Russland
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Wjatscheslaw Ponomarjow scheint sich in der Rolle des Widerstandskämpfers zu gefallen. Bild: Keystone

Selbst ernannter Bürgermeister

Vom Seifenfabrikant zum Rebell: So tickt der OSZE-Geiselnehmer

Vier OSZE-Beobachter werden in der ostukrainischen Stadt Slawjansk von Separatisten festgehalten, darunter ein Schweizer. Ihr zwielichtiger Anführer, der selbsternannte Bürgermeister Wjatscheslaw Ponomarjow, verfolgt ein klares Ziel. 

André Ballin, Moskau

Ein Artikel der

Knapp 120'000 Einwohner zählt die Stadt Slawjansk im Osten der Ukraine. Seit Ostern ist Wjatscheslaw Ponomarjow ihr selbsternannter Bürgermeister: Mit 2000 bewaffneten Mitkämpfern einer sogenannten Bürgerwehreinheit hält er die Stadt besetzt. 

Die mit den Separatisten sympathisierende, aber doch nicht völlig loyale Bürgermeisterin Nelli Stepa hat er zur Seite geschoben und lässt sie bewachen. Zu ihrer eigenen Sicherheit, wie er sagt. Jede Geste, jeder Satz deuten auf die militärischen Wurzeln des vierschrötigen kleinen Mannes mit den Goldzähnen und dem schwarzen Kapuzenpullover hin. 

OSCE observer Axel Schneider (L) hugs a colleague on a road 30 km (19 miles) from Donetsk in eastern Ukraine May 3, 2014, after being freed by pro-Russian separatists. A group of military observers who were seized last week by pro-Russian separatists in Slaviansk has been released, the Organization for Security and Cooperation in Europe (OSCE) confirmed on Saturday.  REUTERS/Marko Djurica (UKRAINE - Tags: POLITICS CIVIL UNREST TPX IMAGES OF THE DAY)

Auch OSZE-Beobachter Axel Schneider wurde schon von Ponomarjow festgehalten. Bild: MARKO DJURICA/REUTERS

OSZE-Beobachter in den Händen der Separatisten

Die vier in der Ukraine verschollenen OSZE-Beobachter werden von Ponomarjow festgenommen, wie der Rebellenführer der Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag sagte. «Wir werden klären, wer sie sind, wohin sie gingen und warum, und werden sie dann freilassen», so Ponomarjow. Es gehe ihnen gut. Bundespräsident Didier Burkhalter bezeichnete das Festhalten der Beobachter als «Sabotage der internationalen Bemühungen, der Ukraine bei der Überwindung der Krise zu helfen». Die Verschleppung könne nicht toleriert werden, hiess es in einem Statement des OSZE-Vorsitzenden. Sie unterminiere die wichtige Arbeit der Beobachtermission. Derzeit sammeln 282 Beobachter in der Ukraine Fakten zur politischen Situation. (sda/afp/dwi)

Stadt zur Festung ausgebaut 

«Wer gegen uns ist, wird vernichtet», sagt Ponomarjow. Das scheint keine leere Drohung, wie die mit Folterspuren aufgefundene Leiche eines proukrainischen Lokalpolitikers signalisiert. Der selbsternannte Bürgermeister schiebt die Tat auf den «Rechten Sektor» – doch es ist unschwer zu erkennen, dass Ponomarjow selbst die völlige Kontrolle über die Stadt übernommen hat. Ponomarjow hat Slawjansk konsequent zu einer Art Festung ausgebaut. Rund um die Stadt sind Sperrposten postiert, die, von mobilen Einheiten bewacht, alle Angriffe abwehren sollen. Etwa 40 Personen hat er Schätzungen nach inzwischen als «Kriegsgefangene» festgesetzt. Jüngstes Beispiel: Die vier Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

«Gott sei Dank» kaum Informationen 

Über seine Vergangenheit spricht der 49-Jährige nicht gern. Immerhin ist bekannt, dass der geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes zuletzt vor dem «Krieg» Direktor einer Seifenfabrik in der Stadt war. Davor war es eine Textilfabrik und in den 90ern soll er Autos aus Russland in die Ukraine überführt haben; ein Geschäft, das damals stets am Rande der Legalität balancierte. 

