DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Aargauer Psychiater wird trotz Sex mit Patientin nicht aus Ärzteverband ausgeschlossen

Ein Psychiater verging sich in einer Aargauer Klinik jahrelang an einer Patientin, die sich wegen sexuellen Missbrauchs therapieren liess. Der Berufsverband schliesst ihn nicht aus, wie jetzt klar wird.



Bild

Für die Patientin fühlt sich der Entscheid des Ärzteverbands «wie ein weiterer Schlag ins Gesicht» an. bild: shutterstock

Die Frau begab sich in Therapie, um sexuelle Übergriffe zu verarbeiten, die sie als Kind erlebt hatte. Doch der Aargauer Psychiater nützte diese Notlage aus. Er verordnete eine Therapie mit Körperkontakten, die er laufend steigerte. Bis er immer wieder mit der Frau schlief.

Der Arzt zeigte sich selbst an, doch der Kantonsarzt und die Regierung verhängten kein Berufsverbot. Jetzt zeigt sich, dass auch der Aargauische Ärzteverband nicht hart durchgreift. Er hatte ein Standesverfahren gegen den Psychiater eingeleitet. Laut «SonntagsZeitung» urteilte die zuständige Kommission nun, dass der Mann die Regeln zwar «in krasser Weise» verletzte. Dennoch verhängt sie keinen Ausschluss aus dem Berufsverband FMH. Der Arzt kommt mit einer Busse und einem Verweis davon.

Urs Lienhard, der Anwalt des Psychiaters, sagt zur «SonntagsZeitung»: «Die Busse von 5000 Franken und den Verweis hat mein Klient als angemessen empfunden und akzeptiert. Ein Ausschluss wäre dem Verschulden nicht gerecht.» Die Standeskommission des Aargauischen Ärzteverbands äussert sich nicht öffentlich zum Fall.

«Wenn er nicht ausgeschlossen wird, wer denn sonst?»

Das Opfer ist empört. Es sei «wie ein weiterer Schlag ins Gesicht». Auch Werner Tschan, Leiter des Beratungszentrums für sexuelle Grenzverletzungen in professionellen Beziehungen, spricht von einem krassen Fehlentscheid. «Wir sprechen von einem Psychiater, der Sex mit einem Missbrauchsopfer hatte. Wenn er nicht ausgeschlossen wird, wer denn sonst?»

Auf Anzeige der Patientin wurde der Psychiater hingegen bestraft. Ende 2017 verurteilte ihn das Bezirksgericht Aarau wegen mehrfacher Ausnützung einer Notlage. Der Psychiater bekam eine bedingte Geldstrafe und eine Busse aufgebrummt. Ausserdem musste er dem Opfer 45'000 Franken Entschädigung bezahlen und durfte zwei Jahre lang keine Patientinnen behandeln.

(mwa/aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

IV-Stelle um eine Million betrogen? Sozialdetektive sahen den Vater auf Tischen tanzen

Vor dem Bezirksgericht Brugg muss sich ein Mann aus dem Balkan verantworten, der laut Anklage über zehn Jahre total 960'000 Franken als IV-Rente unrechtmässig bezog. Er soll den Behörden eine schwere Krankheit vorgetäuscht haben, während eine Observation zeigte, dass er bei Familienfesten feierte und schwere Zementsäcke hob.

Dejan (alle Namen geändert) kam im Jahr 1981 in die Schweiz. «Ich bin jetzt fast 40 Jahre hier, hatte nie eine Parkbusse oder sonst ein Problem, und jetzt soll ich ein Betrüger sein?», sagte der heute 63-jährige Mann, der aus dem Balkan stammt, am Dienstag vor dem Bezirksgericht Brugg. Dort müssen sich Dejan, seine Frau Marija, sein Sohn Milan und sein Schwiegersohn Josip in einem Fall verantworten, bei dem es um möglichen IV-Betrug in der Höhe von gut 960'000 Franken geht.

Unbestritten ist, dass …

Artikel lesen
Link zum Artikel