Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kaiman oder doch nur ein grosser Hecht? Badegäste zweifeln an der Reptil-Sichtung

Ein Fischer hat beobachtet, wie das kleine Krokodil eine junge Ente frass. Die Polizei hat das Reptil am Montagabend erfolglos gesucht. Vielleicht, weil es gar nicht existiert, glauben einige Gäste am Hallwilersee.

Noemi Lea Landolt / ch media



Kaiman
https://de.wikipedia.org/wiki/Kaimane

Kaimane sind in Südamerika heimisch. Wer sie in der Schweiz als Haustier halten will, braucht eine Bewilligung. Bild: wikipedia

Er dürfte nicht schlecht gestaunt haben, der Fischer. Am Sonntagabend entdeckte er im Hallwilersee bei Beinwil am See ein exotisches Tier. Er hat die Polizei alarmiert und glaubhaft geschildert, dass er ein etwa anderthalb Meter grosses Reptil beobachtet habe, das plötzlich an der Wasseroberfläche erschienen und nach einer schwimmenden jungen Ente geschnappt habe.

Danach soll das Tier mitsamt der Beute weggeschwommen sein. Aufgrund der Beschreibung gehen Fachleute davon aus, dass es sich um einen Kaiman handeln könnte.

Kaimane unterstehen dem Artenschutzübereinkommen. Wer sie als Haustier halten will, braucht eine Bewilligung. Der Veterinärdienst hat im Aargau nur eine solche Bewilligung erteilt. Die Polizei geht davon aus, dass der Kaiman im Hallwilersee wahrscheinlich aus illegaler Tierhaltung stammt und ausgesetzt worden war.

Hinweise zur Herkunft und möglichen früheren Besitzern lägen aber noch keine vor. Die Kantonspolizei hat entsprechende Ermittlungen aufgenommen. Ausserdem bittet sie Personen, die verdächtige Feststellungen im Zusammenhang mit einer privaten Reptilienhaltung gemacht haben, sich zu melden.

Macht ein Kaiman den Hallwilersee unsicher?

In Beinwil am See soll ein Fischer angeblich einen Kaiman gesehen haben, was eine Unterart eines Krokodils ist. Vom exotischen Tier fehlt bis jetzt jedoch jede Spur. Video: © TeleM1

Am Montagabend hat die Polizei auf Veranlassung des Veterinärdienstes sowie der Jagdverwaltung das Seeufer zwischen Mosen und Beinwil am See nach dem Tier abgesucht. Ohne Erfolg. Der Kaiman zeigte sich nicht mehr.

Weitere Suchmassnahmen würden aktuell geprüft. Da die Suche schwierig sei, bittet die Kantonspolizei um Wachsamkeit. Wer im Hallwilersee ein solches Tier sehen sollte, wird gebeten, sich sofort über den Notruf 117 zu melden.

Den Hallwilersee meiden muss wegen des mutmasslichen Kaimans niemand. Spaziergänger oder Badegäste gehören nicht zum Beuteschema. Laut Einschätzung eines beigezogenen Experten geht von einem Tier dieser Art und Grösse keine akute Bedrohung für Menschen aus. Das kleine Krokodil ist in der Abenddämmerung vorwiegend in flachem Wasser auf der Jagd nach Beute.

Es fresse primär Fische und Kleintiere. Zudem seien Kaimane grundsätzlich scheu und reagierten erst aggressiv, wenn sie sich bedroht fühlen. Wer das Tier sieht, sollte sich ihm trotzdem nicht nähern oder gar versuchen, es selber einzufangen, teilt die Polizei mit.

«Es könnte auch ein Hecht gewesen sein»

Die Gäste in der Badi Beinwil am See hätten gelassen auf die Sichtung des Kaimans reagiert, sagt Badi-Leiter Silvan Suter. Das Telefon habe am Dienstagnachmittag zwar häufig geklingelt. Am anderen Ende waren aber nicht etwa besorgte Gäste, sondern solche, die daran zweifelten, dass es sich beim gesichteten Tier tatsächlich um einen Kaiman handelt.

Zweifel hat auch Ueli Haller, der Chef der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee. Schlangen und Biber würden im Hallwilersee ab und zu gesichtet, sagt er. Aber von einem Reptil habe er bis jetzt noch nie etwas gehört. «Von der Grösse her könnte es auch ein Hecht gewesen sein», sagt Ueli Haller. Diese würden auch nach Enten schnappen. Trotzdem will er vom Schiff aus Ausschau halten. «Vielleicht entdecken wir den Kaiman ja beim ‹Sünnele›.»

