Schweiz
Gesellschaft & Politik

Aargauer Parlament will keine Transparenz bei Politikfinanzierung

Aussenaufnahmen Regierungsgebäude Kanton Aargau.
Aussenaufnahmen Regierungsgebäude Kanton Aargau.Bild: Daniel Desborough

Aargauer Parlament will keine Transparenz bei Politikfinanzierung

Der Aargauer Grosse Rat will bei der Politikfinanzierung nicht mehr Transparenz. Das Parlament hat am Dienstag mit 87 zu 49 Stimmen entschieden, nicht auf die Gesetzesrevision zur Umsetzung der Transparenzregeln einzutreten. Die Mitte-Partei hatte den Antrag gestellt.
04.11.2025, 15:2604.11.2025, 16:03

Unterstützung fand der Antrag, die Vorlage nicht zu beraten, auch in den Fraktionen SVP und FDP. Die Vorlage war aufgrund einer Motion der FDP ausgearbeitet worden.

Auf dem Tisch lag eine vorbereitete Revision des Gesetzes über die politischen Rechte. Damit sollten Transparenzregeln auf Kantonsebene eingeführt werden. SP, Grüne, GLP und EVP sprachen sich für eine Regelung aus.

Es war vorgesehen, dass Parteien alle Zuwendungen ab 15'000 Franken offenlegen müssen. Für kantonale Wahlen und Abstimmungen sollte eine Meldepflicht ab 50'000 Franken gelten. Es gab im Parlament angekündigte Minderheitsanträge für höhere und tiefere Grenzwerte. Mit dem Entscheid des Grossen Rates verschwindet die Vorlage nun aber in der Schublade.

Gegner warnen vor Aufwand

Die Mitte-Partei hielt fest, der Nutzen stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand. Man wolle keine unnötige Bürokratie. Auch die SVP erachtete das Gesetz als «unnötig». Es bringe für alle einen Mehraufwand, ohne dass es einen Mehrwert für die Demokratie gebe. Es schrecke Sponsoren ab, weil sie Reputationsschäden befürchteten. Als einzige Partei hatte die SVP die Vorlage von Beginn an abgelehnt.

Die FDP stellte sich auf den Standpunkt, es gehe darum, die Regelung der Bundes zu übernehmen. Transparenzregeln müssten schweizweit die gleichen sein. Die FDP schwenkte jedoch um und stimmte für den Antrag, nicht auf die Vorlage einzutreten.

Befürworter wollten mehr Transparenz

SP, Grüne und GLP stellten sich hinter die Vorlage. Die Transparenz sei ein Grundpfeiler der Demokratie, hielt die SP fest. Die Grenzwerte für die Offenlegung dürften nicht über die Werte des Bundes erhöht werden. Die Vorlage orientiere sich an den Regeln auf Bundesebene.Die SP machte sich für tiefere Schwellenwerte stark. Diese brächten einen Mehrwert zur Transparenz. Die Grenzwerte dürften nicht erhöht werden, sonst verliere das Gesetz seine Wirkung, hielten die Grünen fest. Wer das Gesetz ablehne, wolle keine Transparenz.

Für eine glaubwürdige Politik brauche es Transparenz, hielt die EVP fest. Man stehe hinter den Vorschlägen des Regierungsrats. Der Grosse Rat solle das Gesetz beraten. Das Parlament könne es am Schluss immer noch ablehnen.

Landammann gibt kampflos auf

Landammann und Justizdirektor Dieter Egli (SP) sagte, es handle sich bei der Vorlage um die Umsetzung der vom Parlament überwiesenen FDP-Motion. Der Regierungsrat habe also den Auftrag umgesetzt und weitgehend die Regeln des Bundesrechts übernommen.

Es sei «etwas irritierend», dass es einen Nichteintretensantrag gebe. «Wenn sie jetzt nicht mehr wollen, was sie gewollt haben - dann ist der Nichteintretensantrag logisch», sagte Egli. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
21 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
CrispMüesli
04.11.2025 15:40registriert Dezember 2016
Komisch… für die Normalbürger heisst es doch sonst immer „wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten“.
651
Melden
Zum Kommentar
avatar
H.P. Liebling
04.11.2025 15:44registriert September 2018
Was für eine Überraschung aus einem bürgerlich geprägtem Rat...
641
Melden
Zum Kommentar
avatar
marcog
04.11.2025 15:42registriert Februar 2016
Lasst mich raten: die SVP und die FDP waren man wieder dagegen, dass sie ihre Mauscheleien offenlegen müssen.
581
Melden
Zum Kommentar
21
Shell-Chef warnt vor Benzinknappheit binnen Tagen – was das für die Schweiz bedeutet
Friedensgespräche hin oder her, die Strasse von Hormus ist für Tanker bis auf Weiteres nicht befahrbar. Shell-Chef Wael Sawan warnt vor baldigen Versorgungslücken in Europa. Noch zeigt man sich in der Schweiz relativ entspannt.
Der Erdölpreis sinkt wieder, die Börsen jubilieren und mindestens in der Welt der Finanzmärkte denken offenbar viele, dass der Krieg mit Iran bald vorüber sein könnte. Doch abgesehen vom Umstand, dass es für die von US-Präsident Donald Trump seit Montag zunehmend offensiv geäusserte Aussicht auf Friedensverhandlungen noch keine wirklich harten Belege gibt, spitzt sich die Versorgungslage auf den Energiemärkten weiter zu.
Zur Story