Zu Sowjetzeiten diente er bei den Streitkräften. Er habe an verschiedenen Spezialeinsätzen teilgenommen, sagte er auf einer Pressekonferenz, doch Details wollte er nicht preisgeben. «Gott sei Dank» gebe es nicht so viele Informationen über ihn, fügte er hinzu. 

Pro-Russian separatists stand guard outside the house of Rinat Akhmetov in the eastern city of Donetsk May 25, 2014.  Scores of armed pro-Russian separatists massed outside the walled home of Ukraine's richest man, Rinat Akhmetov, in the eastern city of Donetsk on Sunday as Ukrainians voted for a new president.  REUTERS/Maxim Zmeyev (UKRAINE  - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)

Pro-russische Separatisten in Doneszk. Bild: MAXIM ZMEYEV/REUTERS

Ziel: Eingliederung in Russland 

Wenn er seine Vergangenheit auch lieber im Dunkeln belässt, zu seinen Zukunftsplänen macht er klare Aussagen. Seine Heimatstadt will er zu einem Teil Russlands machen – ohne Kompromisse. Gegner der Abspaltung in Slawjansk gebe es nicht, versichert er. Verhandlungen mit Kiew lehnte er ab, ebenso die Teilnahme der Ostukraine an den Präsidentenwahlen. 

«Drei Jahre» wird der Krieg dauern 

Er spricht von Krieg, drei Jahre könne dieser dauern. «Zuerst werden wir den Osten und Südosten abtrennen. Dann werfen wir diese Idioten aus Kiew raus und marschieren bis Lwow», sagt er. Er meint es ernst. Leere Drohungen sind nicht Ponomarjows Stil. 

abspielen

Eine Rede des selbsternannten Bürgermeisters an die Einwohner von Slawjansk. Video: YouTube/ЮЖНЫЙ ФРОНТ



Das könnte dich auch interessieren:

Fotograf schiesst DAS Foto der Notre-Dame und muss sich nun gegen Fake-Vorwürfe wehren

Link zum Artikel

Das grösste Verdienst von Tesla sind nicht die eigenen Autos

Link zum Artikel

Schluss mit Lügen! So lässt sich die ganze Welt allein mit grüner Energie versorgen

Link zum Artikel

Vergiss Tinder! Hier erfährst du, welches Potenzial deine Fassade hat 😉

Link zum Artikel

17 katastrophale Tinder-Chats, die definitiv niemanden antörnen

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 9 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Mit diesen 21 Fakten kannst du beim kommenden «Game of Thrones»-Marathon angeben

Link zum Artikel

«SRF Deville» verkündet Pfadi-Putsch in Liechtenstein – diese finden's gar nicht lustig

Link zum Artikel

Brauchen wir einen Green New Deal, um eine Rezession zu vermeiden?

Link zum Artikel

Wie rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke instrumentalisieren

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Territoriale Zankäpfel – diese 14 umstrittenen Gebiete solltest du kennen

Die Nachricht kam per Twitter, wie so oft: US-Präsident Donald Trump hat sich dafür ausgesprochen, dass die USA die Souveränität Israels über die Golanhöhen anerkennen. Israel hat das zu Syrien gehörende Gebiet 1967 im Sechstagekrieg erobert und 1981 annektiert, was völkerrechtlich jedoch nicht anerkannt wurde.

Die Golanhöhen sind nicht das einzige umstrittene Gebiet: Weltweit gibt es eine nahezu unübersehbare Reihe von Regionen, auf die verschiedene Staaten Anspruch erheben. Andere Gebiete …

Artikel lesen
Link zum Artikel