig zu werden», und dass er Gates Treffen mit verheirateten Frauen ermöglicht habe. Es ist allerdings unklar, ob Epstein die E-Mails jemals an Gates geschickt hat.
  • Prinz Andrew: Andrew Mountbatten-Windsor (ehemals Prinz) nahm laut Unterlagen Monate nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis an einer privaten Feier mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein teil. Mehr dazu hier.
  • Sergey Brin, Mitbegründer von Google: Der über 250Milliarden schwere Brin besuchte Jeffrey Epsteins Privatinsel in St. Thomas, plante ein Abendessen in Epsteins Haus und korrespondierte mit Ghislaine Maxwell. Dies alles geht gemäss NYT ebenfalls aus den Dokumenten hervor, die das Justizministerium am Freitag veröffentlicht hat.
    Es ist bereits seit langem bekannt, dass Epstein Führungskräfte von JPMorgan mit Brin bekannt gemacht hatte und der Bank dabei half, ihn als Kunden zu gewinnen.
Sergey Brin, center turning around, a Google founder, with President Donald Trump and first lady Melania Trump, during a dinner in the State Dining Room of the White House, Thursday, Sept. 4, 2025, in ...
Sergey Brin (zur Kamera schauend) am Tisch mit Trump und weiteren Milliardären.Bild: keystone
  • Steve Tisch, Vorsitzender und Miteigentümer der New York Giants (Football): Tisch tauchte in einer Reihe der neu veröffentlichten E-Mails auf, darunter auch in Korrespondenzen, in denen Epstein für Tisch Treffen mit bestimmten Frauen arrangierte. Eine Nachricht vom Mai 2013 zeigte, dass Epstein Tisch anbot, ihn mit einer russischen Frau in Kontakt zu bringen. Tisch antwortete eine Minute später mit der Frage: «Macht sie Spass?» (Engl.: «Is she fun?») Im nächsten Monat stellte Tisch Epstein mehrere Fragen zu einer anderen Frau aus Tahiti, darunter auch, ob sie eine «Prostituierte» sei. Darauf antwortete Epstein: «Niemals.»
New York Giants co-owner Steve Tisch arrives for NFL owners meetings, in New York, Wednesday, Oct. 22, 2025. (AP Photo/Richard Drew)
NFL Owners Meetings Football
Steve Tisch.Bild: keystone

(lak)

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Epstein-Files vom 30.01.2026
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Epstein-Files vom 30.01.2026
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Trump-Ankunft in Grossbritannien – er wird mit Epstein-Fotos auf Schloss Windsor begrüsst
Video: ch media
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89 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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_Momo_
31.01.2026 10:18registriert August 2025
Das sind Abgründe welche ich mir kaum Vorstellen kann. Ich hoffe, dass alle diese Peiniger, Vergewaltiger dieser Mädchen und Frauen zur Rechenschaft gezogen werden.

Auch sonst würde ich mir wünschen, dass solche Taten, nämlich Missbrauch, Ausbeutung von Frauen, auch in der Schweiz viel mehr bekämpft und die Strafen massivst erhöht werden.

Keine Toleranz gegenüber solchen Peinigern, Gestern, Heute, Morgen!!
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Bananensalat
31.01.2026 10:53registriert Dezember 2016
Trump redet wie ein Sexualstraftäter, ist verurteilt wie ein Sexualstraftäter, hat Kontakte zu Sexualstraftätern. Was, wenn er tatsächlich ein Sexualstraftäter wäre?
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Quaerentius
31.01.2026 09:59registriert Mai 2022
Millionen veröffentlichter Akten und weiter nichts als Andeutungen und zusammenhangslose Fotos und unanständige Videos. Wann endlich können wir lesen, dass dieser ganze Monsteraktensamlung konkrete Konsequenzen hat, Befragungen, weitere Untersuchungen, Gerichtsverfahren, Verurteilungen, Genugtuungen für die Opfer?
Bis jetzt hat der Aktenberg nur ein klitzekleines Publicity-Mäuschen geboren!
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