Auch ennet der Kantonsgrenze sorgte die Meldung der Polizei über das exotische Tier nicht für Aufregung. Auf dem Campingplatz in Mosen LU vertraut Geschäftsführer Markus Willi den Experten, die sagen, das Tier sei ungefährlich und menschenscheu. Die Mitarbeitenden seien aber informiert, dass sie sofort die Polizei informieren, wenn ihnen etwas auffällt.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Die besten Naturfotografien aus dem Jahr 2015

Krokodilprodukte sind hoch im Kurs

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • fools garden 17.07.2019 15:23
    Highlight Highlight Fischerlatein?
  • HugiHans 17.07.2019 10:55
    Highlight Highlight Von der Grösse und dem Verhalten her könnte auch ein Wels passen. Dieser ist im Sommer auch in sehr seichtem Gewässer unterwegs. Aber ein Fischer sollte hier definitiv eine zuverlässige Eingrenzung der Art machen können. Und wenn seine Beobachtung als plausibel eingestuft wurde, muss er dies ja auf eine nahe Distanz beobachtet haben.
    • Joe Smith 17.07.2019 11:26
      Highlight Highlight Von der Grösse und vom Verhalten schon, aber nicht vom aussehen. Aber einen Hecht, der von unten nach einer Ente schnappt und von dem man nur schnell die Schnauze sieht, kann schon mit einem Kaiman verwechselt werden. Da fällt mir ein, dass ich noch gar keinen Hinweis darauf gelesen habe, ob beim Fischer eine Alkoholprobe durchgeführt wurde.
    • Max Dick 17.07.2019 13:06
      Highlight Highlight Wenn dein Gegenüber unter Alkoholeinfluss steht, merkst du das relativ schnell - dazu brauchts keine Alkoholprobe. Interpretiere ich die Behördenmitteilungen richtig, nehmen sie den Fischer allerdings durchaus ernst. 1997 oder 98 hat ja mal eine lustige Dame ein Krokodil in der Aare gemeldet. Damals konnte in den offiziellen Behördenaussagen eindeutig zwischen den Zeilen gelesen werden, wie ernst sie diese Dame nahmen.
  • mitoffenenaugenniessengehtdoch 17.07.2019 10:51
    Highlight Highlight falls es nun doch ein alligator sein sollte vermute ich eine gezielte pr-aktion von diesem herrn dahinter 😜

    Play Icon
    • Raembe 17.07.2019 15:03
      Highlight Highlight Alligator ist nicht gleich Kaiman
  • Max Dick 17.07.2019 09:36
    Highlight Highlight Wer nicht selbst mit dem Fischer gesprochen hat und genau weiss, wie ein Kaiman aussieht und sich verhält, kann auch schlecht beurteilen, wie glaubwürdig dessen Aussage, und wie gross die Wahrscheinlichkeit, dass er da was verwechselt hat, ist.
    Nur soviel: Dass es ausser dem Fischer noch keiner gesichtet hat, ist noch lange kein Hinweis darauf, dass es nicht existiert. Denn scheue Tiere dieser Art beherrschen es ausgezeichnet, sich vor dem Menschen versteckt zu halten, auch wenn sie - für ihre Verhältnisse - an einem Ort mit sehr hohem Menschenaufkommen unterwegs sind.
  • Abu Nid As Saasi 17.07.2019 08:23
    Highlight Highlight "Schlangen und Biber würden im Hallwilersee ab und zu gesichtet.... Aber von einem Reptil habe er bis jetzt noch nie etwas gehört..."
    Somit sind Schlangen entweder Mollusken oder Würmer oder Insekten oder Fische oder Vögel oder Säugetiere?
  • Holunderblütensirup 17.07.2019 07:52
    Highlight Highlight Loch Ness kriegt ernst zu nehmende Konkurrenz. Das Monster vom Hallwilersee. Bald gibt es auch schon Souvenirs und Touristen aus aller Welt folgen an den Ort.

Jedem Kanton sein See: So sähe die Schweiz nach dieser radikalen Änderung aus

Wasser ist das Gold der Zukunft. Sagen zumindest einige schon länger. Dann würde es ja eigentlich auch Sinn machen, unsere Kantone rund um die grössten Schweizer Seen aufzubauen. So sähe die Schweiz dann aus.

Willkommen zurück zu unserer Serie: Herumspielen mit Schweizer Kantonen. In der Vergangenheit teilten wir sie bereits nach Nähe zum Kantonshauptort auf (gemessen an der Luftlinie und Reisedauer), definierten danach 20 Kantone mit den jeweils grössten Schweizer Städten und teilten zuletzt alle Einwohner gleichmässig auf die Kantone auf.

Im nächsten Experiment geht es um die Seen. Mehr als 1500 Seen und Weiher liegen in unserem Land. Darum ist man in der Schweiz nie weiter als 16 Kilometer von …

Artikel lesen
Link zum Artikel